Drei Dinge, die bei FC Bayern gegen VfL Wolfsburg auffielen: Der Rekordmeister misst sich nur noch mit Geschichtsbüchern
VonJan Zesewitz
Publiziert 11/01/2026 um 23:33 GMT+1 Uhr
Der FC Bayern startete mit einem historischen Kantersieg gegen den VfL Wolfsburg in das Jahr 2026. Nach einem 2:1 zur Halbzeit demontierte der Rekordmeister den Gegner und gewann am Ende 8:1. In der Bundesliga jagen die Münchner damit fast nur noch Rekorde aus der Vergangenheit. Michael Olise unterstrich mit vier Torbeteiligungen seine aktuelle Weltklasseform. Drei Dinge, die auffielen.
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Eine Eingewöhnungsphase nach der Winterpause schienen die Bayern zunächst nicht zu benötigen. In der 5. Minute stand es schon 1:0 nach einem Eigentor des Wolfsburgers Kilian Fischer.
Wenig später glichen die Wölfe aus (Pejcinovic, 13.) und es lief eine Halbzeit lang nicht wirklich wie aus einem Guss beim Star-Ensemble - auch wenn Luis Díaz nach 30 Minuten für die Führung sorgte. Der VfL verteidigte engagiert und mutig, die Bayern waren zwar die bessere Mannschaft, sorgten aber für wenig zwingende Chancen.
Das änderte sich in der zweiten Hälfte radikal, die Gäste ließen die defensive Disziplin aus der ersten Halbzeit vermissen und gerieten komplett unter die Räder.
Die Bayern haben nach dem 3:3 von Borussia Dortmund gegen Eintracht Frankfurt nun elf Punkte Vorsprung auf Platz zwei. So groß war der Abstand zu diesem Zeitpunkt 2014/15 mit ebenfalls elf Punkten - übrigens auf den VfL Wolfsburg.
Drei Dinge, die bei FC Bayern gegen VfL Wolfsburg auffielen:
1.) Olise und die individuelle Klasse sind in der Bundesliga mehr als genug
In der 50. Minute des Spiels beschloss Michael Olise, ein Tor zu schießen. Dafür zog er von der rechten Seite parallel zum Tor in die Mitte, ließ einen Gegenspieler aussteigen, nahm mit einer Täuschung zwei weitere Wolfsburger aus der Verlosung und zog mit links unhaltbar ins lange Eck ab.
Das sah für den Franzosen recht einfach, ja spielerisch aus. In diesem Spiel gelang ihm ohnehin fast alles, was er sich vornahm. Seine Flanke auf Díaz vor dem 2:1 war perfekt und als er seinen kolumbianischen Flügelpartner kurz nach seinem eigenen Treffer nochmal auflegen wollte, kam diesem nur VfL-Verteidiger Moritz Jenz zuvor. Der schoss das zweite Eigentor des Tages und es öffnete endgültig die Schleusen für die hereinbrechende Bayern-Flut.
Die Star-Power der Münchner ist für den Rest der Liga einfach zu viel. Das ist keine bahnbrechende Erkenntnis, aber es wurde bei einem 8:1 noch offensichtlicher als sonst: Olise war der beste Spieler auf dem Feld, erzielte zwei Tore und bereitete zwei vor. Díaz kam auf drei Scorerpunkte und hätte gut und gerne ein Tor mehr erzielen können. Harry Kane schoss "nur" ein Tor und bereitete eines vor, spielte aber beiläufig Weltklasse-Pässe aus dem Fußgelenk und sein Treffer kann nur die Prädikate "Präzisionsarbeit" und "Traumtor" erhalten.
Allein mit diesem Trio in der Offensive kann keine Mannschaft in der Bundesliga mithalten. Das erste Spiel des Kalenderjahres war in dieser Hinsicht eine sehr eindeutige Message des Rekordmeisters.
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2.) Der Bayern-Hunger ist wieder da
Es hat mindestens seit der Heynckes-Saison 2012/13 eine gewisse Tradition, dass die Bayern in der Liga ein paar Schützenfeste pro Jahr feiern. Sogar in der einzigen Nicht-Meisterschaftsssaison seither (2023/24) gab es ein 8:0 gegen Holstein Kiel und ein 8:1 gegen Mainz.
Dieses erste Spiel des Jahres fühlte sich dennoch anders an. Es fühlte sich eher nach den Heynckes-, Guardiola-, Flick-Bayern an. Eine Mannschaft, die gnadenlos gegnerische Abwehrreihen auseinandernimmt. Eine Mannschaft, die auch beim Stand von 6:1 weiter nach vorne spielt, wo sich Weltklasse-Spieler weiter zeigen wollen. Dieses Gefühl gab es in den vergangenen Jahren - und in dieser Souveränität und diesem Selbstverständnis - so nicht.
Das ist zu weiten Teilen Trainer Vincent Kompany zu verdanken. Der Belgier hat dem Team den alten Bayern-Hunger wieder eingeimpft. "Wenn wir ein Spiel verlieren, dann ist es wie der anderen Mannschaft einen Titel zu schenken", sagte er auf der Pressekonferenz nach dem Spiel.
Diese Attitüde zieht sich über 90 Minuten in jedem Bundesliga-Spiel durch. Und auch wenn es wieder kein Zu-Null-Spiel für die Bayern war, ist doch die Offensiv-Power so ausgeprägt, dass ein einzelner Lapsus wie gegen Wolfsburg keine Rolle spielt. Acht Gegentore werden die Bayern in dieser Saison wohl selten kassieren.
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3.) Historischer Abend zum Jahresauftakt
Während für die Bayern derzeit nur Superlative verbleiben, war das erste Pflichtspiel des Jahres für die Wolfsburger ein Abend zum Vergessen. Es war die höchste Bundesliga-Niederlage des Vereins. Vor dem 1:8 hatten die Niedersachsen dreimal 0:6 verloren, in den Saisons 2016/17 und 2018/19 ebenfalls gegen die Münchner. Auch gegen Borussia Dortmund hieß es in der Spielzeit 2022/23 am Ende 0:6.
Das war nicht der einzige Rekord, der in der Allianz Arena gebrochen wurde. Die Bayern müssen sich in der Bundesliga 2026 nur mit den Geschichtsbüchern messen. 63 Tore in einer Hinrunde - Rekord (bei noch einem ausstehenden Spiel). Bis zum Saisonrekord, den die Bayern 1971/72 mit 101 Toren aufgestellt haben, fehlen nur noch 38. Kane und Co. müssten sich auf weniger als 2,11 Tore pro Spiel beschränken, um das nicht zu schlagen. Das erscheint unwahrscheinlich.
Zumal die Weltklasse-Offensiven beim Rekordmeister auch noch auf individuelle Auszeichnungen aus sein können: Kane steht jetzt schon bei 20 Bundesliga-Toren, was ihm damit in jeder seiner drei Saisons bei den Bayern gelang.
Olise absolvierte sein 50. Bundesliga-Spiel und steht jetzt bei 51 Scorer-Punkten (21 Tore, 30 Assists) - nur ein Spieler schaffte in diesem Zeitraum mehr. Kane, klar, natürlich (69). Zum achten Mal verzeichnete der Franzose zudem mindestens ein Tor und eine Vorlage in einem Spiel. In allen Top-Fünf-Ligen gelang dies seit Beginn der Vorsaison nur Mo Salah vom FC Liverpool häufiger. Ein wahrhaft historsicher Abend.
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