Eintracht Frankfurt sportlich und wirtschaftlich auf Erfolgskurs: Wie Sportvorstand Markus Krösche den Transfermarkt beherrscht
VonThomas Gaber
Publiziert 30/07/2025 um 11:10 GMT+2 Uhr
Der Erfolg von Eintracht Frankfurt in den letzten Jahren ist eng mit Markus Krösche verbunden. Seit der Sportvorstand 2021 die Geschäfte seines Vorgängers Fredi Bobic übernahm, kennt die sportliche und wirtschaftliche Entwicklung der Hessen nur eine Richtung - bergauf. Krösche hat sich dabei weit über die Grenzen Frankfurts hinaus einen Namen als gewiefter Transfer-Guru gemacht.
Markus Krösche ist seit 2021 Sportvorstand von Eintracht Frankfurt
Fotocredit: Getty Images
Im Februar widmete sich die spanische Sportzeitung "Marca" einer ungewöhnlichen Lovestory aus der Welt des Fußballs. Hauptdarsteller der Romanze waren Markus Krösche und seine Ehefrau Viktoria.
Als Krösche Spieler beim SC Paderborn war, verliebte er sich in das Maskottchen des ostwestfälischen Klubs. Im Mäusekostüm "Holli" steckte an Spieltagen Viktoria - und verdrehte Krösche offensichtlich den Kopf.
Fünf Monate später war Krösche der "Marca" erneut einen Artikel wert - diesmal ohne Liebesabenteuer und Herzchen-Emojis. Als "König des Transfermarkts mit dem goldenen Händchen" bezeichnete der Autor den 44-Jährigen.
Die aberwitzigen Summen, die Krösche in Frankfurt aus Spielerverkäufen generiert, sind den internationalen Märkten nicht verborgen geblieben. Jesper Lindstrøm, Randal Kolo Muani, Willian Pacho, Omar Marmoush und Hugo Ekitiké spülten insgesamt 335 Millionen Euro in die Eintracht-Kassen.
Dicke schwarze Zahlen dank "Kohle-King Krösche"
Rechnet man die Ausgaben für die fünf Spieler dagegen, bleibt ein Gewinn von 298,5 Millionen Euro. "Kohle-King Krösche" taufte ihn die "Bild" und die "SZ" schwärmte, dass Krösche ein "geradezu wunderliches Geschäftsmodell" etabliert habe.
Dabei ist das Transfermodell nicht unbedingt revolutionär. Es geht - wie bei vielen anderen Vereinen - neben der Talenteausbildung im eigenen Haus um die Sichtung verheißungsvoller Jungprofis, die dann den Durchbruch bei der Eintracht schaffen und anschließend gewinnbringend verkaufen werden.
Die dicken schwarzen Zahlen in den Eintracht-Büchern basieren auf einem ausgeklügelten Scouting-System und Krösches Handlungsschnelligkeit und seiner Spitzfindigkeit auf dem oftmals überhitzten Transfermarkt.
Für die Talentesichtung beschäftigt Frankfurt drei Datenwissenschaftler und einen Mathematiker. Deren Aufgabe ist es, auf Grundlage von Algorithmen benötigte Spielerprofile für die Spielidee zusammenzustellen, woraus sich eine Kandidatenliste ergibt.
Im nächsten Schritt werden die geeigneten Spieler über ein detailliertes Video-Scouting ausgesiebt, die Scouts letztlich in zehn Spielen live beobachten.
Krösche setzt auf Schnelligkeit und Effizienz
Krösche setzt in diesem Prozess auf Schnelligkeit und Effizienz. "Wir müssen so handeln, denn wir haben nicht die Mittel von anderen Klubs", sagte er dem "Bundesliga-Magazin" der DFL. Für Krösche ist es dabei unabdingbar, sich intern auseinanderzusetzen. "Um gute Entscheidungen zu treffen, brauchst du gute und starke Leute mit unterschiedlichen Fähigkeiten. Ich mag eine Diskussionskultur. Leute, die mir auch mal eine andere Meinung sagen."
Krösche schreckt auch nicht vor Risiko und mitunter unpopulären Entscheidungen zurück. Im Eintracht-Kader der Saison 2023/24 standen nur noch drei Profis, die zwei Jahre zuvor die Europa League gewannen.
Frankfurt wurde unter Krösche zur Hydra. Verlor sie einen Kopf, wuchs ein anderer nach. Nach Evan N'Dicka kam Pacho, nach Rafael Borré Kolo Muani und nach dem Marmoush. "Andere Topklubs brauchen saudische Investoren für den Millionentropf. Die Eintracht nur Krösche", fasste es der Fernsehmoderator Micky Beisenherz zusammen.
Dass nicht alle Transfers funktionieren, liegt für Krösche in der Natur der Sache. "Wir leben in einem Peoples Business, da musst du eine Fehlertoleranz haben. Ich habe auch schon genug Fehler gemacht", gesteht Krösche. Letztlich agiere er aber "losgelöst von Ergebnissen".
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Ekitiké über Liverpool-Wechsel: "Der nächste Schritt"
Quelle: Perform
Matthäus: "Frankfurt lebt das 'Mia-san-Mia-Gefühl"
Die können sich unter seiner Regie aber mehr als sehen lassen: Europa-League-Sieg 2022, Champions-League-Achtelfinale und DFB-Pokal-Finale 2023, Tabellenplatz drei in der Saison 2024/25 und die damit erstmalige Qualifikation für die Königsklasse über die Liga.
Das Gesamtpaket Eintracht Frankfurt ist für viele Talente aus dem In- und Ausland eine beliebte Adresse geworden. Mit 24,2 Jahren stellte der Klub den alterstechnisch jüngsten Kader der letzten Bundesligasaison. Bei umworbenen Spielern greift Krösche schon mal in die Psycho-Trickkiste und schickt ein Paket mit dem bereits beflockten Eintracht-Trikot vorbei.
"Ich habe es immer gesagt, dass Frankfurt - das möchte der FC Bayern jetzt wahrscheinlich nicht hören - dieses 'Mia-san-Mia-Gefühl' in den letzten vier Jahren komplett lebt", sagte "Sky"-Experte Lothar Matthäus. "Was die Fans und die Vereinsführung angeht, wirken alle professionell, unaufgeregt und klar. Nach außen lebt das Krösche beispielsweise durch seine Transfer-Ansagen vor. Vereinsintern ist es nicht anders. Frankfurt gibt ein familiäres, geschlossenes Bild ab."
PSG, ManCity, Liverpool - viel Geld von den Topklubs
Letztlich kommen Krösche bei Spielerverkäufen auch der hysterische Markt und die Gunst der Gelegenheit zugute. Als Paris Saint-Germain Kolo Muani 2023 anbaggerte, war der Klub auf Biegen und Brechen darauf aus, Kylian Mbappé und Ousmane Démbélé einen dritten Franzosen im Sturm an die Seite zu stellen.
Als Manchester City letzte Saison Spiel um Spiel verlor, waren die Preise für Neuzugänge im Winter sekundär, woraufhin Marmoush für 75 Millionen Euro auf die Insel wechselte. Und im Fall vom Ekitiké profitierte die Eintracht von der plötzlichen Bereitschaft des FC Liverpool, das Geld mit beiden Händen auszugeben - nach einer souverän eingefahrenen Meisterschaft.
Krösche und der Eintracht können die Beweggründe der anderen Klubs egal sein - solange die Kohle stimmt. Damit lässt sich Jahr für Jahr auch ein Neuanfang bewerkstelligen. Dies ist den Frankfurtern in den letzten Jahren vorzüglich gelungen.
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Transfer-Tracker: Reals neue Ära unter Alonso
Quelle: Perform
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