FC Bayern München: Lennart Karl als Lösung aller Joker-Probleme? Bayern-Offensive ohne Kingsley Coman ausgedünnt

Der Wechsel von Kingsley Coman nach Saudi-Arabien steht bevor. Die Offensive des FC Bayern wäre dann merklich - einige sagen: bedenklich - ausgedünnt. Die Bosse um Max Eberl wollen auf dem Transfermarkt aktiv werden, doch wie so oft liegt das Gute so nahe: Der Fundus der Talente-Teenager vom Campus ist groß. Einer hat sich in der Vorbereitung zur echten Alternative entwickelt: Lennart Karl.

Fußball: Lennart Karl jubelt über sein Tor für den FC Bayern München gegen Tottenham Hotspur im Telekom Cup

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Es werden immer weniger beim FC Bayern.
Thomas Müller landete bereits in Kanada, um sich demnächst bei den Vancouver Whitecaps ins Abenteuer MLS zu stürzen. Leroy Sané ist zu Galatasaray Istanbul gewechselt, hat bereits sein Pflichtspiel-Debüt in der Süper Lig gegeben. Mathys Tel wurde nach der Leihe endgültig zu Tottenham Hotspur transferiert und Bryan Zaragoza für eine Saison (Leihe plus Kaufverpflichtung) an Celta Vigo abgegeben.
Und Kingsley Coman, der beim 2:1 gegen die Grasshopper in Zürich erkrankt fehlte, steht unmittelbar vor einem Wechsel zu Al-Nassr. 
Macht fünf prominente Abgänge in der Offensive des Rekordmeisters - wenn auch nur zwei bis maximal drei zum Stammpersonal gehörten. Eingekauft haben die Bayern-Bosse um Sportvorstand Max Eberl & Co. bisher einen Spieler für die Offensive: Luis Díaz, für den die Münchner etwas mehr als 70 Millionen Euro Ablöse an den FC Liverpool bezahlten.

Gnabry als Allround-Joker

Wenn der Deal mit Coman endgültig durch ist, bleiben Trainer Vincent Kompany aktuell nur noch fünf gestandene Profis für die vier Offensiv-Positionen im 4-2-3-1-System.
Eine Angriffsformation mit Mittelstürmer Harry Kane, Rechtsaußen Michael Olise, Linksaußen Díaz und zentral als Zehner Jamal Musiala kann sich auch auf Champions-League-Niveau sehen lassen. Doch Musiala fällt wegen seines im Viertelfinale der Klub-WM erlittenen Wadenbeinbruchs wahrscheinlich bis zur Winterpause aus.
Sein möglicher Ersatz auf der Zehn: Serge Gnabry. Und fällt Torjäger Kane mal aus, käme: Serge Gnabry. Braucht Olise eine Pause, kommt wer rein? Serge Gnabry. Verletzt sich Díaz, springt wer ein? Genau. Serge Gnabry.
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Serge Gnabry kann auf allen Offensivpositionen eingesetzt werden

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Ein Allround-Joker für alle Offensiv-Positionen ist ziemlich dünn bis zum Winter. Die Verantwortlichen schauen sich um, die Zeit drängt. Alle Vereine, die Bayern nun kontaktiert, wissen: Die haben Druck. Handlungs- und Zeitdruck.
Bei Nick Woltemade (23) ist man in der Sackgasse, der VfB Stuttgart auch nach dem dritten Angebot vom Mittwoch nicht gesprächsbereit. Bayern gibt nicht auf, will den Angreifer unbedingt, weil er aufgrund seiner Fähigkeiten variabel einsetzbar ist – als Neuner neben Kane, als Zehner dahinter oder als verkappter Linksaußen.
Doch bislang bleibt der VfB stur, plant mit Woltemade.

Welche YouNgster vom Campus füllen die Lücke?

Weitere Alternativen: Die Rassel-Bande aus dem Campus-Fundus. Paul Wanner (19), derzeit mit leichter Verletzung außer Gefecht, ist eher ein Zehner-Typ.
Genau wie der Peruaner Felipe Chávez (18) aus der U19, der bereits in der Regionalliga-Mannschaft U23 kickt. Jonah Kusi-Asare (18), ein Azubi-Stürmer, der zuletzt auch zweimal wunderschön traf, ist ein klassischer Neuner. Kommt Woltemade bis zum Ende des Transferfensters am 1. September doch noch, würde Bayern den Schweden ausleihen.
Auch auf den Flügelpositionen sieht die Zukunft der Roten rosig aus. Da sind der erst 16-jährige Wisdom Mike, ein Linksaußen, der bereits zwei Kurzeinsätze bei den Profis bekam und vor allem: Shootingsternchen Lennart Karl.
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Lennart Karl hat sich beim FC Bayern ins Rampenlicht gespielt

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Der 17-jährige Rechtsaußen brillierte am Dienstag in Zürich beim 2:1 der Münchner im letzten Testspiel vor dem Saisonstart gegen die Grashoppers. Ein Traumtor aus 25 Metern mit links, eine punktgenaue Vorbereitung für Mittelstürmer Kusi-Asare, der das 2:0 erzielte.
Zwei Scorerpunkte nach seinem ersten Profi-Treffer fünf Tage zuvor im Testspiel gegen Tottenham (4:0). Läuft bei Lennart, der momentan zu schweben scheint. Zwischen den beiden Highlights seiner noch jungen Karriere verlängerte er seinen Vertrag bis 2028. Im Februar wird er 18, darf alleine Auto fahren und erhält sein erstes Arbeitspapier als Profi.

Lobeshymnen auch bei Karl ein sensibles Thema

Ob Karl, die Entdeckung der Vorbereitung, der sein Pflichtspiel-Debüt Mitte Juni bei der Klub-WM in den USA feiern durfte, sich bis dahin unverzichtbar gemacht hat?
Dass der Linksfuß auf der rechten Außenbahn als erster Backup für Michael Olise (23), dem Bayern-Spieler der vergangenen Saison, auserkoren wurde, gilt schon als Ritterschlag. Doch ist der lediglich 1,69 Meter große Prinz Löwenherz mit dem dünnen Schnurr- und Kinnbärtchen nicht schon mehr, nicht schon weiter?
Dank seines tiefen Körperschwerpunktes begeistert er mit frechen Tempo-Dribblings im Eins-gegen-Eins auf engstem Raum, ist beidfüßig, beim Abschluss torgefährlicher mit links. Ruhe und Übersicht am Ball sowie das vertikale Spiel zeichnen ihn aus, immer auf der Suche nach dem direkten Weg zum Tor, per Dribbling oder Pass.
"Lenni hat diese Fähigkeit, im letzten Drittel immer gefährlich zu sein", lobte ihn sein Trainer Vincent Kompany. Aktuell halten sich die Bosse mit Lobhudeleien zurück - ist ja immer ein sensibles Thema bei einem "rising star" im Teenager-Alter.

Karl keck: "Ich kann meine Stärken zeigen" 

Dass sich Karl am Dienstagabend beim vereinseigenen Sender "fcb.tv" (und nicht in einer eher unkontrollierbaren wie im Output unvorhersehbaren Reporter-Runde) einem Live-Interview stellen durfte, war ungewöhnlich. Mutig - von allen Seiten.
Die Intensität im Profi-Training sei "ganz hoch", sagte er, "aber ja, ich kann auf jeden Fall mithalten." Und weiter: "Ich kann meine Stärken zeigen, an meinen Schwächen arbeiten." Egal, gegen wen es geht.
"Ich will auch jetzt bei den größeren Spielen, zum Beispiel gegen Stuttgart im Supercup oder in der Bundesliga, auf jeden Fall Spielzeit bekommen. Ich arbeite sehr hart daran und hoffe, es klappt." Wer so spricht, weiß, was er kann und wohin er will. Zu keck, der Karl? Einfach selbstbewusst oder schon eine Spur drüber?
Karl, der von Ex-Nationalspieler Michael Ballack und dessen Agentur Lucky 13 GmbH beraten wird, muss seine eigenen Erfahrungen machen, Grenzen austesten. Fußball-Fans lechzen nach neuen Typen, reiben sich an Spielern mit Ecken und Kanten. Nur die fallen auf, Durchschnitt schwimmt mit.
Ob solche Ansagen innerhalb der Kabine, im Mannschaftskreis, gut ankommen? Wird sich zeigen. Es ist eine der Aufgaben der Kapitäne um Manuel Neuer und Joshua Kimmich, Talenten den rechten Weg zu weisen.
Zu aufmüpfige junge Spieler bekommen die Antwort im Training zu spüren. Beginnend mit dem Franz-Beckenbauer-Supercup am Samstag in Stuttgart gegen den VfB warten nun andere Kaliber als Tottenham oder Zürich. In Pflichtspielen geht’s anders zur Sache. Teenie Karl kommt jetzt in die Schule des Profi-Lebens.
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Lennart Karl hat eine rosige Zukunft vor sich

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Wie Karl über die Eintracht nach München kam

Karl kam 2008 in Frammersbach zur Welt, einem kleinen Ort im unterfränkischen Spessart, und erlernte das Kicken in der Jugend von Viktoria Aschaffenburg. Mit neun Jahren wechselte er zum Nachwuchs von Eintracht Frankfurt, wurde dort allerdings aussortiert, als 2022 sein Wechsel zum FC Bayern feststand.
Um die Zeit bis zum Sommer zu überbrücken, kehrte Karl für ein halbes Jahr zu seinem Heimatverein in Aschaffenburg zurück.
In München durchlief Karl ab der U15 sämtliche Nachwuchsstufen des FC Bayern. Am Campus rückte er schnell in die U17 und U19 auf, brillierte in der Jugend mit 31 Toren und elf Vorlagen in 30 Spielen.
Im elterlichen Hause in Frammersbach hängt in seinem Kinderzimmer über seinem Schreibtisch ein Trikot von Joshua Kimmich, Rückennummer 32. Nun ist Kimmich, der DFB-Kapitän, sein Mitspieler. So schnell kann's gehen.
Nächster Halt der wilden Karriere-Fahrt im Eiltempo: Stuttgart, der Supercup. Mit Karl in der Startelf oder als Joker? Kompany stellt nach Hierarchie auf, also eher Gnabry.
Dennoch könnte aus Lennart, dem kleinen Kerl mit der Nummer 42, eines Tages Karl, der Große werden.
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Frank: "Kleine Details haben uns das Spiel gekostet"

Quelle: Perform


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