FC Bayern München - Transfer-Stau setzt Max Eberl unter Druck: Warum es für den Rekordmeister jetzt richtig teuer wird
Update 24/07/2025 um 09:30 GMT+2 Uhr
Bisher hat der FC Bayern München auf dem Sommer-Transfermarkt fast nur Einnahmen generiert. Jetzt geht es an die dicken Fische. Die Wechsel von Nick Woltemade und Luis Díaz sind in der Schwebe, Bayern streckt sich finanziell an die Decke. Falls die Prio-Transfers nicht klappen, arbeitet man parallel an B-Lösungen. Die Namen auf der Liste sind prominent: Christopher Nkunku und Malick Fofana.
Eberl betont: Unsere Saison wird unterschätzt
Quelle: Perform
Liest sich gut. Auf der Einnahme-Seite des FC Bayern stehen aktuell satte 40 Millionen Euro in der Bilanz des Sommer-Transferfensters. Den dicksten Batzen ergab der endgültige Transfer von Stürmer Mathys Tel zu Tottenham Hotspur.
Auf die rund zehn Millionen Euro, die im Januar für die Rückrunden-Leihe flossen, kamen nun weitere 35 Millionen Euro Ablöse obendrauf. Außerdem wurden abgegeben: Frans Krätzig (für 3,5 Millionen Euro an RB Salzburg), Gabriel Vidovic (1,2 Millionen Euro an Dinamo Zagreb) und Daniel Peretz.
Der Ersatztorhüter wurde für eine Saison und 250.000 Euro Leihgebühr an Bundesliga-Aufsteiger Hamburger SV ausgeliehen. Allesamt Ergänzungsspieler oder Talente, die – bis auf Peretz - gewinnbringend transferiert wurden.
Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Denn wenn die Bayern-Profis nach ihrem dreiwöchigen Urlaub Anfang nächster Woche mit den obligatorischen medizinischen Untersuchungen und Leistungstests wieder ins Training einsteigen, sind zwei Neuzugänge dabei, die keine echten Neuzugänge mehr sind.
Tah und Bischof bisher einzige Neuzugänge
Jonathan Tah (zuvor Bayer 04 Leverkusen) hat sich innerhalb von nur fünf Einsätzen während der Klub-WM in den USA bereits als Abwehrchef etabliert. Dagegen kam Mittelfeldspieler Tom Bischof (zuvor TSG 1899 Hoffenheim) lediglich eine Halbzeit zum Einsatz.
Beide Spieler waren zum 1. Juli ablösefrei, um das Duo auch bei dem FIFA-Turnier in den USA zum Einsatz bringen zu können, zahlte man für Tah (29) eine zuvor vereinbarte erfolgsabhängige Ablösesumme von zwei Millionen Euro an Bayer, für Talent Bischof (19) rund 300.000 Euro an die TSG. Ob es das angesichts des Viertelfinal-Aus gegen Paris St.Germain wert war, steht auf einem anderen Blatt.
Ein recht günstiger Transfersommer – bisher. Denn ab sofort wird’s teuer, richtig teuer. Denn die Empfänger von Angeboten mit einer Absendermail, die von einem der Bayern-Bosse stammt, wissen: Nach dem Abschied von Routinier Thomas Müller, dessen Wechsel in die US-amerikanische MLS nun konkretere Formen annimmt, nach dem ablösefreien Transfer von Leroy Sané zu Galatasaray Istanbul und der schweren Verletzung von Jamal Musiala, der wohl bis zur Winterpause ausfällt, sind die Münchner in Not.
Und in Unterzahl, was die Offensivabteilung des Kaders betrifft. "Die Planungen laufen, die Rechnung ist relativ simpel. Auch im Fußball ist manchmal Mathematik hilfreich", sagte Sportvorstand Max Eberl schnippisch.
Schwierige Verhandlungen um Wunschziele
Also baggert man seit Wochen an Nick Woltemade (23) vom VfB Stuttgart und Luis Díaz (28) vom FC Liverpool. Mit beiden Spielern ist man sich einig, was Vertragslaufzeit und Gehalt betrifft.
Woltemade, einer der Aufsteiger der letzten Saison und Torschützenkönig der U21-EM, soll bis 2030 unterschreiben. Liverpools Flügelspieler Díaz bis 2029. Doch die abgebenden Vereine stellen sich quer. Ein Pokerspiel an zwei Tischen. Jeweils zwei Offerten, ins Ländle und nach Nordengland, liefen ins Leere. Doch peu à peu bewegt sich was.
Das Nein der Stuttgarter, in Person von Vorstandschef Alexander Wehrle und Sportvorstand Fabian Wohlgemuth, zu Verhandlungen mit den Münchner Bossen um Vorstandschef Jan-Christian Dreesen scheint man im Aufsichtsrat des VfB nicht so kategorisch zu sehen.
Bei den Schwaben stellt man sich mindestens 65 Millionen Euro Ablöse vor, doch das zweite und bis dato letzte Angebot der Bayern (50 Millionen Sockelablöse plus fünf Millionen erfolgsabhängige Bonuszahlungen) lässt einige Aufsichtsratsmitglieder hadern. Nun spielen die Bayern auf Zeit, der Ball liegt beim VfB.
Druck auf Eberl wächst
Die Reds aus Liverpool haben ein Ablösepaket in Höhe von 67 Millionen Euro für Díaz abgelehnt, zeigen hinter den Kulissen aber grundsätzlich Verhandlungsbereitschaft.
In Zahlen: 75 Millionen Euro, zuzüglich der üblichen, noch auszuhandelnden Bonuszahlungen – das ist Bayerns Schmerzgrenze. Der Spieler will, die Bayern, vor allem Trainer Vincent Kompany, wollen den Deal unbedingt. Man ist dabei, die Liverpooler davon zu überzeugen, dass sie nun auch wollen. Eine Frage des Geldes. Ein Transfer wird immer wahrscheinlicher.
Es wäre eine Erlösung für Eberl. Tag für Tag, der im bis zum 1. September geöffneten Transferfenster ohne Erfolgsmeldung verstreicht, erhöht sich der Druck auf den Sportvorstand. Er soll liefern, er muss liefern.
Was man heraushört, wenn man wie in Miami mit dem 51-Jährigen über die Kaderplanung spricht: "Ich weiß nicht, wie oft mir mittlerweile mitgeteilt wurde: Ich muss sparen, ich muss sparen, ich muss sparen - und dann wird mir gesagt, ich muss einen für 80 oder 100 Millionen Euro kaufen. Das ist absurd."
Abfuhren bei Wirtz, Gittens und Williams
Der absolute Wunschtransfer namens Florian Wirtz ist geplatzt, der DFB-Nationalspieler entschied sich für den FC Liverpool und die Premier League. Eine unverhoffte Niederlage.
Auch mit Jamie Gittens (wohl von Borussia Dortmund zum FC Chelsea) und Nico Williams (verlängerte bei Athletic Bilbao) wurde es nichts.
Für die Münchner ist es eine bittere Erkenntnis, dass – siehe Wirtz - die besten deutschen Profis nicht mehr wie selbstverständlich aus der Liga zum Branchenprimus wechseln. Der Fall Woltemade soll auch in diesem Aspekt Linderung schaffen – aber nicht um jeden Preis.
Auch Tah und Konrad Laimer (2023 von RB Leipzig geholt) kamen mit einem Jahr Verspätung an die Säbener Straße nachdem man sich im Sommer zuvor nicht einig werden konnte.
Eberl vor dem Aus?
Eberls Arbeit wird Anfang September ein Zwischenzeugnis erhalten – manche in der Branche munkeln, es könnte bei Misserfolg sein Abschlusszeugnis werden. Der Aufsichtsrat tagt turnusgemäß Ende August wieder, da könnten Last-Minute-Deals abgesegnet werden.
Aber auch die Einnahmenseite, bisher wie oben beschrieben recht positiv, soll bis dahin noch üppiger ausfallen. Verkaufskandidaten sind: Joao Palhinha, Min-jae Kim, Sacha Boey, Bryan Zaragoza (in der letzten Saison an Osasuna ausgeliehen) und Leon Goretzka, der den Verein jedoch ebenso wenig wie Serge Gnabry verlassen möchte. Kingsley Coman ist ein ähnlicher Fall. Kein dickes Angebot, kein Wechsel.
Die mit Prio eins versehenen Transferziele Woltemade und Díaz will Eberl unbedingt so früh wie möglich dingfest machen. Doch: Man weiß ja nie. Und daher arbeiten Eberl und Co. parallel an Schattentransfers, an zwei B-Lösungen.
Ein üblicher Vorgang im Profi-Fußball, für alle Beteiligten ein Drahtseil-Akt. Man muss Berater und deren Profis zugleich umgarnen, aber auch hinhalten und vertrösten. Denn beim Transfer-Domino muss zunächst der erste Stein fallen. Der namens Nick oder Luis.
Zerschlagen sich auch die B-Lösungen
Als mögliche B-Lösungen haben die Bayern einerseits Leipzigs Xavi Simons auf der Liste. Mit der Agentur des 22-jährigen Niederländers ist Eberl seit seiner Zeit bei RB in unregelmäßigem, aber stetem Kontakt.
Doch Simons will nicht ewig warten, tendiert zu einem Wechsel in die Premier League. Da Angreifer Christopher Nkunku (27) bei Klub-Weltmeister FC Chelsea keine Zukunft mehr hat und verkauft werden soll (auch gegenüber dem Franzosen hatten die Münchner Bosse im Januar ihre Fühler ausgestreckt und Transfer-Bedingungen abgeklopft), scheint die Tür in London für Simons aufzugehen. Damit würden zwei Schattentransfers auf einmal platzen in Bayerns Hinterhand-Blatt.
Bleibt eine weitere, die kostengünstigste Variante: Lyons Flügel-Talent Malick Fofana, belgischer Nationalspieler (ein Einsatz). Der 20-Jährige steht beim Traditionsverein, der den Zwangsabstieg aus Frankreichs "Ligue 1" kürzlich gerade noch so abwenden konnte, bis 2028 unter Vertrag.
Doch "OL" muss abspecken, Einnahmen generieren. Fofanas Marktwert beträgt rund 30 Millionen Euro. Vielleicht findet Trainer Kompany einen guten Draht zu seinem Landsmann. Falls die dicken Fische nicht anbeißen.
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Quelle: Perform
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