FC Bayern - Goretzka verlässt den Rekordmeister: Warum das Vorbild den Münchnern doch fehlen wird - scheiden tut weh
Update 15/05/2026 um 13:00 GMT+2 Uhr
Am Samstag wird Leon Goretzka nach acht Jahren in München offiziell verabschiedet. Rein sportlich kein großer Verlust, da die Bayern ja Aleksandar Pavlovic haben? Weit gefehlt: In seiner letzten Saison diente der 31-jährige Mittelfeldspieler Trainer Vincent Kompany als Vorbild und "Role Model", weil er, 2024 bereits aussortiert, standhaft blieb, nicht meckerte und sich zurückkämpfte.
Kompany voll des Lobes für Goretzka: "Immer eine gute Präsenz"
Quelle: Perform
Am Mittwochabend in München war Wehmut angesagt, Teil eins. Leon Goretzka hatte zu seiner Abschiedsparty geladen. Die Party stieg im "Hoch5", einer Location im Werksviertel am Münchener Ostbahnhof. Der Dresscode lautete: möglichst viel Weiß tragen. Woran sich die meisten Partygäste auch hielten.
Neben dem kompletten Spieler- und Trainerstab des FC Bayern München samt Anhang waren auch die Bosse um Vereinspatron Uli Hoeneß (mit Ehefrau Susi) sowie Vorstandschef Jan-Christian Dreesen, Sportvorstand Max Eberl und Präsident Herbert Hainer unter den Gästen. Ebenfalls mit dabei auf der Dachterrasse: Ex-Bayern-Profi Jérôme Boateng, der bis 2021 an der Seite von Goretzka gekickt hatte.
Am Samstagnachmittag folgt Wehmut, Teil zwei. Dann wird der 31-jährige Goretzka in der Allianz Arena vom Vorstand und Präsidium offiziell verabschiedet. Meist gibt’s Blumen, eine gerahmte Collage der besten Bilder seiner Bayern-Zeit - und womöglich Tränen. Es dürfte emotional werden, auch wenn der Mittelfeldspieler eigentlich nicht dafür bekannt ist, nah am Wasser gebaut zu sein.
Dass sich Goretzka, dessen Vertrag Ende Juni nach acht Jahren in München endet, schon seit längerer Zeit auf seiner ganz persönlichen Abschiedstournee befindet, wurde schon vor zwei Wochen klar. Beim 3:3 gegen den 1. FC Heidenheim, als Goretzka zwei Treffer beisteuerte, wirkte er bereits so als müsse er sämtliche Eindrücke in der Allianz Arena noch einmal aufsaugen. "Das Gefühl hatte ich auch", sagte sein langjähriger Kumpel und Wegbegleiter Joshua Kimmich, "man merkt, dass es ihm bewusst wird, dass die Zeit zu Ende geht."
Scheiden tut weh. Immer.
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Leon Goretzka verlässt den FC Bayern München
Fotocredit: Getty Images
Der Abschied ist nun auch selbstbestimmt
Es war ein Abschied auf Raten. Und Goretzka hat sein Ende beim FC Bayern ein Stück weit selbst bestimmt. Er hat nun seinen Frieden damit gemacht, dass er nach dieser Saison nicht mehr gebraucht wird, dass man künftig im Münchener Mittelfeld auf die jüngere Generation setzt - auf Aleksandar Pavlovic (22) und Tom Bischof (20) als Nebenleute des erfahrenen Vizekapitäns Kimmich (31).
Im Sommer 2024 stand Goretzka erstmals an der Weggabelung Bleiben oder Gehen. Der neue Trainer Kompany und der nicht ganz so neue Sportvorstand Eberl wollten den gebürtigen Bochumer nach sechs Jahren aussortieren. Goretzka verlor seinen Stammplatz, landete auf der Bank, hin und wieder stand er nicht mal im Kader. Couch oder Tribüne hieß seine neue Realität.
Doch er blieb, ließ sich nicht zum Abschied drängen. Womit er auf lange Sicht Weitblick bewies - und Stehvermögen, Standhaftigkeit. Schon im November schlug für ihn nach dem katastrophalen Sommer (Bundestrainer Julian Nagelsmann hatte ihn aus der Nationalmannschaft aussortiert und nicht für die Heim-EM 2024 berufen) die Stunde des Comebacks.
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Kompany: "Goretzka hat sich letztes Spiel verdient"
Quelle: Perform
Warum ihn Kompany in Besprechungen erwähnte
Nach und nach kämpfte sich Goretzka ins Team von Kompany zurück, wurde wieder wichtig. Und Leistungsträger. Fortan diente er als "Role Model" für den Rest der Mannschaft, weil er standhaft blieb, nicht motzte und sich zurückkämpfte. Mehrmals erwähnte Kompany ihn - vor allem in dieser Saison - bei internen Besprechungen, sprach davon, dass dieser Goretzka "ein Vorbild" sei.
Das Motto: Wer mal außen vor ist, wer mal über einige Wochen keine große Rolle spielt, hat immer die Gelegenheit, sich über gute Trainingsleistungen zurückzukämpfen. Somit wurde der Mittelfeldspieler zu einem wichtigen Faktor für das Binnenklima im Kader, für die Stimmung in der Kabine.
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Beliebt bei Kollegen und Fans: Leon Goretzka hinterlässt beim FC Bayern eine Lücke
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"Eine schöne Geschichte für unseren Kader"
Erst kürzlich lobte ihn Kompany: "Leon war in meiner Geschichte bei Bayern auf jeden Fall immer ein wichtiger Spieler! Er hat einfach immer wieder gezeigt, was es heißt, absoluter Profi zu sein, immer wieder zu kämpfen. Auch in Situationen, wo keiner mehr an ihn geglaubt hat, hat er immer an sich selber geglaubt. Es ist eine schöne Geschichte für unseren Kader."
Nun ist Schluss. Nach acht Jahren, 310 Pflichtspielen (51 Toren und 52 Torvorlagen) sowie sieben Meisterschaften, bis dato zwei Pokalsiegen und einem Champions-League-Triumph, im Zuge des Triples 2020. Die AC Mailand soll sein neues Ziel sein, laut "Gazzetta dello Sport" soll sich Goretzka für Milan und gegen einen Wechsel zu Juventus Turin entschieden haben.
Er ist der Wunschspieler von Milan-Coach Massimiliano Allegri und soll einen Dreijahresvertrag mit einem Grundgehalt von fünf Millionen Euro erhalten. Sein definitiv letzter Auftritt im Bayern-Dress könnte ein Einsatz im DFB-Pokalfinale am 23. Mai in Berlin gegen den VfB Stuttgart werden.
"Ich liebe den Verein, die Stadt, die Fans"
Was wird bleiben von Goretzka, der 2018 vom FC Schalke nach München gewechselt war? Auf der einen Seite ein nachdenklicher Spieler, der sich stets auch Gedanken über seinen Beruf und das Fußball-Business hinaus gemacht hat. Einer, der sich - auch als "Zuagroasta", als Zugereister wie man in Bayern sagt - voll und ganz mit dem FC Bayern identifiziert, der das "Mia san mia" verinnerlicht hat.
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Leon Goretzka hat einen Stammplatz bei der WM wohl sicher
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"Ich liebe den Verein, ich liebe die Stadt, ich liebe die Fans. Es war eine wunderschöne, intensive, besondere Zeit, die ich sicher vermissen werde. Wenn das nicht so wäre, wäre was schiefgelaufen", sagte er kürzlich in einem Interview mit dem vereinseigenen Magazin "Säbener 51" voller Dankbarkeit.
In seiner letzten Saison sah man Goretzka nach Siegen oft vor der Kurve die Fans-Songs lauthals mitträllern.
"Der Fackelstab muss weitergegeben werden"
"Ehrlich gesagt, habe ich früher nie richtig verstanden, was das ‚Mia san mia‘ eigentlich ist", erklärte er, "aber kaum war ich hier, ging es relativ schnell. Durch Spieler wie Thomas und Arjen (Müller und Robben, d.Red.), die das vorleben. Und dann habe ich auch versucht, dieses Gefühl an die Spieler weiterzugeben, die nach mir kamen. Das 'Mia san mia' gilt es zu bewahren, der Fackelstab muss immer weitergegeben werden."
Und rein sportlich? Wird man Goretzka und seine spezielle Spielweise vermissen? An guten Tagen erinnerte er dank seiner Dynamik und seiner Kopfballstärke an den früheren DFB-Kapitän Michael Ballack.
Goretzka bestach durch seine Robustheit, das Ergebnis zahlloser Trainingsstunden und Kraftraumbesuche. An schlechteren Tagen fiel sein mangelndes (Spiel-)Tempo im Spielaufbau und in Laufduellen zu sehr ins Gewicht.
Spielte Pavlovic, bestach dieser durch seine enorme Passsicherheit und Quote bei Balleroberungen in Zweikämpfen. Im Umkehrschluss - und das wurde bei direkten Auswechslungen offensichtlich - fehlte Goretzka diese Qualität.
Talent Aseko-Nkili kehrt aus Hannover zurück
Wie groß ist nun der Verlust, wenn Goretzka weg ist? Auf den ersten Blick gering sollte man meinen. Doch wer nimmt dessen Rolle in der Kabine ein? Werden Bischof, obwohl erst 20, oder Talent Noel Aseko-Nikili (20) ruhig bleiben wie der Routinier oder doch aufbegehren, wenn sie zu wenig Einsatzzeit erhalten?
Oder macht Goretzka den Weg frei für einen Transfer von Kennet Eichhorn, dem 16-jährigen Mega-Talent von Hertha BSC, an dem auch Borussia Dortmund dran ist?
Goretzka wird fehlen - nicht nur seinem Kumpel Kimmich. Mit seiner professionellen Einstellung, seiner Liebe zum Verein und seiner Kollegialität den Mitspielern gegenüber.
Obwohl es eine sportlich wie finanziell gesehen richtige Entscheidung ist, einem der Top-Verdiener der Mannschaft mit 31 Jahren keinen neuen Vertrag mehr zu geben, könnte es den Bayern und ihren Fans mit dem bei vielen so umstrittenen Goretzka so ergehen wie manchem in anderen Lebenssituationen: Den wahren Wert bemerkt man erst, wenn jemand nicht mehr da ist.
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Slot: "Bin nächste Saison Trainer von Liverpool"
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