Jobe Bellingham kommt beim BVB nicht in Schwung: Trainer Niko Kovac mahnt zu Geduld mit dem 30-Millionen-Euro-Mann

Borussia Dortmund hat einen guten Saisonstart hingelegt und hält als einzige Mannschaft in der Bundesliga einigermaßen Schritt mit dem FC Bayern. Trainer Niko Kovac hat ein homogenes Team geformt, das schwer zu knacken ist und in der Offensive über genügend Qualität verfügt, Spiele zu gewinnen. Doch 30-Millionen-Euro-Neuzugang Jobe Bellingham ist meist außen vor. Kommt Kovac mit ihm nicht klar?

Keine einfache Beziehung: Jobe Bellingham (l.) und BVB-Trainer Niko Kovac

Fotocredit: Getty Images

Um zu verstehen, wie Mark Bellingham tickt, bietet sich ein vom angesehenen britschen Sportjournalisten Oliver Holt verfasster Artikel in der "Daily Mail" an, erschienen Mitte September. Darin beschreibt der Reporter, der viele Jahre auch für die Zeitung "The Times" arbeitete, eine Begegnung mit dem Vater von Real-Star Jude und BVB-Juwel Jobe am Tag vor dem Champions-League-Finale 2024.
"Als ich ihm erzählte, wie angetan ich von der Meisterleistung seines Sohnes bei Gesprächen mit Journalisten bin, raunzte er mich an: 'Welcher Sohn? Ich habe zwei. Das war eine dumme Frage und ein dummer Fehler von Ihnen. Viele Leute machen diesen Fehler und es kotzt mich an'", schildert Holt und beschreibt Mark Bellingham als "so feindselig und unhöflich, dass es schon wieder lustig war."
Viele Journalistenkollegen hätten ähnliche Erfahrungen mit Papa Bellingham gemacht. Wutanfälle und Beschimpfungen seien bei ihm an der Tagesordnung, zudem versuche er verstärkt Einfluss zu nehmen bei den Vereinen, für die seine Söhne spielen.
Borussia Dortmund kann ein Lied davon singen. Nach dem 3:3 zum Bundesligaauftakt beim FC St. Pauli stellte Bellingham Sportdirektor Sebastian Kehl in den Katakomben zur Rede, nachdem Sohn Jobe in der Halbzeit ausgewechselt worden war.

Kovac gereizt bei Fragen zu Papa Bellingham

Der BVB reagierte auf den unschönen Vorfall mit der klaren öffentlichen Ansage, dass der Kabinentrakt Hoheitsgebiet von Spielern, Trainern und Betreuern sei und sich dies nicht wiederholen dürfe.
Bellingham halte allerdings wenig von Vorschriften und stelle Kovac sogar nach, behauptete die "Bild". Die Meldung wurde von Kehl umgehend als "Quatsch" bezeichnet.
Fest steht aber, dass es mächtig brodelt im Verhältnis zwischen dem BVB und Kovac auf der einen und den Bellinghams auf der anderen Seite. Im Vorlauf des Bundesligaspiels gegen RB Leipzig (1:1) reagierte Kovac bei "Sky" gereizt auf eine Frage zu seiner Kommunikation mit Papa Bellingham.
"Sie scheinen sehr viel wissen zu wollen. Ich habe jetzt gleich ein Bundesliga-Spiel und Sie fragen mich einfach irgendwelche Sachen", so der Coach.
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In Dortmund nicht gerade beliebt: Mark Bellingham

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Kovac fällt erstes vernichtendes Urteil

Gegen Leipzig reichte es für Jobe mal wieder nicht für einen Platz in der Startelf. Bei neun Pflichtspieleinsätzen war dies nur dreimal der Fall, zwei davon in den ersten beiden Spielen der Saison.
In der Champions League gegen Bilbao (4:1) Anfang Oktober durfte Bellingham nochmal von Beginn an ran. Nach 69 Minuten und "einer gewissen Anfangsnervosität mit zwei Fehlpässen" (Kovac) war Schluss. In den Einzelkritiken wurde der 20-Jährige als schlechtester Feldspieler des BVB beurteilt.
Kovac setzte Bellingham als Sechser, Achter und Zehner ein. Eine Torbeteiligung konnte er bislang ebenso wenig verzeichnen wie ein echtes Statement-Spiel. Er hat erkennbar Probleme mit dem Tempo und macht zu viele taktische Fehler. Kovac fällte Ende September ein eher vernichtendes Urteil über den 30-Millionen-Euro-Neuzugang.
"Wenn man einen Vertrag beim BVB unterschreibt, dann ist das nicht nur ein gut dotierter Vertrag, sondern auch einer, bei dem man weiß: Es gibt hier verdammt viel Konkurrenz", sagte der Trainer und fügte an: "Der Sprung von der zweiten englischen Liga in die Bundesliga ist schon ein Sprung. Da müssen wir nicht groß drüber philosophieren."
Bellingham müsse "hier erst noch reinwachsen. Er hat hohes Potenzial, aber das muss auch erstmal entstehen. Das ist ein Prozess. Junge Spieler brauchen da bis zu einem halben Jahr. Man darf nicht den Fehler machen und zu viel Druck ausüben. Da tut man dem Jungen keinen Gefallen und da tut er sich selbst keinen Gefallen", mahnte Kovac.

Sabitzer und Nmecha deutlich vor Bellingham

Langfristig, so Kovac, sei Bellingham ein Mann für das defensive Mittelfeld auf einer der beiden Sechserpositionen. Dort haben sich jedoch Marcel Sabitzer und Felix Nmecha festgespielt und mit Pascal Groß steht eine weitere Alternative zur Verfügung. Groß war in Dortmund in der letzten Saison unumstrittener Stammspieler.
Das hatten sich die Verantwortlichen auch von Bellingham erhofft. Selten zuvor hatte sich der BVB so intensiv um einen Spieler bemüht. Kovac, Kehl und Lars Ricken als Geschäftsführer Sport von Borussia Dortmund reisten nach Sunderland, um Jobe von einem Wechsel zu überzeugen.
Weil dies offenbar noch nicht genügte, machte sich Klubboss Hans-Joachim Watzke persönlich auf den Weg, um Bellingham final zu umgarnen - mit Erfolg.

Bellingham im Winter wieder weg?

Die sportliche Verantwortung hat aber Niko Kovac. Er alleine entscheidet, wann, wo und wie oft Bellingham spielt. Doch der Coach fremdelt noch ziemlich mit seinem prominenten Neuzugang.
Dies ist der internationalen Konkurrenz nicht ergangen. Laut Medienberichten aus England bringen sich Manchester United und Crystal Palace in Stellung, um Bellingham schon im Winter zurück auf die Insel zu holen.
Auch wenn die Liaison BVB/Bellingham bislang eher einem Missverständnis gleicht, ist ein Abbruch der Beziehung bereits im kommenden Januar ausgeschlossen.
Aber wer weiß, was passiert, sollte Papa Mark weiter zündeln.
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Quelle: Perform



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