Lennart Karl sorgt beim FC Bayern für Stirnrunzeln - auf dem Platz ist der Youngster aber allmählich unverzichtbar
VonThomas Gaber
Update 16/01/2026 um 08:14 GMT+1 Uhr
Lennart Karl sorgte zuletzt auch außerhalb des Platzes für Aufsehen. Bei einem Fanklub-Treffen plauderte der Bayern-Youngster nonchalant aus, dass sein Traumverein Real Madrid heißt und er irgendwann das Trikot der Königlichen tragen möchte. Auch seine Jubelposen boten zuletzt Raum für Spekulationen. Auf dem Feld bleibt er sich jedoch treu - und wird für den FC Bayern allmählich unverzichtbar.
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Quelle: Perform
Am Mittwochabend gab Lennart Karl selbst seinem Trainer Rätsel auf. Erst machte Karl nach seinem Treffer zum 3:1 beim Sieg des FC Bayern in Köln die "Calma-Geste" von Cristiano Ronaldo - gemäß dem Motto: Chillt alle mal.
Im Anschluss posierte er mit verschränkten Armen im Stil von Kylian Mbappé vor den mitgereisten Bayern-Fans und zeigte beim Gang in die eigene Hälfte mit dem ausgestreckten Zeigefinger Richtung Auswechselbank und tippte sich anschließend auf eine imaginäre Uhr am Handgelenk.
Beschwerte er sich etwa über seine 67 Minuten andauernde Reservistenrolle in Köln? Oder wollte Karl anzeigen, dass er nur ein paar Minütchen für sein siebtes Pflichtspieltor in der laufenden Saison benötigte?
Kompany konnte bei der Aufklärung nur mutmaßen. "Er hat da viele Kumpels auf der Bank sitzen, die alle jung sind. Ich glaube, er hat mit seinen Kumpels geredet, das sind alles junge Burschen, die haben vielleicht noch keine Uhr, die müssen sich so was noch kaufen. Keine Ahnung", sagte der Coach bei "DAZN" lachend.
Als Hoeneß einst Schweinsteiger Puderzucker aus dem Hintern klopfte
Kompanys humorvolle Reaktion nahm der Angelegenheit jede mögliche Schärfe. Der Trainer sendete damit zusätzlich eine wichtige Botschaft: Jungen Spielern wie Karl werden Fehler oder auch ungewöhnliche Jubelposen zugestanden, ohne dabei gleich schief angeschaut zu werden.
Das war bei Bayern nicht immer so. Als der junge Bastian Schweinsteiger mal mit blondierten Haaren zum Training erschien, wurde er von Uli Hoeneß öffentlich zurechtgestutzt. "Dem Schweini haben in den letzten Monaten zu viele Leute Puderzucker in den Hintern geblasen. Den klopfe ich nun wieder raus", so Hoeneß damals in seiner Funktion als Manager.
Auch für seine Aussage im Rahmen eines Fanklub-Treffens, als Karl von Real Madrid schwärmte, bekam er keinen Rüffel - zumindest nicht öffentlich. Kompany nahm ihn eher in Schutz. "Wenn er schlecht trainiert, wenn er schlecht spielt oder nicht alles gibt, hätte er ein Problem mit mir. Aber das Gegenteil ist der Fall", betone der Coach.
Karl hat sich mit seinen teils überragenden Leistungen in eine Position manövriert, die ihm den einen oder anderen kleinen Fehltritt ermöglicht.
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Quelle: Perform
Karl mehr als ein Musiala-Ersatz
Zu Saisonbeginn schien es äußerst fraglich, ob Kompany der Forderung von Klub-Präsident Herbert Hainer, mehr auf den eigenen Nachwuchs zu setzen, nachkommen würde. Doch Karl ist viel zu gut, als dass man ihn links liegen lassen könnte.
In 41 Prozent der Spiele stand er in der Startelf, war bereits an neun Treffern direkt beteiligt und stellte in der Champions League eine Bestmarke als jüngster Spieler mit Toren in drei aufeinanderfolgenden Spielen auf. Durch Karls kometenhaften Aufstieg fiel der Ausfall von Jamal Musiala in der Hinrunde gar nicht auf.
Karl verkörpert die Leichtigkeit, mit der der FC Bayern über seine Gegner hinwegfegt, wie kaum ein anderer. Er tritt enorm selbstbewusst und für sein Alter schon sehr abgeklärt auf und scheut sich nicht, Persönlichkeit zu zeigen.
Er mag mit Aktionen außerhalb des Platzes für Stirnrunzeln sorgen, auf dem Feld bleibt sich Karl treu, selbst wenn er - wie in Köln - nur als Joker am Spiel teilnimmt. Sein eiskalter Abschluss zum 3:1 (84.) ließ jegliche Zweifel an einem Sieg des FC Bayern verschwinden.
Matthäus fordert WM-Ticket für Karl
Der Hype um Karl hat - berechtigterweise - längst auch die deutsche A-Nationalmannschaft erreicht. Die prominenten Stimmen derer, die Karl im WM-Kader sehen, mehren sich.
"Er kommt rein, ist sofort da, macht so ein Tor. Überragend", kommentierte Rekordnationalspieler Lothar Matthäus bei "Sky" Karls Auftritt in Köln und geriet ins Schwärmen.
"Er ist im Dribbling sehr stark, er ist im Abschluss sehr stark. Er sieht aber auch seine Mitspieler. Deswegen ist er einer, den man mitnehmen muss, weil er dem Spiel auch in kurzer Zeit seinen Stempel aufdrücken kann. Er kann Dinge, die der eine oder andere vielleicht noch nicht kann oder nicht mitbringt. Deswegen ist für mich Lennart Karl ein Spieler, der aufgrund seiner besonderen Fähigkeiten zur Weltmeisterschaft mit muss", so Matthäus.
Um auf den WM-Zug aufzuspringen, muss Karl im Verein weiter liefern. Angesichts des bevorstehenden Comebacks von Musiala und eines wiedererstarkten Serge Gnabry dürfte sich die Konkurrenzsituation in der Bayern-Offensive in den nächsten Wochen zuspitzen.
Wenn Karl Zumindest auf dem Platz Karl bleibt, stehen ihm jedoch alle Türen offen.
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