Werders Victor Boniface klopft Sprüche statt Tore zu schießen - der LIGAstheniker sagt: Lasst ihn philosophieren!
Update 03/11/2025 um 12:10 GMT+1 Uhr
Victor Boniface, Stürmer von Werder Bremen, macht aktuell mehr mit kryptischen Zeilen auf sich aufmerksam als mit Bundesliga-Toren. Der LIGAstheniker schätzt die philosophischen Ergüsse des Goalgetters allerdings sehr und behauptet: Der unverstandene Philosoph Boniface bereichert die Bundesliga auch mit ein paar Kilogramm mehr auf den Rippen - und ohne Treffer auf dem Konto. Eine Glosse.
Noch ohne Werder-Tor: Boniface
Fotocredit: SID
Liebe Fußballfreundinnen und -freunde,
ich weiß gar nicht, ob ich schon mal erwähnt habe, dass ich leidenschaftlicher Leser und Abonnent des Philosophie Magazins bin, geführt von der furchtlosen Mittelstürmerin Svenja Flaßpöhler. Das beste Magazin der Republik, absolute Leseempfehlung!
Wenn Sie mich jetzt fragen, warum liest der LIGAstheniker so einen Quatsch, dann ist das schnell beantwortet: Ich will dem Dadaismus dieser Tage etwas entgegensetzen können.
Und damit wären wir auch schon bei Victor Boniface, Goalgetter des SV Werder Bremen und so etwas wie der Ludwig Wittgenstein der Fußball-Bundesliga. Sie haben es sicher mitbekommen: Sein Coach Horst Steffen war nach dem 1:1 gegen Mainz gar nicht zu zufrieden, sprach davon, dass er, Boniface, es besser könne, der Weg zu seinem Top-Level "der ist noch länger".
Offenbar ist auch Steffen Philosoph. Woher wüsste er sonst, dass der Weg das Ziel ist?
Keine Tore und Übergewicht - geht nicht!
Zugegeben, bei Victor Boniface kommt gerade viel zusammen, was ihn zu einer illustren Personalie der Liga macht - und damit angreifbar.
Für einen Angreifer ist das immer schlecht. Da wird der gute Victor für viel Geld von Leverkusen nach Bremen verliehen, aber nach sieben Spielen hat er noch keinen einzigen Treffer erzielt. Das ist vor allem dann blöd, wenn "Bild" öffentlich darüber schreiben kann, dass der gute Boniface "einige Pfunde zu viel auf den Rippen" hat.
Keine Tore und Übergewicht, das geht nun wirklich nicht! Und dann noch seine wichtige philosophische Arbeit, die in der Liga und beim Klub überhaupt nicht wertgeschätzt wird. Man muss sogar sagen: gar nicht verstanden.
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Victor Boniface im Spiel gegen Union Berlin
Fotocredit: Getty Images
Ich möchte an dieser Stelle aber an Sokrates und dessen Lehre von den antiken Marktplätzen Athens erinnern, noch kein großer Denker wurde jemals von seinen Zeitgenossen verstanden. Große Denker sind ihrer Zeit immer voraus. Victors Sportchef Clemens Fritz spricht von "abstrakter Kunst", der "kicker" fragt mit großer Kennerschaft: "Wann wird aus kryptischer Kunst körperliche Konstanz?"
Stringenter hat noch keiner das bis heute ungelöste Leib-Seele-Problem adressiert. Woran Platon, Descartes und Heidegger gescheitert sind, das soll nun Victor Boniface, 24 Jahre alt, Werder-Stürmer, lösen.
Existentialismus, Kritische Theorie, Feminismus?
Ich bin ganz ehrlich, wenn es einer kann, dann Bonus Facies, wie der Lateiner sagt. Boniface' Oeuvre ist beeindruckend und längst Legende. Verbindet es doch unterschiedliche Philosophieschulen, die sich vorher achselzuckend gegenüber standen.
Sein Insta-Essay "Das Leben ist wie eine Karotte" labelt ihn unweigerlich als Existenzialisten. Was er damit sagen will, ist doch klar, auch wenn Clemens Fritz ihn partout nicht verstehen will: Das Leben muss vom Boden aus gelebt werden und wenn die Früchte zu hoch hängen, dann ist das Scheitern vorprogrammiert.
Der Satz ist eine Frontalkritik seines neuen Arbeitgebers Werder Bremen. Insbesondere an seinem Trainer Horst Steffen, der immer noch mehr von ihm einfordert, obwohl er in Bremen doch gar nicht die 15 Millionen Euro pro Jahr verdient, die Al-Nassr für ihn noch Anfang des Jahres bezahlen wollte, bis der Deal platzte. Die Saudis haben es nicht so mit der Philosophie.
Die Denkschulen des Victor Boniface
Andererseits tendiert Boniface mit seiner konsumkritischen Haltung auch Richtung Adornos Kritischer Theorie, im Volksmund auch "Frankfurter Schule" genannt. Mannomann, wenn das die Bremer wüssten!
Sein Aufsatz "Das Leben ist wie ein Schuh. Du kannst keine Kuh trinken, weil die Erde eine Karotte ist. Denk mal darüber nach", erweitert seinen ursprünglichen Karottenansatz nun um eine umfassende Gesellschaftskritik und fordert eine vegane Ernährung ein.
Und nimmt man sein bei Suhrkamp verlegtes Hauptwerk "Such' dir ein oder zwei Frauen und komm' zur Ruh" muss man ihn gar als großen Feministen lesen, der Simone de Beauvoir, Susan Sontag und Sophia Thomalla miteinander versöhnt.
Warum ihm das nun wieder als "frauenfeindlicher Post" ausgelegt wird, wo er doch ausdrücklich schreibt, dass vier Frauen nur dann akzeptabel seien, "wenn du eine schwere Zeit hast", für mich völlig unverständlich.
Kicken und denken - geht nicht!
Boniface ist der große Denker der Liga und ich fürchte, wenn er jetzt so richtig in die Maloche einsteigt, seine Pfunde verliert und plötzlich Tore schießt, dann war es das mit seinen philosophischen Erkenntnissen, die ihm schon zu Lebzeiten einen Platz neben Hegel, Kant und Kafka einbringen werden.
Womit er dann wiederum den Beweis für das Leib-Seele-Problem erbracht hätte: Kicken und Denken geht einfach nicht zusammen. Es wäre eine Sensation!
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ZUR PERSON: THILO KOMMA-PÖLLATH
Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog als das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.
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Quelle: Perform
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