Borussia Dortmund: Sportdirektor Ole Book baut Zukunfts-BVB mit jungen Talenten - und nimmt Niko Kovac in die Pflicht

Der BVB wagt die Zukunftswette: Mit Millionen-Investitionen in Teenager wie Konstantinos Karetsas, Joane Gadou oder Kaua Prates kehrt Dortmund zu seiner alten Erfolgsformel zurück. Doch der neue Kurs stellt auch Trainer Niko Kovac vor eine Bewährungsprobe. Nach einer Saison mit starken Ergebnissen, aber wenig Spektakel, muss er zeigen, dass er mehr kann als nur fertige Profis zu managen.

Karetsas schwärmt bei Vorstellung: "BVB hat die besten Fans"

Quelle: Perform

Der FC Bayern kauft Harry Kane, Michael Olise oder Luis Díaz. Borussia Dortmund kauft Konstantinos Karetsas, Joane Gadou oder Justin Lerma. Der Unterschied zwischen den beiden Klubs könnte kaum deutlicher sein - und genau darin liegt die neue Strategie des BVB.
Während der Rekordmeister mit fertigen Weltklassespielern um Titel kämpft, will Dortmund wieder eine Mannschaft entwickeln, die im Bestfall in einigen Jahren auf Augenhöhe angreifen kann.
Der erste Transfersommer von Ole Book als Sportdirektor zeigt: Der BVB verabschiedet sich vom schnellen Angriff auf die Münchner und setzt auf eine langfristig angelegte Wette.
Nachvollziehbar, denn der direkte Schlagabtausch mit Bayern über den Geldbeutel ist für Dortmund kaum zu gewinnen. Also setzen die Westfalen wieder auf ihre alte Trumpfkarte: Talente mit außergewöhnlichem Potenzial und die Hoffnung, aus Rohdiamanten die nächsten Stars zu schleifen.

Karetsas als Symbol für den neuen BVB

Die Transferaktivitäten dieses Sommers sprechen eine klare Sprache.
Königstransfer ist (bislang) Konstantinos Karetsas. Für den 18 Jahre alten Offensivspieler vom belgischen Erstligisten KRC Genk zahlt der BVB inklusive Bonuszahlungen bis zu 32 Millionen Euro - eine Summe, die normalerweise für einen fertigen Profi aufgerufen wird. Dortmund investiert sie stattdessen in einen Teenager und dessen Versprechen für die Zukunft.
Der BVB hat Neuzugang Konstantinos Karetsas vorgestellt

Der BVB hat Neuzugang Konstantinos Karetsas vorgestellt

Fotocredit: Getty Images

"Mit seiner Kreativität und seiner Spielintelligenz wird Kos unsere Mannschaft bereichern. Er ist technisch sehr versiert und besitzt die Fähigkeit, in engen Räumen schnelle Lösungen zu finden, speziell im letzten Drittel", sagte Sportdirektor Book über seinen neuen Top-Einkauf.
Kos, wie Karetsas von den Verantwortlichen seines neuen Arbeitgebers genannt wird, sei "unglaublich stolz, jetzt das schwarzgelbe Trikot tragen zu dürfen", er wolle seinen Teil dazu beitragen, "dass wir gemeinsam erfolgreich sind". Genau das erhofft sich der amtierende deutsche Vizemeister auch.

Die Suche nach dem neuen Bellingham

Doch Karetsas ist nur die Spitze des Eisbergs. Mit Joane Gadou (19) von RB Salzburg für 19,5 Millionen Euro, Kaua Prates (18) von Cruzeiro für sieben Millionen Euro und Justin Lerma (18) von Independiente aus Ecuador für vier Millionen Euro holte Dortmund weitere hochveranlagte Spieler. Zudem ranken sich die Gerüchte um Kölns Supertalent Said El Mala (19).
Außerdem soll der eigene Nachwuchs stärker eingebunden werden. Mit Samuele Inácio (18), Luca Reggiani (19), Mathis Albert (17), Enzo Duarte (17) und Mussa Kaba (17) drängen weitere vielversprechende Youngster in den Profikader oder sind dort bereits angekommen.
Damit knüpft Dortmund an eine Philosophie an, die den Klub einst europaweit auszeichnete. Ousmane Dembélé, Christian Pulisic, Jadon Sancho, Jude Bellingham oder Erling Haaland stehen für eine Zeit, in der der BVB außergewöhnliche Talente verpflichten konnte und daraus sportlichen wie wirtschaftlichen Erfolg zog.
In den vergangenen Jahren verschob sich der Fokus jedoch. Statt den nächsten Rohdiamanten zu suchen, setzte Dortmund häufiger auf erfahrene Spieler, die sofort funktionieren sollten. Transfers wie Niclas Füllkrug, Marcel Sabitzer, Pascal Groß, Niklas Süle oder Serhou Guirassy sollten die Lücke zum FC Bayern kurzfristig verkleinern. Der erhoffte Angriff auf den Rekordmeister blieb allerdings aus.

Platz für eine neue Generation

Genau hier beginnt die neue Herausforderung für Niko Kovac. Der Kroate muss künftig nicht nur Ergebnisse liefern, sondern auch zeigen, dass er junge Spieler entwickeln und ihnen konsequent Vertrauen schenken kann.
Seine bisherige Bilanz liest sich stark: In eineinhalb Jahren BVB stabilisierte Kovac die Mannschaft, führte sie zweimal in die Champions League und vergangene Saison souverän auf Platz zwei. Doch nicht jeder Anhänger ließ sich davon blenden.
Denn spielerisch war beim BVB unter Kovac häufig Schonkost angesagt. Viele Fans kritisierten den pragmatischen Ansatz, bei dem Spektakel und Offensivfeuerwerk oft auf der Strecke blieben. Gegen die Topteams der Bundesliga fehlten zudem die großen Ausrufezeichen.
Auch ein Blick auf die Expected Points (xPoints) liefert eine interessante Einordnung: Der BVB übertraf seinen statistisch erwartbaren Wert in der vergangenen Saison um rund elf Punkte. Das deutet darauf hin, dass die starke Punktausbeute nicht automatisch dauerhaft reproduzierbar sein muss.

Book fordert, Kovac muss liefern

Umso wichtiger wird es für Kovac nun, der Mannschaft eine Entwicklung zu geben, die über reine Ergebnisse hinausgeht. Junge Spieler brauchen Vertrauen, Spielzeit und ein System, das ihre Stärken zur Geltung bringt. Genau das fordert Book mit seiner Transferpolitik ein.
Im übertragenen Sinne setzt der Sportdirektor seinem Trainer damit die Pistole auf die Brust. Wer Millionen in hochveranlagte Teenager investiert, erwartet zwangsläufig, dass diese Spieler auch gefördert werden.
Ole Book (4. v.r.) nimmt Trainer Niko Kovac indirekt in die Pflicht

Ole Book (4. v.r.) nimmt Trainer Niko Kovac indirekt in die Pflicht

Fotocredit: Getty Images

Talente wie Karetsas, Gadou, Prates, Lerma oder möglicherweise El Mala werden nicht verpflichtet, um langfristig Ergänzungsspieler zu bleiben. Sie sollen sich entwickeln, Fehler machen dürfen und Schritt für Schritt Verantwortung übernehmen.
Kovac muss deshalb beweisen, dass er nicht nur fertige Profis integrieren und damit kurzfristig Ergebnisse absichern kann. Er muss zeigen, dass er auch ein Trainer ist, der junge Spieler besser macht.

Die Bayern-Jäger der Zukunft?

Der Plan dahinter ist klar: Dortmund will Bayern nicht mit einem kurzfristig zusammengekauften Kader schlagen, sondern eine Mannschaft formen, die gemeinsam wächst.
Während München mit fertigen Stars um Titel kämpft, setzt der BVB auf Geduld - und auf die Hoffnung, dass aus den heutigen Talenten die Stars von morgen werden.
Gelingt es Karetsas, El Mala und Co. zu entwickeln und den Kern der Mannschaft zusammenzuhalten, könnte daraus tatsächlich wieder eine Dortmunder Generation entstehen, die Bayern zumindest ärgert.
Genau darin liegt die Wette von Book. Nicht der schnelle Coup steht im Mittelpunkt, sondern der langfristige Aufbau eines Teams, das wieder ganz oben anklopfen kann.
Für Kovac bedeutet das eine neue Messlatte. Platz zwei oder drei allein wird künftig nicht mehr reichen. Entscheidend wird vielmehr sein, ob aus Karetsas, Gadou, Lerma und Co. die nächsten Dembélés, Sanchos oder Bellinghams werden.
Der neue BVB-Kurs ist sichtbar, jetzt muss er nur noch funktionieren.
picture

Kim Min-Jae selbstbewusst: "Erkämpfte mir meinen Platz bei Bayern"

Quelle: Perform


Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung