Drei Dinge, die bei Schalke 04 gegen den FC Bayern auffielen: Kompany verzockt sich - Karius stiehlt Neuer die Show
Von Oliver Jensen
Update 06/09/2026 um 00:21 GMT+2 Uhr
Vincent Kompany lässt die Superstars Harry Kane und Michael Olise beim Auswärtsspiel des FC Bayern bei Schalke 04 (0:0) zunächst auf der Bank – und wird dafür bestraft. Die Defensive des Aufsteigers glänzt gegen den Rekordmeister mit Zweikampfstärke und Disziplin. Dadurch gerät auch Jamal Musiala bei seinem Comeback an seine Grenzen. Drei Dinge, die uns auf Schalke auffielen.
Kompany erklärt Kanes und Olises Bankplatz: "Rationale Entscheidung"
Quelle: Perform
Als der Abpfiff ertönte, brach in der Veltins-Arena die totale Euphorie aus. "Schalalalala, Schalke 04", sangen die Fans lauthals und legten nach mit: "Zieht den Bayern die Lederhosen aus." Gewonnen hatten die Knappen zwar nicht, das 0:0 fühlte sich dennoch wie ein Sieg an. Ausgerechnet gegen den übermächtigen Rekordmeister feierte der Aufsteiger den ersten Punkt als Bundesliga-Rückkehrer.
Erstmals seit Februar 2017 punktete Schalke gegen den FC Bayern. Für die Münchner kam der erste Rückschlag der Saison indes unerwartet früh. In der vergangenen Saison ereignete sich der erste Punktverlust erst am 10. Spieltag, nun bereits am 2. Spieltag.
Ebenfalls beachtlich: Erstmals seit Februar 2025 blieb Bayern in einem Bundesligaspiel torlos. "Jedes Spiel hat seine eigene Geschichte. Heute war die Geschichte leider, dass wir kein Tor erzielen konnten", fasste Bayern-Trainer Vincent Kompany zusammen.
Drei Dinge, die auffielen.
1. Kompany verzockt sich mit Kane und Olise
Mutig, mutig von Bayern-Trainer Kompany: Er ließ seine beiden Superstars Harry Kane und Michael Olise zunächst auf der Bank. Begründung: "Das Pokalspiel in Osnabrück hat sie viel Energie gekostet." Den Auftritt im DFB-Pokal am Mittwoch (4:1) habe er wiederum wegen des K.o.-Charakters gegenüber dem Ligaspiel priorisiert. Es sei daher eine "rationale Entscheidung gewesen", auf die beiden in der Startelf zu verzichten, erklärte der Coach.
Das Fehlen dieser Unterschiedsspieler war jedoch deutlich spürbar, denn speziell in der 1. Halbzeit waren Torchancen Mangelware. Schlimmer noch: Gelegentlich lud Bayern Schalke durch Fehlpässe - unter anderem von Dayot Upamecano - zum Kontern ein.
Sommer-Neuzugang Ismael Saibari funktionierte als Kane-Ersatz im Sturm überhaupt nicht. In der 30. Minute bekam er zwar einen Abschluss zustande, als er aus der Drehung das Tor verfehlte. Ansonsten allerdings lief die Partie an ihm vorbei. Bis zu seiner Auswechslung in der 56. Minute hatte er nur 24 Ballkontakte. Der Marokkaner spielte dabei keinen einzigen Pass ins Angriffsdrittel.
Kompany brachte zur Halbzeit Kane für Aushilfszehner Nathaniel Brown in die Partie. Die Dominanz des FC Bayern stieg. Am Ende lag der Ballbesitz bei 83 Prozent. Aber: Das Tor blieb aus. "Der Gegner hat mit elf Mann verteidigt. Die Innenverteidiger waren teilweise im Sechzehner", erklärte Jonathan Tah.
Der Bayern-Verteidiger gab zu, vom Schalker Defensiv-Bollwerk überrascht gewesen zu sein: "Um ehrlich zu sein, haben wir etwas anderes erwartet. Manche Mannschaften haben einen 'Bayern-Plan', bei dem sie gegen uns nicht ihren gewohnten Stil spielen. Trotzdem sind wir daran gewöhnt und können uns darauf einstellen."
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Kompany erklärt Bayern-Formel: "90 Minuten bis es knackt"
Quelle: Perform
In der 54. Minute hatte Luis Díaz die beste Chance des Spiels, als er den Ball über Torwart Karius lupfte. Doch Schalke-Verteidiger Hasan Kuruçay klärte vor der Linie.
Kurz darauf legte Kompany mit den nächsten Superstars nach: In der 57. Minute kamen Olise und Jamal Musiala ins Spiel. Lösungen im gegnerischen Drittel blieben trotzdem aus. Nahezu immer stand ein Schalker im Weg.
"Wir hatten unsere Großchancen und waren zwei, dreimal im Eins-gegen-Eins gegen den Torwart", sagte Kompany: "Wenn du gegen eine kompakte und aggressive Mannschaft spielst, musst du in diesen Momenten deine Tore machen. Wenn man sich unsere Chancen anschaut, hätten wir das Spiel gewinnen können. Aber das ist Fußball: Gratulation an Schalke."
2. Neuer-Rückkehr? Karius!
Schalke lieferte dem FC Bayern eine absolute Defensiv-Schlacht: kaum Ballbesitz, wenig Entlastung, aber dafür umso mehr Zweikampfstärke und defensive Disziplin. Die Gastgeber gewannen starke 55 Prozent der Zweikämpfe.
”Wir wussten, dass wir in Schwierigkeiten kommen, wenn wir ein isoliertes Eins-gegen-eins gegen die Außenspieler zulassen. Aber wir haben gedoppelt, teilweise sogar getrippelt. Das schaffst du nur, wenn du über das Limit gehen willst. Und das haben wir heute gemacht", meinte Schalkes Ex-Nationalspieler Robin Gosens.
"Sky"-Experte Lothar Matthäus geriet regelrecht ins Schwärmen, als er über die Abwehrleistung von Königsblau sprach. "Was die Defensive betrifft, kann man es gegen diese Offensive der Bayern, die im vergangenen Jahr 120 Tore geschossen hat, fast gar nicht besser machen", sagte er begeistert.
"Schalke hat eigentlich kaum Großchancen zugelassen: eine von Brown und zwei von Díaz. Alles andere haben sie wegverteidigt. Sie haben gebissen, sie haben sich voll in dieses Spiel reingeworfen. Daher ist dieser Punkt komplett verdient, auch wenn sie leiden mussten. Aber das ist Fußball, das ist Schalke."
Ein wesentlicher Faktor war Schalke-Torwart Loris Karius, der bei den wenigen Großchancen des FC Bayern zur Stelle war – unter anderem in der 13. Minute gegen Brown. Matthäus brachte den 33-Jährigen sogar für die deutsche Nationalmannschaft ins Gespräch: "Er hat einen deutschen Pass. Noch ein paar Spiele wie heute, und er spielt sich automatisch ins Rampenlicht."
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Fußball: Loris Karius (FC Schalke 04, r.) hält gegen den FC Bayern München in der Bundesliga seinen Kasten sauber
Fotocredit: Getty Images
Auf der anderen Seite erlebte Manuel Neuer im Bayern-Tor einen eher ruhigen Abend. Für den Ex-Schalker war es wohl das letzte Spiel in seinem einstigen "Wohnzimmer", in dem er 15 Jahre nach seinem Weggang aus Gelsenkirchen immer noch bei jedem Ballkontakt mit Pfiffen bedacht wurde.
3. Musiala bei Comeback kein Faktor
Eine schöne Nachricht: Zweieinhalb Wochen nach seinem zweiten Zusammenbruch binnen weniger Tage stand Jamal Musiala am Samstagabend wieder für die Bayern auf dem Platz. In der 57. Minute wurde der Offensivspieler für Lennart Karl ins Spiel gebracht.
Der 23-Jährige, der eine Erkrankung, die Absencen nach sich zieht, öffentlich gemacht hatte, agierte allerdings eher zurückhaltend. Er hatte nur 24 Ballkontakte, spielte lediglich einen Pass im Angriffsdrittel und brachte einen ungefährlichen Torschuss zustande. Das Wichtigste war jedoch: Trotz aller Intensität erlitt er keinen gesundheitlichen Rückschlag.
"Sky"-Expertin Julia Simic bewertete das Comeback daher positiv: "Er hatte hier und da gute Aktionen, geriet aber natürlich gegen das Bollwerk von Schalke an seine Grenzen. Aber er hat auf mich gut und frisch gewirkt und hat gezeigt, dass er in der Mannschaft ein erfrischendes Element sein kann."
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Muslic über Bayern: "Da fressen sie Mannschaften auf"
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