Drei Dinge, die beim Sieg vom FC Bayern in Elversberg auffielen: Vincent Kompany verzockt sich fast schon wieder
Von Oliver Jensen
Update 14/09/2026 um 11:51 GMT+2 Uhr
Fast wäre die Total-Rotation des FC Bayern beim Aufsteiger SV Elversberg schiefgegangen. Ausgerechnet der ehemalige Bayern-Spieler Maurice Krattenmacher sorgte für den zwischenzeitlichen Ausgleich. Erst als Vincent Kompany sämtliche Stars einwechselte, dominierte der Favorit wieder das Spiel. Harry Kane beendete mit dem Siegtreffer zum 2:1 (1:0) eine kleine Durststrecke. Drei Dinge, die auffielen.
Kompany lobt nach Sieg "eklige" Elversberger
Quelle: Perform
Es ist keine Selbstverständlichkeit, bei der SV Elversberg drei Punkte mitzunehmen. Bayern-Trainer Vincent Kompany war nach Spielende die Erleichterung anzusehen. "Elversberg hat das in allen Bereichen gut gemacht. Sie waren sehr mutig am Ball", sagte er voller Respekt. "Wir haben unsere Momente gehabt, wir hätten auch mehr Tore schießen können. Aber wir haben gegen einen schwierigen Gegner gespielt."
Der Kontrast zwischen "Dorfclub" und Weltverein war bereits vor Anpfiff spürbar. Kane und Co. standen zwischen Baustellen-Absperrung und Containern, ehe sie ins Stadion einliefen. Die SV Elversberg und der FC Bayern spielen in der gleichen Liga und leben dennoch in unterschiedlichen Welten. Doch der Mut des vermeintlich kleineren Vereins war riesengroß.
Als Lennart Karl in der 26. Minute zum 1:0 traf, schien ein souveräner Sieg wahrscheinlich. Doch Elversberg spielte offensiv und belohnte sich mit dem Ausgleich durch Maurice Krattenmacher (61.). Der Bundesliga-Aufsteiger durfte nach den ersten zwei Siegen von der nächsten Überraschung träumen, bis Kane (72.) den Siegtreffer für den Rekordmeister erzielte.
Drei Dinge fielen beim Sieg der Bayern bei der SV Elversberg auf.
1. Zu viel Rotation? Bayern fehlt erneut der Spielfluss
Neues Spiel, neue Rotation – und weniger Spielfluss. Bereits beim 0:0 in der vergangenen Woche auf Schalke hatte die große Rotation dem Bayern-Spiel sichtbar den Rhythmus genommen. Nun stellte Vincent Kompany seine Elf wieder total um, setzte gegenüber dem 5:0 am Donnerstagabend gegen Bodö/Glimt sieben neue Spieler in die Startelf. Kompany verteidigte die Rotation: "Die Jungs, die heute angefangen haben, standen alle in den letzten sieben bis zehn Tagen schon einmal in der Startelf."
Dennoch hakte es beim FC Bayern streckenweise. Der Gegentreffer zum 1:1 war die logische Konsequenz. "Sie wirken ein bisschen behäbig, ein bisschen schlafmützig", kritisierte "DAZN"-Experte Michael Ballack. "Sie kontrollieren das Spiel, aber lassen sich ein bisschen einlullen. Daher bekommen sie die Quittung."
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Jamal Musiala und Alphonso Davies rotierten unter anderem aus der Bayern-Startelf
Fotocredit: Getty Images
Nach dem Ausgleich war Kompany zur Korrektur gezwungen und brachte mit Jamal Musiala, Joshua Kimmich, Alphonso Davies und Luis Díaz gleich vier seiner Top-Stars in die Partie. Sieben Minuten später folgte das 2:1. Auch wenn keiner der vier Joker direkt am Siegtreffer beteiligt war, veränderten sie das Spiel spürbar. Bayern dominierte wieder das Geschehen, hatte mehr Bewegung in der Offensive, verlorene Bälle wurden sofort zurückgewonnen.
"Bayern bestimmt generell eh immer, wie ein Spiel ausgeht – mit ihrer eigenen Leistung", erklärte Ballack. "Die war heute nicht so toll, aber schlussendlich gut genug, um das Spiel knapp zu gewinnen."
Am Freitag gegen Union Berlin könnte Kompany erneut rotieren. Dann allerdings in die andere Richtung. Eine weitere Zitterpartie gilt es, zu vermeiden.
2. Dorfclub ganz mutig – und ein Ex-Bayer wird zum Super-Joker
Elversberg-Trainer Vincent Wagner stellte bereits im Vorfeld klar, dass sich die eigene Mannschaft nicht verstecken würde. Den klassischen Bus vor dem eigenen Tor zu parken, wäre keine Option. Seine Spieler nahmen ihm beim Wort.
Nach einer anfänglich defensiven Phase wurde Elversberg immer mutiger. Beeindruckend: Der Aufsteiger presste phasenweise sogar hoch und fand zumindest vereinzelt spielerische Lösungen. Selbst der Gegentreffer zum 0:1 nahm ihnen nicht den Mut. Fast wäre der Ausgleich bereits vor der Halbzeit gefallen, doch der vermeintliche Treffer von Cole Campbell wurde wegen Abseits aberkannt.
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Maurice Krattenmacher im Gespräch mit Michael Ballack
Fotocredit: Getty Images
Zur Halbzeit brachte Elversberg mit Maurice Krattenmacher einen Offensivspieler, der in der Jugend des FC Bayern ausgebildet wurde und das Spiel sofort an sich riss. Traumhaft, wie er in der 61. Minute aus der Distanz den Ball im oberen rechten Eck unterbrachte. "Ich hatte eine gute Schussgelegenheit und treffe den Ball gut, und dann schlägt der ganz gut ein", kommentierte Krattenmacher sein Traumtor erstaunlich nüchtern.
Der 21-Jährige entwickelt sich zum perfekten Joker. Obwohl er in keinem der drei Bundesligaspiele in der Startelf stand, hat Krattenmacher bereits drei Tore auf dem Konto. Beim 4:3 gegen Gladbach glänzte er mit einem Doppelpack inklusive Siegtreffer, nun folgte der Knaller gegen seinen Ex-Verein.
Als das Spiel vorüber war, gab es eine herzliche Umarmung und ein paar nette Worte von Kompany. "Er hat mir für das Tor gratuliert und ich habe ihm alles Gute für die Saison gewünscht", erzählte Krattenmacher.
Danach stellte er sich mit Ballack zusammen und bekam ein paar Tipps des früheren Nationalspielers. "Ich habe seine Karriere eng verfolgt, mein Sohn hat mit ihm im Nachwuchs zusammengespielt. Ich weiß um seine Stärken und Schwächen", sagte Ballack über die Verbindung. "Der nächste Schritt wäre, Stammspieler zu werden."
Wenn nicht jetzt, wann dann?
3. Kane trifft endlich wieder in der Bundesliga
Tore von Harry Kane sind beinahe eine Selbstverständlichkeit. Doch an den ersten beiden Spieltagen blieb der Engländer torlos. Beim Bundesliga-Auftakt gegen Stuttgart (5:1) traf fast jeder – nur der dreifache Bundesliga-Torschützenkönig nicht.
Auch in Elversberg war Geduld gefragt. In den ersten 45 Minuten tat er sich genauso schwer wie seine Mitspieler. Dann kam der 33-Jährige häufiger in die gefährlichen Räume. In der 60. Minute brachte er den Ball erstmals im Tor unter, doch der Linienrichter hob die Fahne.
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FC Bayern: Harry Kane bejubelt seinen Siegtreffer bei der SV Elversberg
Fotocredit: Getty Images
Umso größer dürfte die Erleichterung gewesen sein, als Kane zwölf Minuten später seine Mini-Bundesliga-Durststrecke beendete: Ballannahme im Strafraum, zwei kurze Ballkontakte, eine Drehung – Tor. Allzu euphorisch feierte er seinen Siegtreffer nicht. Sein Jubel wirkte beinahe trotzig: Kane sprang in die Luft, riss kurz den Arm nach oben – mehr nicht. "So ist Fußball. Manchmal muss man länger warten als erwartet", sagte Kane später über seine Durststrecke.
Sogar Elversberg-Trainer Vincent Wagner war von dem Treffer beeindruckt. "Den macht er natürlich auch sexy", gab er zu. "Es tut natürlich auch weh, aber nicht schlecht. Man könnte meinen, er macht das öfter."
In dieser Bundesliga-Saison noch nicht, zukünftig aber wohl schon.
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Wagner nach Bayern-Wechsel baff: "Habe mich kaputtgelacht"
Quelle: Perform
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