Wolfsburgs Robin Knoche exklusiv vor dem Champions-League-Duell mit AA Gent
Robin Knoche war lange weg, hat kaum Spielpraxis und steht heute trotzdem vor einem der größten Spiele seiner Karriere. Der 23-Jährige vom VfL Wolfsburg gibt in der Champions League sein Debüt. Im Exklusiv-Interview mit Eurosport.de spricht Knoche über den Achtelfinal-Gegner Gent, seine Form und die Olympischen Spiele von Rio de Janeiro.
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Das Interview führte Tobias Laure
Der VfL Wolfsburg steht erstmals in seiner Geschichte im Achtelfinale der Champions League - und ist gegen KAA Gent trotzdem klarer Favorit. Paradox, oder?
Robin Knoche: Gent ist natürlich das vermeintlich leichte Los, das wissen wir. Uns ist aber auch klar, wie schwer diese Aufgabe tatsächlich ist. Schon beim Hinspiel in Belgien müssen wir alles abrufen, um ein gutes Ergebnis und damit eine gute Ausgangslage fürs Rückspiel zu schaffen.
Können Sie sich mit der Favoritenrolle anfreunden?
Knoche: Ja, wenn wir als Favorit gelten, dann nehmen wir das gerne an. Für uns Spieler ist das aber Nebensache, denn wir sprechen hier vom Achtelfinale der Champions League, da gibt es keine schwachen Mannschaften. Der Fokus liegt darauf, der Partie unseren Stempel aufzudrücken, das ist die Voraussetzung für ein gutes Resultat. Wir wollen ja eine Runde weiterkommen.
Dem steht allerdings die schwache Auswärtsbilanz in der Bundesliga entgegen. Nur ein Sieg bei zehn Partien. Woher nehmen Sie die Zuversicht, in Gent Erfolg zu haben?
Knoche: Das Stichwort heißt Konsequenz. Das gilt für die Offensive genauso wie für die Defensive. In dieser Hinsicht können wir auf der Partie vom vergangenen Wochenende gegen Ingolstadt (2:0, A.d.R.) aufbauen. Das war kämpferisch eine ganz andere Leistung als noch am Spieltag zuvor. Jetzt geht es darum, das Positive nach Gent mitzunehmen.
Die vergangenen Tage müssen für Sie eine Befreiung gewesen sein. Aufgrund eines Außenbandrisses im Sprunggelenk haben sie erst im Februar ihre ersten beiden Bundesligaspiele in dieser Saison bestreiten können.
Knoche: Es war schwer, nach so langer Zeit wieder reinzukommen. Ich habe mich deshalb besonders über den Erfolg gegen Ingolstadt gefreut. Durch mein Tor (Foto unten) habe ich außerdem ein ganz persönliches Highlight erlebt, was wichtig ist für mein Selbstvertrauen…
…weil Sie noch Rückstand im Vergleich mit den Teamkollegen haben?
Knoche: Mir fehlt natürlich Spielpraxis, das merkt man schon noch. Andererseits ist das ganz normal. Die Fitness ist aber da, ich habe die gesamte Vorbereitung in der Winterpause mitgemacht.
Keine Bedenken mehr wegen Ihrer Verletzung?
Knoche: Nein, ich spüre keine Schmerzen mehr und habe keine Ängste, was die Verletzung angeht. Ich bin topfit. Im Mittelpunkt steht aber das Team, die gegenseitige Unterstützung, die dann dem Einzelnen und der Mannschaft insgesamt hilft.
Im Winter galten Sie als heißer Kandidat bei Borussia Mönchengladbach. Wolfsburgs Manager Klaus Allofs hat daraufhin klar Stellung bezogen und einen Wechsel ausgeschlossen.
Knoche: Die Anfrage war da, aber Dieter Hecking und Klaus Allofs haben entschieden, dass das kein Thema ist. Damit war die Sache vom Tisch.
Timm Klose, ebenfalls Innenverteidiger, wechselte dagegen im Winter zu Norwich City. Haben Sie das als Signal empfunden, dass man umso mehr auf Sie baut?
Knoche: Ja, ich interpretiere das so. Es ist ein Zeichen, wenn eine Anfrage kommt und der Verein so schnell ablehnt. Nun habe ich meine ersten Spiele gemacht, auf dieser Gesamtsituation kann ich aufbauen.
Leicht dürfte es nicht werden, auf Ihrer Position gibt es einen Dreikampf mit Dante und Naldo. Wie stehen Ihre Chancen?
Knoche: In der Champions League in Gent spiele ich zusammen mit Dante in der Innenverteidigung, was mich sehr freut (Naldo ist für die Partie gesperrt, A.d.R.). Ich möchte diesen Platz aber behaupten, mit dem Ziel, dass weitere Einsätze folgen.
Gibt es Dinge bei Ihren beiden Konkurrenten, die Sie sich abschauen können?
Knoche: Dante und Naldo verfügen über eine immense Erfahrung, beide haben ja ein paar Jahre mehr auf dem Buckel als ich. Aus meiner Sicht hat sich aber etwas verändert, es ist nicht mehr wie vor ein, zwei Jahren. Da war ich der Neuling, der sich das eine oder andere abgeschaut hat. Nur: Du musst deine eigene Spielweise entwickeln und dir treu bleiben, denn das macht dich als Spieler aus.
Nun also Ihre Premiere in der Champions League. Achtelfinale. Ein historisches Spiel für den Verein. Große Erwartungen. Wie aufgeregt sind Sie?
Knoche: Ich freue mich viel eher und fiebere der Partie entgegen. Von der Champions League träumt man schon als kleines Kind. Das ist für jeden Fußballer ein absolutes Highlight.
Bei aller Freude, dabei zu sein – es geht um eine Menge, Wolfsburg steht vor einer großen Chance. Welches Ziel hat der VfL?
Knoche: Wir gehen das Spiel in Gent genauso an wie jedes andere auch. Der Spaß an der Königsklasse soll natürlich nicht zu kurz kommen, im Vordergrund steht aber ganz klar der Erfolg der Mannschaft…
…sprich das Viertelfinale.
Knoche: Richtig, das stellen wir uns vor.
In der Bundesliga scheint Platz drei realistisch zu sein.
Knoche: Ja, die Klubs direkt vor uns waren zuletzt nicht so stabil, sodass wir uns bis auf fünf Punkte an Platz drei heranschieben konnten. Der Sieg gegen Ingolstadt gibt uns Selbstvertrauen, gerade für die Auswärtsaufgaben. Wir hoffen, dass uns eine Serie gelingt, um weitere Plätze gutzumachen.
Bundestrainer Joachim Löw hat Sie im November 2014 für die Nationalmannschaft nominiert, bislang hat es noch nicht mit einem Einsatz geklappt. Wie denken Sie momentan über das Thema Nationalelf?
Knoche: Mit der Olympia-Teilnahme in Rio de Janeiro und der EM in Frankreich stehen zwei Groß-Events im Kalender. Durch die Verletzung war für mich daran nicht zu denken. Nichtsdestotrotz habe ich das immer im Hinterkopf. Der Weg dahin führt aber nur über die Leistung im Verein, da muss ich auf mich aufmerksam machen.
Bei den Olympischen Spielen 2016 sind Sie 24 Jahre alt. Sie müssten also über das Kontingent der drei Spieler, die älter als 23 sein dürfen, ins Team kommen. Gab es schon Gespräche oder Informationen dazu seitens des DFB?
Knoche: Nein, das ist noch ein langer Zeitraum. Dazu kann ich noch gar nichts sagen. Klar, ich hoffe, irgendwann bei so einem Riesenevent dabei zu sein. Das ist auf der einen Seite ein Riesenerlebnis und auf der anderen eine große Herausforderung. Denn wenn man bei Olympischen Spielen antritt, dann will man eine Medaille mit nach Hause nehmen. Das sollte schon der Anspruch sein.
Da würde sich für Sie ein Kreis schließen, schließlich haben Sie in der Jugend ja mal bei Olympia Braunschweig gespielt.
Knoche(lacht): Stimmt! Das wäre doch eine schöne Anekdote, die hoffentlich irgendwann mal greift…
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