Arsenal - FC Bayern: 3 Dinge - Lewy geht weiter, Walcott dreht auf und ab, Wengerdämmerung
Der FC Bayern München schlägt den FC Arsenal auch im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League 5:1. Beim Schützenfest in London bestimmt Theo Walcott eine Halbzeit lang das Geschehen, dann übernehmen die Bayern. Robert Lewandowski schraubt weiter an seiner Torquote. Und Arsène Wenger sackt in sich zusammen. Was uns vor Ort auffiel.
Eurosport
Fotocredit: Eurosport
Aus London berichtet Florian Bogner
1.) Lewy geht weiter
Ein berühmter Bundesliga-Spruch von Dragoslav Stepanovic heißt ja bekanntlich: "Lebbe’ geht weiter." Am Dienstag ging Lewy weiter, Robert Lewandowski. Neben Arjen Robben war der Stürmer in Durchgang eins der einzige Bayer, der von der Körpersprache her auf Normalniveau agierte, nicht vom 5:1 des Hinspiels befangen wirkte.
Nachdem er eine von Robben wunderbar inszenierte Chance noch liegengelassen hatte (38.), traf er in Minute 55 zwar “nur” per Elfmeter zum beruhigenden 1:1, hatte sich sein 38. Pflichtspieltor im 39. Spiel für Verein und Land diese Saison aber selbst gegen Laurent Koscielny herausgeholt. Auch wenn Lewandowski dabei im Abseits stand.
Koscielny sah für seine Notbremse Rot, Arsenal war geschlagen. Gewissermaßen revanchierte sich der Bayern-Angreifer damit fürs Hinspiel, in dem er den Arsenal-Verteidiger elfmetergeahndet zu Fall gebracht hatte. Es gleicht sich eben alles aus im Lebbe’…
Auch wenn das Arsène Wenger nach dem Spiel bei "Sky" ein wenig anders sah:
Achso: Auch beim 2:1 (68.) hatte Lewandowski seine Füße im Spiel, leitete nach Ballgewinn gekonnt in die Mitte weiter, wo Torschütze Robben von einem Fehler Alexis Sánchez’ profitierte und das Viertelfinale perfekt machte.
Dass Lewandowski seine einfachste Chance in der 76. Minute an den Pfosten setzte, war letztlich egal. Dafür setzten Douglas Costa (78.) und Arturo Vidal (80./85.) noch Glanzlichter.
2.) Riese Walcott - für eine Halbzeit
Theo Walcott hat die Fähigkeit, alle paar Monde mal ein Spiel rauszuhauen, das ihn schlagartig mit den ganz Großen des Geschäfts in Verbindung bringt. Dann taucht er wieder ab (oder verletzt sich).
Dienstagabend war so ein Spiel - für 45 Minuten. David Alaba in einer Halbzeit so dermaßen schlecht aussehen zu lassen, wie es Walcott im ersten Durchgang schaffte, hat definitiv Seltenheitswert. Immer wieder nahm es der englische Nationalspieler in Eins-gegen-Eins-Duellen mit Bayerns Linksverteidiger auf, immer wieder setzte er sich durch und beschwor Torgefahr herauf.
Sein Tor zum 1:0 (20.) aus spitzem Winkel über den Scheitel von Manuel Neuer: schönes Ding!
Kurz vor der Pause zeigte Walcott seinem Gegenüber dann seine ganze Entschlossenheit, in dem er ihm nach einem Foul den Ball etwas unsanft in den Bauch drückte. Alaba fragte in der Verbal-Kategorie “Bist deppat?!” nach, beide sahen Gelb.
Walcotts dufter Auftritt hatte aber auch was damit zu tun, dass Franck Ribéry eine ganze Weile lang nur unzureichend mit nach hinten arbeitete. In einer Szene kam sogar Robert Lewandowski mit nach links hinten, um selbst nach dem Rechten zu sehen (inkl. Anschiss für Alaba).
Besser wurde es erst, als Bayern im zweiten Durchgang die Spielkontrolle wieder an sich riss und das Geschehen wieder mehr in die Arsenal-Hälfte verlagerte, Walcott also länger Anlauf nehmen musste (und irgendwann nicht mehr konnte).
Mit dem 1:1 war dann auch bei Walcott der Dampf weg und Alaba konnte sich auch mal ins Angriffsspiel der Bayern einschalten.
3.) Wenger-Dämmerung
Dass Arsène Wenger auch im Sommer noch Arsenal-Trainer ist, scheint nach diesem Spiel mehr als fraglich. Zu niederschmetternd die Bilanz von nun sieben Achtelfinal-K.o.s in Folge, zu wenig Entwicklung im Team. Zudem steht in der Mannschaft ein personeller Umbruch an (Sánchez, Özil?) - eigentlich der ideale Zeitpunkt, um auch einen neuen Coach zu installieren.
Noch aber klammert sich Wenger an seinen Job, an sein Erbe; machte bis zuletzt den Eindruck, nicht einfach die Verantwortung in einer schwierigen Phase nach so vielen Jahren beiseitelegen zu wollen.
Und wer ihn am Dienstagabend sah, wie er da aristokratisch und hager wie eh und je in der Londoner Abendkälte fror, dabei immer wieder nervös am Reißverschluss seines knielangen Anoraks rumspielte, bei misslungenen Abschlussaktionen Grashalme umnietete und immer wieder den Kontakt zu seiner Bank suchte, bekam nicht den Eindruck, dass dieser Mann schon fertig habe.
"Ich habe dazu nichts zu sagen", erklärte Wenger als er nach der Partie auf seine Zukunft angesprochen wurde.
Die oben genannte Beobachtung bezieht sich allerdings auf Durchgang eins. Nach dem 1:1 fiel die hagere Gestalt nämlich mehr oder weniger in sich zusammen, setzte sich hin und ließ den Rest mehr oder weniger über sich ergehen. Resignation beim Trainer, Implosion im Team, das sich in Halbzeit zwei sogar noch ein Tor mehr fing als in selbiger des Hinspiels.
Gut möglich, dass das Wengers (vorerst) letztes Champions-League-Spiel war. 184 wären’s dann gewesen, nur Sir Alex Ferguson hat mehr (190). Dass er den eigentlich noch gerne schnappen würde, war wahrscheinlich mit ein Grund, warum der Elsässer bis zuletzt noch zögerte bzw. bereits ankündigte:
Sieht eher nach woanders aus.
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung
/origin-imgresizer.eurosport.com/2024/12/18/image-ec453673-a7e8-4c9b-a566-6689a5fb6276-68-310-310.jpeg)