André Schubert erläuterte gerade einen wichtigen Systemwechsel seiner Gladbacher in der zweiten Halbzeit, als auf dem Bildschirm über seinem Kopf noch einmal das Ärgernis des Abends lief. Die Szene, in der Julian Korb Celtic-Stürmer Moussa Dembélé im Strafraum zu Fall brachte, dafür Rot sah – und Dembélé den Elfmeter zum finalen 1:1 verwandelte. Es war das nächste Mosaiksteinchen in der wachsenden Sammlung an Fehlleistungen, die der Borussia in der Champions League regelmäßig die Ernte verderben.
So war es in der Vorsaison in den Heimspielen gegen Juventus Turin und Manchester City. So war es Ende September gegen das Starensemble aus Barcelona. Und so war es nun gegen das nicht ganz so namhafte Team aus Glasgow – was Schubert spürbar frustrierte. "Die Situation mit dem Elfmeter und der Roten Karte war extrem ärgerlich, keine Frage", kommentierte Gladbachs Coach, der zudem betonte:
Zunächst mal sind wir sehr enttäuscht. Denn bei einem Sieg hätten wir noch ein sehr spannendes Spiel gehabt.
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So aber wird die Heimpartie gegen Manchester City in drei Wochen kein direktes Duell um Platz zwei. Für die Borussia geht es nur noch darum, in den verbleibenden zwei Partien Rang drei, den Passierschein in die Europa League, gegen Celtic zu verteidigen. "Dieses Ergebnis müssen wir erst mal aus den Kleidern schütteln", erahnte Schubert beschwerliche mentale Aufbauarbeiten bei seinem Team und wohl auch bei sich selbst. Deshalb mochte er das Defensivverhalten des 24-jährigen Korb gegen den vier Jahre jüngeren Dembélé auch nicht so einfach vom Tisch wischen.

Trainer-Schelte für Korb

"Er hatte eigentlich eine gute Laufposition, hat die Situation aber ein bisschen falsch eingeschätzt. Den Gegenspieler großartig zu bedrängen, war auch nicht nötig, wir haben ja noch einen Torhüter", las der Cheftrainer seinem Rechtsverteidiger die Leviten. Angreifer André Hahn ging gnädiger mit dem Kollegen um, er sagte: "Das ist Fußball, so etwas passiert. Man kann ihn nicht zum Sündenbock machen. Die Mannschaft wird ihm beistehen und ihn aufmuntern. Denn am Freitag geht’s ja schon weiter." In Berlin, wo die Rheinländer bei einem ausgeruhten, weil international beschäftigungslosen Gegner weiter Boden zum vorderen Tabellendrittel verlieren könnten.
Auch deshalb zürnten Sportdirektor Max Eberl und André Schubert der DFL, deren Terminplaner den Gladbachern schon für Freitag das schwere Auswärtsspiel in Berlin serviert haben. Erfreut waren die beiden Herren dafür über die Rückkehr der kreativen Offensivkräfte Thorgan Hazard und Raffael. Der eine spielte gegen Celtic 70, der andere zehn Minuten – und beide belebten das Borussen-Spiel erkennbar. Zugleich wurde damit aber deutlich, dass Eberls frohlockende Botschaft zu Saisonbeginn ("Wir haben keine Stammelf, sondern eine Stamm-18") wohl doch etwas voreilig war.

Raffael nicht zu ersetzen, Dahoud in der Schaffenskrise

Die Gladbacher Wechselbörse lief in den vergangenen Wochen nicht so reibungslos wie gedacht, der Brasilianer Raffael etwa ist schlicht nicht zu ersetzen. Das liegt auch daran, dass Toptalent Mahmoud Dahoud (20) gerade in einer Schaffenskrise steckt. Hinzu kommt, dass der Schwede Oscar Wendt und der US-Amerikaner Fabian Johnson auf den Außenbahnen schon mal für deutlich mehr Unruhe sorgten als zuletzt. Dafür hat sich die Gegentrefferquote auf einem erfreulich niedrigen Niveau eingependelt – was aber auch an den jüngsten, offensiv recht zurückhaltenden Kontrahenten aus Stuttgart, Frankfurt und Glasgow lag.
Fest steht: Das ständige Jammern über die hohen Belastungen hilft den Borussen nicht weiter – zumal sie sich vor der Runde personell gezielt auf ihren Tanz auf drei Hochzeiten eingestellt haben. "Ich mag das gar nicht mehr hören und lesen, das ständige 'Gladbach ist müde'. Das setzt sich nachher wirklich in unseren Köpfen fest", orakelte Christoph Kramer vor der Partie gegen Celtic. Und als wieder mal ein Vorsprung in der Königsklasse verspielt war, betonte der Weltmeister:
Das Spiel in Berlin ist sehr, sehr wichtig für uns. Es wäre schon nicht schlecht, da drei Punkte zu holen. Deshalb müssen wir dort noch mal alles mobilisieren – und danach können wir uns zwei Wochen in die Eistonne legen.
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