FC Bayern "nullnullt" sich ins Halbfinale: Dumm waren nur die anderen
Ein 0:0 gegen den FC Sevilla bringt den FC Bayern München zum siebten Mal in neun Jahren ins Halbfinale der Champions League. Während Präsident Uli Hoeneß angesichts der Ergebnisse aus Rom, Manchester und Madrid die spielerische Weitsicht lobt, bleiben bei den Spielern gemischte Gefühle zurück. Baustellen hat das Spiel der Bayern nämlich immer noch – und einfacher wird's im Halbfinale nicht.
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Aus der Allianz Arena berichtet Florian Bogner
Fünf Minuten vor Schluss war dann endgültig Kampfmodus angesagt. Mats Hummels drosch den Ball nur noch die Linie runter. Javi Martínez schmiss sich in alles, was sich bewegte, Rafinha hatte Krämpfe. Und durch die Allianz Arena hallte die Vereinshymne des FC Sevilla, angestimmt von den Gäste-Fans.
Es war weiß Gott kein typisches Heimspiel des FC Bayern München in der Champions League, keine große Oper.
Zu sehen: Keine Tore der Bayern, dafür viel Kampf. Sevilla hatte sogar mehr Ballbesitz als der frischgebackene Deutsche Meister (49:51 Prozent). Ja Sappralott: Die Bayern foulten sogar häufiger als ihr Gegner (14:12).
Zudem endete eine Serie: Zwölfmal hatte Trainer Jupp Heynckes in Folge in der Königsklasse gewonnen - vorbei mit dem 0:0 im Viertelfinal-Rückspiel.
Souveräner als Madrid
Und doch: Hatten sich die Bayern gut aus der Affäre gezogen, hätten sich nach dem 2:1 im Hinspiel bis zum Schluss einen Gegentreffer der Andalusier erlauben können.
Sie zogen also "relativ souverän" (Thomas Müller) zum siebten Mal in neun Jahren ins Halbfinale ein, souveräner jedenfalls als Real Madrid – von den auf der Strecke gebliebenen FC Barcelona und Manchester City ganz zu schweigen.
"Wir mussten zu Null spielen, das haben wir gemacht", wischte sich Arjen Robben direkt nach dem Spiel bereits verbal den Mund ab.
"Wir waren der Herr im Haus", sagte Mats Hummels. Sevilla schoss immerhin kein Mal direkt aufs Bayern-Tor - gut, einmal half die Latte.
"Wir haben ganz wenig anbrennen lassen. Wir haben den Gegner weder unterschätzt, noch waren wir zu ängstlich", sagte Müller. "Sie haben uns gefordert, aber nicht überfordert."
Banega mit zu vielen Freiräumen
In letzter Instanz klärte dann doch immer wieder ein Bayern-Bein, kaschierte so aber auch feine spielerische Mängel, die erneut im Spielaufbau sichtbar waren, und diesmal auch im Angriffsdrittel.
Bis zum Strafraum spielte Bayern durchaus gefällig bis zügig, im Strafraum wurde es allerdings schon dünner, parieren musste Sevillas Schlussmann David Soria letztlich nur fünf Schüsse aufs Tor.
"Wir waren speziell in der ersten Halbzeit viel zu passiv", kritisierte Joshua Kimmich die Schonhaltung. Vor allem Sevillas Spielmacher Ever Banega wurde das nominell sehr offensiv aufgestellte Bayern-Mittelfeld nicht richtig Herr.
"Wir haben auf ihn zu wenig Druck aufgebaut und das ist eben der Spieler, der den Ball in die Schnittstelle spielt", analysierte Müller selbstkritisch.
Vorne gab es dann wiederum "viele Szenen, in denen wir den letzten Pass nicht richtig gut spielen", schloss Müller sein Resümee.
Heynckes und Hoeneß loben
Trainer Heynckes stellte indes lieber das Positive heraus. "Man kann nicht immer brillant spielen, man kann den Gegner nicht immer an die Wand spielen. Ich bin sehr zufrieden, auch weil wir zu Null gespielt haben", lobte der 72-Jährige, nachdem er nach dem Hinspiel noch gemotzt hatte, man müsse sich steigern, um die Champions League zu gewinnen.
Nach den verrückten Ergebnissen auf anderen Plätzen waren die Bayern-Oberen aber in erster Linie froh, weiter dabei zu sein. Es eben nicht wie ManCity oder Barcelona gemacht zu haben. Oder wie Real Madrid auf ein Tor in der 98. Minute angewiesen zu sein.
"Wenn man sieht, was in Rom und Madrid passiert ist", sagte Uli Hoeneß, "dann fand ich das total richtig, dass wir nicht ins offene Messer gelaufen sind. Wenn man merkt, dass nach vorne nicht viel geht, muss man eben auf 0:0 spielen. Das war sehr professionell."
James, Martínez und Lewandowski angeschlagen
Am Ende ärgerten sich die Bayern also nur über eine Handvoll verpasster Chancen – und ein wenig über die "kernig, ruppige" (Hummels) Gangart des Gegners, die zahlreiche Blessuren hinterlassen hatte.
Übertrieben hatte es auf Sevilla-Seite auf jeden Fall Joaquin Correa mit seinem Foul an Javi Martínez (90.+1) – Rot gab es für den hässlichen Hieb aufs Knie. "Ich kenne Correa sehr gut, er nie so aufgefallen", sagte Heynckes, "aber da sind ihm die Sicherungen durchgebrannt. Das hat auf dem Fußballfeld nichts verloren."
Martínez trug eine starke Knieprellung davon und war nicht der einzige: James Rodríguez musste sich in der zweiten Halbzeit mit einer starken Oberschenkelprellung "durchbeißen" (Heynckes), Robert Lewandowski stellte nach dem Spiel eine dicke Schwellung unter dem linken Auge zur Schau. "Manchmal sieht man das ganze Ausmaß erst am Tag nach dem Spiel", warnte Heynckes vor den Folgen.
Schonung gegen Gladbach, Power gegen Leverkusen
Das Bundesliga-Spiel gegen Borussia Mönchengladbach am Samstag nehmen sie jetzt irgendwie mit, ehe kommende Woche mit dem DFB-Pokal-Halbfinale bei Bayer Leverkusen das nächste Highlight ansteht.
Vorher steht noch die Auslosung (Fr., 12 Uhr live bei Eurosport.de) an - Real Madrid, AS Rom oder FC Liverpool? Sie wollen's nehmen, wie es kommt. "Bis zum Champions-League-Halbfinale kann eh viel passieren: Es können alle wieder fit werden oder sich auch drei neue Spieler verletzen", sagte Müller.
Kurzum:
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