So lief das Spiel:

Real Madrid gegen FC Liverpool, Zinédine Zidane gegen Jürgen Klopp. Mit Liverpool wollte der Deutsche in seinem zweiten Finalversuch als Trainer den großen Coup perfekt machen. Nach seiner Finalniederlage mit Borussia Dortmund gegen den FC Bayern München ließ Klopp seiner Enttäuschung damals freien Lauf:
Wenn man sich was so sehr wünscht und es dann nicht bekommt, dann tut das weh.
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Fünf Jahre später wollte er es mit seinem Team in Kiew besser machen und den Henkelpott in den ukrainischen Nachthimmel recken.
Mit Real Madrid hatten Klopp und Liverpool jedoch einen ganz dicken Brocken im Weg, die Madrilenen gingen gegen die Engländer auf ihren dritten Champions-League-Titel in Folge - eigentlich utopisch.
Gegen die "Königlichen" ging Liverpool mit offensiver Durchschlagskraft an den Start, mit Sadio Mané, Roberto Firmino und Mohamed Salah setzte Klopp auf sein gefürchtetes Angriffs-Trio. Zidane ließ mit Karim Benzema und Cristiano Ronaldo eine Doppelspitze von der Leine, Gareth Bale musste auf der Bank Platz nehmen.

Gareth Bale (Real Madrid)

Fotocredit: Getty Images

Zu Beginn der Partie zeigte Liverpool zunächst das bessere Gesicht, setzte Real mit hohem Pressing und schnellen, direkten Angriffen erheblich zu. Die beste Chance der ersten Halbzeit ergab sich in der 24. Minute. Zunächst wurde ein Schuss von Firmino aus zwölf Metern geblockt, anschließend scheiterte Trent Alexander-Arnold aus halbrechter Position an Keylor Navas.
In der Folge blieben die Engländer dran, wurden in der 26. Minute jedoch schwer getroffen. Nach einem Zweikampf mit Sergio Ramos blieb Salah mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Rasen liegen, fasste sich an die Schulter. Der spanische Innenverteidiger verdrehte dem Angreifer beim Fallen den Arm - ein ganz übles Foul. Trotz versuchtem Durchhalten musste der Ägypter in der 31. Minute mit Tränen in den Augen den Platz verlassen.
Kurz darauf erlitt Real Madrid einen herben Rückschlag. Auch Dani Carvajal musste den Platz verletzungsbedingt verlassen, wich in der 37. Minute tränenreich.
Nach einem torlosen ersten Durchgang wartete eine heiße zweite Halbzeit mit zwei kämpfenden Teams, die phasenweise alles in die Waagschale legten. In der 51. Minute gingen die "Königlichen" zunächst kurios in Führung. Nachdem Loris Karius Dejan Lovren den Ball zuwerfen wollte, streckte sich Benzema, ging mit dem Fuß dazwischen und überraschte mit dem Treffer.
Liverpool schüttelte sich kurz und bündig, kam in der 55. Minute zum Ausgleich. Nach einer Ecke von der rechten Seite brachte Lovren die Kugel per Kopf auf den Kasten, Mané kreuzte den Weg und schoss aus kurzer Distanz ein.
Das Unentschieden hielt allerdings nur kurz, bereits acht Minuten später schlugen die Königlichen sehenswert zurück. Nach einer Flanke von der linken Seite war der eingewechselte Bale in der Mitte zur Stelle, packte einen Traum-Fallrückzieher aus und schoss sich und Real Madrid furios in die Geschichtsbücher.
Liverpool setzte in der Schlussphase alles auf eine Karte, wollte den Ausgleich erzwingen, bekam in der 83. Minute aber den bitteren K.o.-Schlag. Einen ungefährlichen Distanzschuss von Bale versuchte Karius zu fangen, legte sich den Ball dabei selbst ins Tor. Der Schlusspunkt einer Partie, die von individuellen Fehlern geprägt war.
So folgt auf die Finalniederlage 2013 gegen die Bayern der nächste Rückschlag für Klopp und seiner Suche nach dem Henkelpott. Trotz dieser Niederlage kann Liverpool allerdings zufrieden sein - es war eine sehr starke Saison.

Die Stimmen:

Jürgen Klopp (Trainer FC Liverpool): "Es tut mir total leid für ihn (Loris Karius, Anm. d. Red.). Das wünscht man seinem schlimmsten Feind nicht. Es ist eine falsche Entscheidung, die er trifft beim 1:0. So ist das Leben. Ich habe mit ihm gesprochen nach der Partie. Er ist ein schlauer Junge. Es wird ihm hoffe ich nicht ewig nachhängen, dass ist ganz hart für ihn."
Zinédine Zidane (Trainer Real Madrid): "Wir haben diese Saison so gelitten. Und dann so ein Spiel, vor allem in der zweiten Hälfte - das ist kaum in Worte zu fassen, unglaublich. Wir haben gekämpft und ich bin sehr glücklich."
Toni Kroos (Real Madrid): "Es ist erstmal relativ schwer zu glauben, aber ich freue mich unglaublich. Es ist jedes Mal aufs Neue der Wahnsinn. Die Champions League einmal zu gewinnen, ist das, was jeder will. Zum vierten Mal - das passiert nicht oft."
Gareth Bale (Real Madrid): "Ich war enttäuscht, nicht von Beginn an spielen zu dürfen. Darüber war ich enttäuscht, aber das ist eine Trainerentscheidung. Ich wollte dem Spiel meinen Stempel aufdrücken, das habe ich geschafft."

Der Tweet zum Spiel:

Das fiel auf: Torwartschreck Benzema

Rückblick auf das Halbfinal-Rückspiel zwischen dem FC Bayern München und Real Madrid: In der 46. Minute unterläuft Sven Ulreich ein folgenschwerer Fauxpas - der Münchner verpasst es, einen Rückpass zu klären, steigt über den Ball und setzt dadurch Benzema in Szene. Der Franzose steht blank vor dem leeren Tor, schiebt problemlos ein und bestraft den bayrischen Torwartfehler mit dem Ticket nach Kiew.
Im Finale gegen Liverpool avancierte Benzema erneut zum Torwartschreck. Keeper Karius wollte Lovren den Ball zuwerfen, schleuderte die Kugel aber auf den Fuß von Benzema, der die Aktion roch, den Killerinstinkt anschmiss und wie schon gegen die Bayern problemlos einschob.

Die Statistik: 4

Historische Marke für Toni Kroos. Als erster deutscher Fußballprofi gewinnt der Mittelfeldmann von Real Madrid zum vierten Mal die Champions League. Eine bärenstarke Leistung.
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