Manchester City - Tottenham Hotspur | Sieben-Tore-Wahnsinn: Spurs schalten ManCity aus

Tottenham Hotspur steht im Halbfinale der Champions League! Die Spurs verloren zwar das atemberaubende Viertelfinal-Rückspiel bei Manchester City mit 3:4 (2:2), kamen nach dem 1:0 im Hinspiel aber dank der Auswärtstorregel weiter. Das Spiel startete sensationell: Nach fünf Toren in 21 Minuten führte ManCity 3:2, erhöhte später auf 4:2 - doch Fernando Llorente schoss die Spurs weiter (73.).

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So lief das Spiel:

Die erste Halbzeit von Manchester City gegen Tottenham Hotspur im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League dürfte in die Geschichte des Wettbewerbs eingehen. Mit der Hypothek eines 0:1-Rückstands aus dem Hinspiel ging die Mannschaft von Pep Guardiola in das Spiel, schien die Weichen aber frühzeitig auf das Weiterkommen gestellt zu haben.
Nach gerade einmal vier Minuten fand Kevin De Bruyne links im Strafraum Raheem Sterling, der nach innen zog und dabei nicht gestört wurde. Sein Schlenzer aus 16 Metern halblinker Position schlug im rechten unteren Eck ein (4.).
Nur wenig später blieb den Cityzens ihr Jubel allerdings im Halse stecken. Nach einem haarsträubenden Fehler von Aymeric Laporte war es Heung-Min Son, der auch noch Torhüter Ederson auf dem falschen Fuß erwischte und zum 1:1 einschob (7.).
Und es kam noch schlimmer für die City-Fans: Wieder patzte Laporte, indem er die Kugel an Lucas Moura verlor. Der nahm Fahrt auf und leitete weiter zu Christian Eriksen, der erneut Son bediente. Der Koreaner setzte links im Strafraum zum Schlenzer an – Führung für die Gäste (10.).
Die Zuschauer im Stadion rieben sich noch die Augen, als erneut ein Treffer fiel. Manchester City konterte, Sergio Agüero bediente rechts Bernardo Silva. Der Portugiese wurde von der Abwehr der Spurs nicht aufgehalten, sein Abschluss auch noch von Danny Rose unglücklich abgefälscht. Hugo Lloris im Tor der Gäste musste erneut hinter sich greifen (11.).
Vier Tore in elf Minuten – das hatte in der Champions League noch nie gegeben. Und es sollte noch besser kommen. Nachdem sich das Spiel eine zehnminütige Auszeit gegönnt hatte, war es erneut Sterling, der die Taktzahl erhöhte.
Nach Querpass von De Bruyne tauchte der englische Nationalspieler am zweiten Pfosten auf und schob ungestört aus spitzen Winkel zum 3:2 ein (21.). Fünf Treffer nach 21 Minuten – auch das ein Rekord in der Champions League.
Der Wahnsinn ging auch in der zweiten Halbzeit weiter. Manchester City erhöhte mehr und mehr den Druck, Tottenham konnte sich kaum noch aus der eigenen Hälfte befreien. Sterling (50.), De Bruyne (54.) und David Silva (56.) hatten aussichtsreiche Chancen.
Die logische Konsequenz: Das 4:2 durch Sergio "Kun" Agüero nach einer knappen Stunde. Ilkay Gündogan leitete einen Angriff ein, bediente De Bruyne, der von zwei Gegenspielern nicht zu halten war. Sein Zuspiel landete beim Argentinier, der aus sieben Metern halbrechter Position direkt abzog (59.).
Zum ersten Mal stand die Guardiola-Elf an diesem Abend virtuell im Halbfinale. Doch es kam, wie es kommen musste: Tottenham schlug noch einmal zurück. Nach einer Ecke von der linken Seite stieg der bereits im ersten Durchgang eingewechselte Fernando Llorente am ersten Pfosten hoch und bugsierte den Ball mit der Hüfte über die Linie (73.).
Der Videoschiedsrichter sah sich die Szene wegen eines möglichen Handspiels noch einmal an, ließ den Treffer aber nach der Überprüfung zu, obwohl der Ball leicht den Arm des Spaniers touchiert hatte.
Nun war erneut Manchester City gefordert. Agüero prüfte Lloris per Kopf, der Weltmeister ließ sich aber nicht überrumpeln (80.).
In den Schlussminuten ging es ein letztes Mal drunter und drüber. Der spät eingewechselte Leroy Sané legte seinem Landsmann Ilkay Gündogan beinahe das 5:3 auf (86.), der Deutsche schoss aber aus kurzer Distanz drüber.
Wenig später war der Jubel bei Manchester City dann kurzzeitig grenzenlos: In der dritten Minute der Nachspielzeit traf Sterling zum dritten Mal, zuvor hatte Tottenhams Eriksen sein eigenes Team mit einem Fehlpass in Bedrängnis gebracht.
Allerdings hatte Bernardo Silva den Ball noch abgefälscht, und da Agüero im Abseits gestanden hatte, wurde der Treffer nach Videobeweis zurückgenommen. Die City-Fans waren geschockt, kurz darauf war Schluss.
Tottenham, das zuletzt 1961/62 im Europapokal der Landesmeister unter den letzten Vier stand, trifft nun im Halbfinale auf das Sensations-Team Ajax Amsterdam. Dann fehlt Heung-Min Son allerdings gelbgesperrt.

Die Stimmen zum Spiel:

Pep Guardiola (Trainer Manchester City): "Es ist hart, es ist grausam. Wir waren nahe dran. Aber wir müssen das akzeptieren. Es war ein super Spiel, enorm viel drin, die ganzen Tore. Wir haben Fehler begangen, die auf diesem Niveau sofort bestraft werden. In der zweiten Halbzeit haben wir dafür alles getan, um viele Chancen zu kreieren, was nicht einfach war. Wir haben eigentlich auch die Tore geschossen, die wir brauchten. So aber war es ein böses Ende für uns."
Mauricio Pochettino (Trainer Tottenham Hotspur): "Es war unglaublich - vor allem das Ende. Ich bin so glücklich, so stolz. Meine Spieler sind Helden. Es freut mich so sehr für sie, für die Fans. In dem letzten Moment passieren viele Dinge in deinem Kopf, die Enttäuschung war riesig, aber sie haben das Tor aberkannt. Wir haben heute großen Charakter und Persönlichkeit gezeigt, es war ein unbeschreibliches Spiel. Dafür lieben wir Fußball."
Christian Eriksen (Tottenham Hotspur): "Ich bin wahrscheinlich der glücklichste Mensch auf dem Planeten gerade. Für einen Moment war alles vorbei. Es war ein komisches Spiel, eine Achterbahnfahrt, seltsam. Jetzt atmen wir erstmal tief durch. Für mich ist es wie ein Märchen, gegen Ajax zu spielen und nach Amsterdam zurückzukehren."
Heung-Min Son (Tottenham Hotspur): "Wie das Spiel ausgegangen ist, kann ich mich gar nicht mehr erinnern. Das war ein verrücktes Spiel. Wir haben nach dem 2:1 ein bisschen nachgelassen und ihnen die Chance gegeben, wieder zurückzukommen. Aber wir haben gut gekämpft und sind verdient weitergekommen. Manchmal bist du sauer auf den VAR, aber heute sind wir dankbar. Ich wusste nicht, dass ich gesperrt bin im Hinspiel des Halbfinals. Das ist sehr, sehr schade. Aber so ist Fußball."
Vincent Kompany (Manchester City): "Wir sind natürlich total enttäuscht, aber auf der anderen Seite haben wir natürlich auch gut gespielt. Letztlich haben Kleinigkeiten den Unterschied gemacht: im Hinspiel der Elfmeter (den Agüero verschoss, Anm. d. Red.), heute die Videobeweis-Entscheidungen. Am Ende haben wir gekämpft, wir haben alles gegeben und so viele klare Torchancen kreiert. Aber der Fußballgott war heute nicht auf unserer Seite."

Der Tweet zum Spiel:

Bei der Anzahl an Toren, vor allem in der Anfangsphase, waren sich manche Zuschauer nicht sicher, ob sie die richtige Sportart eingeschaltet hatten.

Das fiel auf: Guardiolas Champions-League-Fluch

2011 war Pep Guardiola mit dem FC Barcelona im Fußball-Olymp angekommen. Der Katalane gewann mit seiner Mannschaft die Champions League. Seitdem ist Guardiola dieses Kunststück allerdings nicht noch einmal gelungen. Sowohl mit den Bayern als auch mit Manchester City scheiterte Pep Guardiola stets mal mehr, mal weniger unglücklich bereits vor dem Finale.

Die Statistik: 26

Raheem Sterling war nun an 26 Toren in 20 Heimspielen diese Saison direkt beteiligt (19 Treffer, sieben Assists). Das 5:3-Siegtor wurde ihm aber aberkannt.
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