Aufgrund der Ausfälle von Leistungsträgern wie Joe Gomez, Virgil van Dijk, Thiago Alcántara, Trent Alexander-Arnold, Jordan Henderson und Naby Keïta musste Jürgen Klopp speziell in der Defensive entsprechend improvisieren.

Der jungen und eher unerfahrenen Viererkette um Neco und Rhys Williams, Kostas Tsimikas und Abwehrchef Joel Matip merkte man die Unsicherheit in den Anfangsminuten deutlich an. Aber auch Mohamed Salah, der am Wochenende gegen Leicester (3:0) noch pausiert hatte, zeigte früh, dass ihm zuletzt die Spielpraxis fehlte.

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25/11/2020 AM 22:00

Nach vier Minuten spielte der Ägypter einen Querpass in der eigenen Hälfte direkt in den Lauf von Atalantas Josip Ilicic, der ein paar Meter machte und anschließend den Schlenzer an der Strafraumkante ansetzte. Der Versuch des Slowenen flog jedoch knapp am Tor vorbei (4.).

Fünf Minuten später hatte Robin Gosens seinen ersten Auftritt: Der deutsche Nationalspieler wurde mit einem hohen Diagonalball aus der eigenen Hälfte auf links geschickt und suchte schnell den Abschluss. Den wuchtigen Schuss aus schwierigem Winkel konnte Alisson Becker jedoch mit Mühe zur Ecke ablenken (9.).

Damit aber noch nicht genug: Wieder nur zwei Minuten später lief Bergamos Kapitän Alejandro Gomez nach einem erneuten Ballgewinn im Liverpooler Aufbauspiel auf Matip zu, schlug einen kurzen Haken und zog aus 16 Metern flach ab. Der Argentinier setzte das Leder jedoch knapp neben den rechten Pfosten (11.).

Klopp gestikulierte wild an der Seitenlinie und versuchte so, mehr Struktur ins Spiel seiner Mannschaft zu bringen. Dies gelang jedoch nur bedingt. Defensiv wurde Liverpool zwar vor allem in der Zentrale griffiger, dafür haperte es in der Offensive an Tempo und Ideen.

Atalanta hatte mehr vom Spiel und lief weiter fleißig an. Viel ging über die linke Seite von Gosens. Derart gute Gelegenheiten wie in den Anfangsminuten boten sich in der Folgezeit aber nicht mehr. Ilicic versuchte nach einem leichten Kontakt mit Georginio Wijnaldum einen Strafstoß herauszuholen, der spanische Schiedsrichter Carlos del Cerro Grande verwehrte ihm diesen aber zu Recht (36.).

Es dauerte schließlich bis zur 44. Minute ehe Salah den ersten Liverpooler Torschuss abgab. Der Versuch des 28-Jährigen ging aber deutlich übers Tor. Er hatte den Ball auf dem schwächeren rechten Fuß liegen gehabt. So ging es mit einem torlosen Remis in die Pause.

Trotz der mageren Darbietung im ersten Durchgang ließ Klopp Offensivkräfte wie Roberto Firminio, Diogo Jota und Takumi Minamino vorerst auf der Bank. Das Zögern sollte sich rächen.

Gerade als Klopp einen Viererwechsel an der Seitenlinie vorbereitete, gingen die Italiener in Führung: Der starke Gomez brachte eine gefühlvolle Hereingabe von links punktgenau an den Fünfer, wo Ilicic zur Grätsche ansetzte und den Ball so aus kurzer Distanz zur mehr als verdienten Führung ins Tor beförderte (60.).

Nur vier Minuten später fiel der nächste Treffer - wieder für die Italiener und wieder war Gomez involviert. Der Argentinier brachte einen weiteren hohen Ball in die Gefahrenzone, genauer gesagt an den zweiten Pfosten. Dort stieg Hateboer hoch und leitete das Leder mit der Stirn auf Gosens weiter, der aus zentraler Position und kurzer Distanz auf 2:0 erhöhte (64.).

Obwohl mittlerweile Jota, Firminio und Robertson auf dem Platz standen, gelang Liverpool absolut nichts in der Offensive. Das lag auch an einer mehr als soliden Leistung von Bergamos Dreierkette um Rafael Toloi, Berat Djimsiti und dem überragenden Cristian Romero.

Auch in den Schlussminuten wartete man vergebens auf einen Liverpooler Schlussspurt. So blieb es am Ende beim verdienten 2:0 für das Team von Gian Piero Gasperini. Das erwartete Tor-Festival der beiden offensivstarken Team blieb somit aus.

Die Stimmen:

James Milner (FC Liverpool): "Wir wissen, dass das eine schlechte Leistung war und wir viele Chancen zugelassen haben. Wir haben einfach nie ins Spiel gefunden und das ist enttäuschend. Wir haben selbst kaum Möglichkeiten kreiert, den Ball zu kurz gehalten. Wir waren einfach nicht scharf genug. Natürlich ist es ein straffer Zeitplan mit den ganzen Spielen aber dann muss man versuchen zu gewinnen, auch wenn man sich nicht gut fühlt. Das haben wir heute Abend nicht getan."

Jürgen Klopp (Trainer Liverpool): "Keine der beiden Mannschaften konnte sich viele Chancen erspielen, bis die Tore fielen. Es ist eine verdiente Niederlage nach einem schwierigen Spiel. Der Schiedsrichter hat viel laufen lassen und so Tempo ins Spiel gebracht – dass war zu viel für uns. Bei so einem Spielplan brauchst du auch Pausen im Spiel und das ist nicht passiert. Wir hatten Momente, aber keine wirklichen Chancen. (…) Die Fernsehsender bitten uns, das nächste Mal am Samstag um 12:30 Uhr zu spielen, und das ist, um ehrlich zu sein, fast ein Verbrechen. Mein einziges Interesse im Moment ist, dass ich Daumen oben habe und sich niemand verletzt. Die Jungs sind enttäuscht, aber wir haben keine Zeit dafür."

Gian Piero Gasperini (Trainer Atalanta Bergamo): "Wir haben heute Abend ein großartiges Spiel gemacht, wir haben es geschafft, unseren Fußball zu spielen. Wir haben diesmal besser gespielt und wir haben Qualitätsfußball gespielt und waren durchweg solide. Als ich in Genua war, haben sie immer über ihren Sieg hier im Jahr 1992 gesprochen. Ich habe es jetzt mit Atalanta geschafft. Hier gegen eine solche Mannschaft zu gewinnen, ist unglaublich und für die Gesamtwertung sehr wichtig."

Der Tweet zum Spiel:

Mamma Mia! Was für ein wichtiger Sieg für Bergamo. Durch den Dreier sind die Italiener weiter punktgleich mit Kokurrent Ajax und haben jetzt einen kleinen Vorteil gegenüber den Niederländern, die noch gegen Liverpool ran müssen.

Das fiel auf: Liverpool hinten löchrig und vorne ideenlos

Besonders in der Anfangsphase merkte man Liverpool an, dass die Reds in dieser Konstellation so noch nie zusammengespielt hatten. Besonders die rechte Abwehrseite um Neco Williams war immer wieder anfällig. Doch nicht nur in der Rückwärtsbewegung haperte es, auch die nominell gut besetzte Offensive sah gegen eine grundsolide Dreierkette kein Land, was auch daran lag, dass sich Hateboer und Gosens immer wieder in die Abwehrkette fallen ließen. Bergamo war unterm Strich das deutlich bessere und auch taktisch reifere Team, das die Fehler der unerfahrenen LFC-Hintermannschaft zweimal eiskalt ausnutzte.

Die Statistik: 0

Kaum vorstellbar aber wahr: Die sonst so überragende Offensiv-Abteilung der Klopp-Mannschaft prüfte Atalanta-Keeper Gollini über 90 Minuten nicht ein Mal. Salahs Versuch aus der 44. Minute flog über das Tor, ansonsten gab es keine konkreten Chancen der Hausherren zu verzeichnen.

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