Manchmal wird die Kritik an Toni Kroos sogar zum Web-Hit.
Als ein Twitter-User dem 31-Jährigen vorwarf, dass er bei "200 Ballkontakten pro Spiel, davon 190 Rück- und Querpässe über 3-5 Meter" die stolze Summe von 20 Millionen Euro pro Jahr kassiere, konterte der Superstar trocken: "Unterschätz' das Gehalt nicht Artur. Der Rest stimmt natürlich." Und weil Weihnachten vor der Tür stand, wünschte Kroos noch ein "Frohes Fest".
Die Episode zeigt, wie gefestigt er geworden ist nach sieben Jahren bei den Königlichen. Kroos hat den Verein verstanden, inhaliert.
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Insofern wird es auch heute Abend gegen Chelsea (ab 21:00 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de) zu einem guten Teil von seiner Leistung abhängen, ob es nach dem mageren 1:1 zuhause im Rückspiel noch zum Einzug ins Finale der Champions League reicht.
"Wir müssen mehr Chancen kreieren als im Hinspiel", forderte Kroos auf der Abschlusspressekonferenz in London. "Defensiv sind wir stark und das ist wichtig, wenn es nach einem Unentschieden wie diesem darum geht, gegen einen Gegner wie Chelsea durchzukommen."
Mit dieser Analyse nimmt Kroos vor allem sich selbst in die Verantwortung, das Offensivspiel bei Real lebt von seinen Pässen aus dem zentralen Mittelfeld.
Mit dem besonderen Druck, bei den Königlichen eine Schlüsselrolle zu haben, hat der Routinier längst umzugehen gelernt. "Hier brauchst du die Qualität, dass du körperlich da bist, dass der Kopf in vielen Situationen mitmacht, auch wenn es mal nicht so funktioniert. Da braucht man mehr als nur sportliche Qualität", umriss der Mittelfeldspieler unlängst im "Sky"-Interview die Voraussetzungen, um bei Real zu bestehen.

"Kroos legt Saison der Superlative hin"

Beweisen muss der ehemalige Bayern-Profi nach vier Champions-League-Titeln niemandem mehr etwas. Zumal die realistische Chance besteht, dass er am 29. Mai in Istanbul zum fünften Mal die Königsklasse gewinnt und damit gleichzieht mit Größen wie Cristiano Ronaldo, Paolo Maldini oder Alfredo di Stéfano.
Es ist auch nicht so, dass Kroos seine beeindruckende Bilanz nur den hochtalentierten Mitspielern in Madrid verdanken würde. Im Gegenteil: Der Weltmeister von 2014 ist - heute mehr denn je - einer der Hauptfaktoren für die Erfolge des Vereins. "Er legt quasi eine Saison der Superlative hin", sagt Fermín de la Calle, der für Eurosport Madrid über Real berichtet.
Die Zahlen bestätigen das. Vier Spieltage vor Saisonende hat Kroos in der Liga mit drei Toren und acht Assists elf Scorer-Punkte auf dem Konto. Seine persönliche Bestmarke ist nicht mehr weit weg und steht bei 15, aufgestellt in der Saison 2016/2017. Natürlich geht es Kroos nicht um statistische Spielereien dieser Art, sondern um Titel.

Double für Real? Kein Ding der Unmöglichkeit

Zwei sind noch drin in dieser Saison. In der Champions League steht an der Stamford Bridge zwar ein schwerer Gang bevor, machbar ist der Finaleinzug aber allemal.
In der Meisterschaft beträgt der Rückstand auf Tabellenführer Atlético Madrid nach 34 von 38 Spieltagen zwei Zähler. Auch das kein Ding der Unmöglichkeit.

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Bei aller Euphorie treiben Trainer Zinédine Zidane auch Sorgen um. "Bei Real haben wir in dieser Saison schon 54 Verletzungen notiert", weiß Experte de la Calle.
Das führe dazu, dass einzelne Spieler fast immer durchspielen müssen und kaum Erholungspausen bekommen. Kroos gehört dazu. "Sechs Feldspieler haben wettbewerbsübergreifend schon mehr als 3000 Einsatzminuten auf dem Buckel. Neben Kroos sind das Luka Modric, Karim Benzema, Casemiro, Sergio Ramos und Raphaël Varane", so de la Calle weiter.

Vinícius lobt Kroos: "Eine Klasse, die kein anderer hat"

Kroos stand in 40 der bisherigen 47 Pflichtspiele auf dem Platz. Verschleißerscheinungen sind nicht zu erkennen. "Er ist in seiner Blütezeit", lobt de la Calle.
Ein Tenor, der auch aus der Mannschaft zu vernehmen ist. Linksaußen Vinícius Júnior hörte sich nach dem 3:1-Sieg im Viertelfinal-Hinspiel gegen den FC Liverpool mehr wie ein Fan denn wie ein Teamkollege von Kroos an.

Toni Kroos und Vinícius Júnior im Spiel gegen Liverpool

Fotocredit: Imago

"Er lässt alles Schwere so einfach aussehen", schwärmte der Brasilianer, nachdem ihm der Mittelfeldstratege seinen Treffer zum 1:0 mit einem Traumpass vorbereitet hatte. "Toni ist unglaublich, ein großer Spieler, eine Legende des Klubs. Wenn er spielt, hat er eine Klasse, die kein anderer hat", brach es aus Vinícius Júnior heraus.
Die Szene gegen Liverpool steht symbolisch für die Bedeutung, die Kroos für Madrid hat. Das sehen fast alle im Verein so, wenngleich es Ausnahmen gab.

Kritik an Kroos? Kann ins Auge gehen ...

U18-Trainer Àlvaro Benito etwa sah sich vor zwei Jahren im Gespräch mit "Radio Cadena Ser" dazu bemüßigt, Kroos öffentlich infrage zu stellen. "Mit ihm läuft es gut, wenn es läuft, aber bei Gegenwind kriegen wir das Boot nicht mal ins Wasser", ätzte der Jugendcoach. Real Madrid reagierte umgehend und entließ Benito.
Ein Web-Hit war das allerdings nicht.
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