Drei Dinge, die beim FC Bayern in Barcelona auffielen: Ein 1:4 als Offenbarungseid der Münchner Defensivabteilung
Update 24/10/2024 um 10:24 GMT+2 Uhr
Der FC Bayern hat beim FC Barcelona in der Champions League einen herben Rückschlag erlitten. Mit 1:4 geriet das Team von Trainer Vincent Kompany am Mittwoch gegen die Mannschaft von Hansi Flick unter die Räder. Raphinha ragte mit drei Toren heraus, auch Robert Lewandowski traf gegen seinen Ex-Verein. Für die Münchner war es ein bitterer Abend, weil es viele Fehler gab. Drei Dinge, die auffielen.
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Quelle: SID
Ein defensiv desaströser FC Bayern hat beim schmerzhaften Wiedersehen mit Hansi Flick und Robert Lewandowski eine Fußball-Lehrstunde der bittersten Art erteilt bekommen.
Nach der 1:4 (1:3)-Klatsche beim FC Barcelona steht der Rekordmeister in der Königsklasse mit dem Rücken an der Wand. Um die K.o.-Runde als Zwischenstation auf dem Weg zum "Finale dahoam" noch erreichen zu können, müssen jetzt Siege in Serie her.
Umjubelter Matchwinner der eiskalten Flick-Elf war Kapitän Raphinha mit einem Dreierpack (1., 45., 56.).
Das gelang in der Champions League gegen die Bayern zuvor nur Roy Makaay, Sergio Agüero und Cristiano Ronaldo. Auch Lewandowski (36.) traf, das Duell der Ausnahmestürmer endete nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich von Harry Kane (18.) 1:1.
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Kompany ordnet Pleite gegen Barça ein: "Keine Ausrede suchen"
Quelle: Perform
Nach nur drei Punkten aus drei Spielen ist die Mannschaft von Trainer Vincent Kompany schon im nächsten Spiel am 6. November gegen Benfica zum Siegen verdammt. Flicks Barça hat sechs Zähler - und sich vom Bayern-Fluch befreit: Nach sechs Pleiten in Serie, darunter ein 2:8 gegen Flicks Bayern 2020, war es der erste Erfolg über die "Schwarze Bestie" seit Mai 2015.
Drei Dinge, die uns in Barcelona auffielen.
1.) zu viel Harakiri unter Kompany
Der FC Bayern befindet sich unter Trainer Vincent Kompany in einen Entwicklungsprozess. Dass es dabei Rückschläge gibt, ist klar. Doch die Klatsche in Barcelona war schon ziemlich hart und kann trotz vieler guter Ansätze nicht der Anspruch des FC Bayern sein.
Vor allem, weil die Gegentore wie zuvor so oft - unter anderem gegen Aston Villa (0:1) und Eintracht Frankfurt (3:3) - nach Kontern fielen. Verliert ein Bayern-Akteur vorne den Ball, und spielt der Gegner diesen dann lang, heißt es meist Eins-gegen-Eins. Oder im (japanischen) Volksmund: Harakiri.
Ganz gleich, ob es Omar Marmoush oder Raphinha ist, offensichtlich kann jeder Stürmer mit Mut die Bayern "killen". So groß der Respekt vor der Person Kompany sein mag und seine Fähigkeiten als Coach von den FCB-Verantwortlichen hervorgehoben wird, am Ende zählen auch für ihn die Ergebnisse.
"Ich dachte, Bayern ist schon weiter in der Entwicklung", wunderte sich nicht nur "DAZN"-Experte Michael Ballack. Die Spieler unterstützen sein spielerisches Konzept, sie wollen vorne draufgehen, am liebsten unentwegt. Fehlt es ihnen wie gegen Barça jedoch an Präzision, geht das Konzept schon nicht mehr auf.
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Vincent Kompany wollte nach dem Spiel noch nicht zu tief in die Analyse einsteigen
Fotocredit: Getty Images
Kompany wird das registriert haben und muss eigentlich mit Anpassungen reagieren, um weitere Rückschläge zu vermeiden und wirklich ins "Finale dahoam" in München einziehen. Kimmich analysierte: "Ganz deutliches Ergebnis, ein bitteres 1:4. Wir wollten viel hinter die Kette kommen, aber mit dem Ball waren wir nicht sauber genug und haben die Geduld und die Kontrolle verloren. Da haben wir zu viele Fehler angeboten."
Momentan herrscht ein unbehagliches Ungleichgewicht. Kompany muss schnell eine Antwort darauf liefern, ob er die Disbalance in den Griff bekommt. Es ist die größte Herausforderung für ihn und das Team und wird über Erfolg oder Misserfolg in dieser Saison entscheiden.
"In der ersten Halbzeit hatte ich eigentlich das Gefühl, dass wir gewinnen können. Dann ist das Spiel gekippt. Wir werden daraus lernen", sagte Kompany. Die Tabelle lügt nicht, heißt es. Auch in der Champions League gibt es nun eine große, in der der FCB auf Platz 23 momentan nur viertbester deutscher Klub ist - und im Zwischenranking sogar hinter Dinamo Zagreb steht.
Für die Qualifikation für das Achtelfinale müssen unter Umständen der Umweg über die Playoffs her (Platz 9-24). Auch das ist nicht der Anspruch des FC Bayern.
2.) Offenbarungseid der Bayern-Defensive
In der Innenverteidigung agieren Dayot Upamecano und Min-Jae Kim - und die Diskussionen kochen hoch. Mal wieder.
Währenddessen lässt der Jungspund Lamine Yamal die Routiniers Joshua Kimmich und Raphael Guerreiro ganz alt aussehen. Selbst der erfahrene Manuel Neuer wirkt plötzlich unsicher, leistet sich Unachtsamkeiten und strahlt nicht mehr die Souveränität aus, die die Gegner sonst vor Schreck erstarren ließ. Zudem kamen seine langen Bälle oft nicht an.
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Barças Nadelstiche: Kimmich hadert mit Zeitpunkt der Gegentore
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João Palhinha bleibt indes weiterhin den Beweis schuldig, dass er die Ablöse von 50 Millionen wert ist und er eine Defensive als Sechser stabilisieren kann.
Insgesamt ergab das am Mittwoch einen Offenbarungseid. Die 1:4-Niederlage war auch in der Höhe letztlich verdient. Vor dem 0:1 verteidigte Kim zu aggressiv nach vorne - das war unnötig. Vor dem 2:1 für Barça gab es natürlich einen Kontakt von Fermin López in den Rücken von Kim, Ballack nannte das Hochsteigen des Südkoreaners zum Kopfball allerdings auch "naiv".
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Min-Jae Kim (l.) war gegen den FC Barcelona nur selten auf der Höhe
Fotocredit: Getty Images
Bei Kim drängt sich die Qualitätsfrage am stärksten auf. Ist es sein Stellungsspiel, sein Passspiel oder seine Entscheidungsfindung in brenzligen Situationen wie vor dem 4:1 von Raphinha? Es wird jedenfalls gehadert.
"Bei Bällen hinter die Kette, das haben wir schon gegen Frankfurt gesehen, kann es wehtun. In Sachen Aggressivität hätten wir präsenter sein müssen. Gerade im Mittelfeld hat es ein bisschen daran gefehlt", bemängelte Neuer. Möglicherweise bringt der wiedergenesene Hiroki Ito demnächst Besserung mit sich. Dass es die geben muss, um wirklich Spitzenniveau in der Champions League zu erreichen, ist eindeutig.
3.) Flick lässt Raphinha fliegen
Ist es der Flick-Faktor? Sicherlich auch.
"Er glaubt an uns - und wir glauben an ihn", machte Lewandowski unmissverständlich klar. Der FC Barcelona blüht unter dem deutschen Trainer wieder auf, der Ball läuft flüssig, der Stil ist geprägt von Risiko, Teamgeist, Ballsicherheit und einer gnadenlosen Effizienz in der Offensive mit Lewandowski, Yamal und natürlich Raphinha.
Mit seinen drei Toren in seinem 100. Pflichtspiel für Barça stach der Brasilianer heraus und sagte später: "Ich bin sehr zufrieden. Wir haben als Team sehr gut gespielt. Das ist für mich das Wichtigste. Wir sind jetzt noch zu früh in der Saison, um eine Prognose abzugeben aber wir wollen natürlich Großes erreichen."
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Raphinha
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Flick machte Raphinha zu seinem Kapitän, dieser zahlt das mit Toren und selbstbewusstem Auftreten zurück. Er bekommt viele Freiheiten und nutzt die Räume, die Lewy ihm öffnet. Sie sind gut aufeinander abgestimmt und fackeln nicht lange, wenn sie das Tor sehen.
Seit 2022 ist Raphinha beim FC Barcelona, doch unter Flick ist er die stärkste Version seiner selbst. Er wirkt noch athletischer, robuster und treffsicherer. Neun Tore hat er bereits in Liga und "Königsklasse" auf dem Konto.
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"Wir mussten leiden": Flick sieht Überzeugung als Erfolgsfaktor
Quelle: Perform
Ganz grundsätzlich ist der FC Barcelona mit Flick im Höhenflug und blickt voller Euphorie auf den "Clásico" am Wochenende.
"Ich bin happy und stolz auf diese junge Mannschaft. Auch wenn es mal ein bisschen holprig ist, haben wir trotzdem den Mut zurückzukommen. Wir haben nur Probleme, wenn wir keinen Druck auf den Ball bekommen, das müssen wir noch trainieren", erklärte Flick.
Gegen Bayern hat es über weite Strecken dennoch funktioniert und spricht für die Qualität der Mannschaft.
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Quelle: Perform
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