Drei Dinge, die bei Real Madrid - Borussia Dortmund auffielen: Nuri Sahin vercoacht sich nach 2:0-Führung
Update 23/10/2024 um 01:17 GMT+2 Uhr
Revanche für das Champions-League-Finale 2024 verpasst: Borussia Dortmund schenkt bei Real Madrid eine 2:0-Führung her - und geht nach einer desaströsen zweiten Halbzeit 2:5 bei den Königlichen unter. Auch, weil BVB-Coach Nuri Sahin mit einer Umstellung zu früh in den Mauer-Modus und schaltete und ein Dortmunder zum tragischen Helden avancierte. Drei Dinge, die in Spaniens Hauptstadt auffielen.
"Nicht aufgegangen": Sahin nach Taktik-Fehler selbstkritisch
Quelle: Perform
Mit 2:0 in die Halbzeit gegangen, später mit 2:5 vom Platz geschlichen. Borussia Dortmund erlebte im Estadio Santiago Bernabéu zwei komplett unterschiedliche Halbzeiten. Der BVB agierte zunächst geduldig, verteidigte in einem 4-3-3 gegen den Ball, presste aber nicht zu hoch und machte die Räume eng. Vorne hingegen waren die Gäste eiskalt: Donyell Malen und Jamie Gittens verwerteten in der 30. und 34. Minute die ersten beiden Torchancen. Das erfolgsverwöhnte Publikum war geschockt und reagierte mit Pfiffen.
"Wir sind sehr gut reingekommen, wir hatten Kontrolle, haben gute Pässe gespielt und gute Chancen kreiert“, sagte Mittelfeldspieler Felix Nmecha später bei "Prime": "Aber in der zweiten Halbzeit haben wir einfach nicht das gleiche Gesicht gezeigt. Wir haben aufgehört, weiter zu spielen und weiter Ballbesitz zu haben. Sie bekamen ihre Chancen. Und Real macht zu Hause alles rein."
Madrid erhöhte den Druck und vollbrachte einen Doppelschlag innerhalb von zwei Minuten. Erst traf Antonio Rüdiger per Kopf (60.), dann legte Vinícius Júnior (62.) nach. Kurz vor Spielende, nachdem Dortmund eine Großchance von Maximilian Beier ungenutzt ließ, gelangen den überlegenen Madrilenen drei Treffer innerhalb von zehn Minuten. Die Torschützen waren Lucas Vázquez (83.) und zwei weitere Male Vinícius Júnior (86., 90+3).
"Mit Ball habe ich kein großes Problem gesehen. Aber gegen den Ball haben wir uns zu sehr hinten reindrücken lassen", sagte BVB-Trainer Nuri Sahin, der genau an diesem Umstand eine große Mitschuld trug.
Drei Dinge, die bei Real Madrid - Borussia Dortmund auffielen.
1. Sahin trickst - und vercoacht sich böse
Sahin wählte eine mutige Aufstellung, indem er das Mittelfeld komplett umstellte. Anstelle von Kapitän Emre Can und Stratege Pascal Groß standen Marcel Sabitzer und Felix Nmecha in der Zentrale. Zwei Spieler also, die bislang eine eher unglückliche Saison spielen. Nmecha stand zuvor nur in zwei von elf Pflichtspielen in der Startelf.
In Madrid erwies sich der Aufstellungstrick zunächst als goldrichtig. Nmecha und Sabitzer machten gemeinsam mit den beiden Innenverteidigern Nico Schlotterbeck und Niklas Süle, der ebenfalls in die Startelf rotierte, das Zentrum dicht.
Real konnte lediglich über die Außenbahnen durchbrechen. Dort war allerdings vor allem bei Rechtsverteidiger Julian Ryerson (gewann in Durchgang eins 67 Prozent seiner Zweikämpfe) häufig Endstation.
In der 55. Minute nahm Sahin erneut eine Umstellung vor und brachte Innenverteidiger Waldemar Anton für Gittens in die Partie, stellte dadurch in der Verteidigung von Viererkette auf Fünferkette um.
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Nuri Sahins Umstellung trug keine Früchte - im Gegenteil
Fotocredit: Getty Images
Die verheerende Folge: Der BVB verlor den Zugriff aufs Spiel, setzte die ballführenden Gegenspieler weniger unter Druck, konnte sich aus der eigenen Hälfte kaum noch befreien und wurde mit fünf Gegentreffern bestraft.
"Ich verstehe, was er wollte, aber es hat nicht geklappt", sagte Prime-Experte Christoph Kramer über Sahins Umstellung.
Der ehemalige Gladbacher schob nach: "Der Schlüssel gegen einen großen Gegner, wenn du mit 2:0 führst, ist nicht, dass du dich mit Mann und Maus hinten reinstellst. Das gehört alles dazu. Aber der Schlüssel ist der Ballbesitz. Das hat mir in den ersten zehn Minuten der zweiten Halbzeit noch gut gefallen."
Dann allerdings wechselte Sahin. "Wenn du dich hinten reinstellst, kannst du so gut verteidigen wie du willst, du wirst der Druckwelle nicht standhalten können. Leider ist das heute passiert", erklärte Kramer.
Sahin begründete die verhängnisvolle Umstellung auf die Fünferkette damit, dass er die Außenbahnen dichtmachen wollte, um die Flügelspieler Vinícius Júnior und Rodrygo im Schach zu halten.
Ob das funktioniert hat? "Nein, natürlich nicht, wenn du dann fünf Tore kassierst", gab er zu: "Aber ich glaube nicht, dass es an dem Systemwechsel lag, sondern eher daran, dass wir keinen Zugriff hatten." Ebenjenen Zugriff, der vor Sahins Idee noch vorhanden war.
Der junge Cheftrainer zahlte also erstmals in der Königsklasse mächtig Lehrgeld.
2. Brandt ist der tragische held
Erst leitete er zwei Tore für die eigene Mannschaft ein, dann einen Treffer für den Gegner. Julian Brandt durchlebte in Madrid ein Wechselbad der Gefühle.
Im Offensivspiel setzte er die entscheidenden Akzente. Vor dem 1:0 war der Ball eigentlich schon verloren, ehe Brandt nahe der Strafraumgrenze noch den Fuß an die Kugel bekam und zu Vorlagengeber Serhou Guirassy durchsteckte.
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Gab den Aushilfskapitän: Julian Brandt
Fotocredit: Getty Images
Auch der Angriff zum 2:0 wurde von Brandt eingeleitet, indem er das Spiel mit einem hohen Ball auf die rechte Seite verlagerte. Dort hatte Ryerson viel Raum, weil Real-Dribbelkünstler Vinícius Júnior bekanntermaßen ungerne nach hinten arbeitet. Ein Pass auf Malen, ein Querspiel zu Gittens – schon zappelte der Ball im Netz.
Umso bitterer, dass ausgerechnet Brandt das Gegentor zum 2:3 durch einen missglückten Klärungsverlauf einleitete. Vázquez bekam den Ball dadurch in den Lauf gespielt und knallte diesen aus spitzem Winkel ins Netz. In diesem Moment kippte das Spiel endgültig.
3. Vinícius Júnior empfiehlt sich für Ballon d’Or
Über 45 Minuten lässt sich ein Vinicius Junior aus dem Spiel nehmen – nicht aber über 90 Minuten.
Nachdem der Brasilianer in der ersten Halbzeit nicht zur Entfaltung kam, drehte er nach der Pause mit einem lupenreinen Hattrick auf. Der Zeitpunkt könnte nicht günstiger sein: Kommenden Montag findet die Verleihung des Ballon d’Or statt.
Prime-Experte Kramer unterstrich noch einmal, dass "Vini Júnior besonders ist. Wenn wir uns die Szene zum 4:2 in der 88. Minute ansehen: Das sind 70 Meter Vollsprint mit Ball. Das ist unglaublich!" Insgesamt gab er sieben Torschüsse ab und bereitete zudem zwei Abschlüsse vor.
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Vinicius
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Folgerichtig wurde der 24-Jährige zum Mann des Spiels ernannt. "Wir glauben an uns", sagte er danach zum Spielverlauf.
Der Zauberfuß ergänzte: "Wir spielen zu Hause vor unseren Fans und alles kann passieren. Als wir in der Halbzeitpause in die Kabine kamen, waren wir alle sehr still und haben nur dem Trainer zugehört. Er hat uns nur eines gesagt: Wenn wir das erste Tor erzielen, kommen wir wieder zurück."
Ancelotti sollte Recht behalten. Auch, weil er sich auf seinen Superstar verlassen konnte.
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