FC Bayern - Joao Palhinha profitiert von Aleksandar Pavlovics Verletzung: Ein Stepptänzer im roten Ballett
Joao Palhinha erlebte beim FC Bayern einen holprigen Start, musste sich wochenlang mit dem Dasein als Reservist anfreunden. Weil sich Vincent Kompanys präferierte Option Aleksandar Pavlovic einen Schlüsselbeinbruch zuzog, ist Palhinha mittlerweile auf dem Platz gefragt. Seine Rolle interpretiert der Portugiese auf seine Weise - als fleißiger Malocher im roten Ballett-Ensemble.
Druck? Palhinha: "Bei einem Klub wie Bayern normal"
Quelle: Perform
Max Eberl fütterte Joao Palhinha mit verbalem Zuckerbrot. Die im berühmten Sprichwort dazugehörige Peitsche kam nicht zum Einsatz, als der Sportvorstand des FC Bayern dem Neuzugang aus Fulham im vereinseigenen Magazin "51" ein eigenes Vorwort widmete.
Ein "Teamplayer" sei Palhinha laut Eberl, "bescheiden und bodenständig" gleichermaßen. Einen Spieler wie Palhinha benötige man zwingend in einer Fußballmannschaft. Zum Zeitpunkt der Eberl’schen Lobeshymne dürfte sich der Portugiese ob der warmen Worte gewundert haben, immerhin standen seinerzeit - Anfang Oktober - gerade einmal 154 Spielminuten zu Buche.
Ziemlich wenig für einen Spieler, der dem Verein nach einjähriger Dauerbuhlerei immerhin rund 50 Millionen Euro wert war. Aufgrund der immensen Ablösesumme wurden schnell kritische Stimmen laut, Ex-Bayern-Spieler Thomas Strunz hinterfragte den Transfer ebenso wie dessen ehemaliger DFB-Teamkollege Steffen Freund, der den Palhinha-Deal gar als "Fehler" titulierte.
Der Grund für Palhinhas tristes Dasein war offensichtlich: Neu-Trainer Vincent Kompany präferierte eine Doppelsechs aus den beiden spielstarken und kreativen deutschen Nationalspielern Joshua Kimmich und Aleksandar Pavlovic. Eine Entscheidung, die sich rentieren sollte, das Duo harmonierte.
Pavlovic-Verletzung öffnet Palhinha die Tür
"Wir werden jeden Spieler im Laufe der Saison brauchen", stellte Eberl mit Blick auf die dürftigen Einsatzzeiten klar, Palhinha selbst gab sich zunächst noch demütig. Er sei "stolz" überhaupt für einen großen Verein wie den FC Bayern spielen zu dürfen, ließ er verlauten.
Mit der Zeit kommunizierte Palhinha seine Ansprüche jedoch offensiver. "Ich weiß, dass meine Zeit beim FC Bayern kommen wird", prophezeite er im Gespräch mit der "Sport Bild": "Ich kämpfe, um meine Chance zu bekommen."
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Aleksandar Pavlovic verletzte sich gegen den VfB Stuttgart
Fotocredit: Getty Images
Er bekam seine Chance. Weil Aleksandar Pavlovic sich vor zwei Wochen im Spitzenspiel gegen den VfB Stuttgart schon nach vier Minuten das Schlüsselbein brach, war Palhinha jäh gefordert.
Im Duell mit den Schwaben (4:0) wusste er zu gefallen, von Pavlovic-Kumpel Kimmich wurde er sogar mit einem Sonderlob bedacht. Palhinha habe ihm "sehr gut gefallen", gab Kimmich zu. Allerdings hob der DFB-Kapitän auch die gravierenden Unterschiede zwischen Pavlovic und dem Neuankömmling von der Insel hervor: "Sie sind zwei verschiedene Spielertypen", so Kimmich Er ergänzte: "Pavlo will viel den Ball, er will viel zocken, viele Ballkontakte haben." Palhinha sei vor allem gegen den Ball "deutlich physischer."
Palhinha in Barcelona kein Faktor
Beim demütigenden 1:4 gegen den FC Barcelona stand das Gespann Kimmich/Palhinha erstmals gemeinsam in der Startelf auf dem Feld, die fehlende Abstimmung und mangelnde Kommunikation war offensichtlich. Während die Blaugrana Palhinha im Münchner Spielaufbau kaum beachteten, stürzten sie sich bisweilen mit mehreren Akteuren auf Kimmich - und zwangen ihn zu teils schwerwiegenden Fehlern.
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Sahen gegen Barcelona kein Land: Joshua Kimmich und Joao Palhinha (r.)
Fotocredit: Getty Images
Im Anschluss an die Packung in Katalonien wirkte das Zusammenspiel der beiden wieder stimmiger. Wobei - und das gehört nun einmal auch zur Wahrheit - Gegner wie Bochum (5:0), Mainz 05 (4:0) und Union Berlin (3:0) freilich nicht einmal ansatzweise an die Qualitäten Barças heranreichen. Für Kompany und die Bayern gilt dennoch seit Pavlovics Ausfall, dass aus der Not die viel zitierte Tugend gemacht wird.
Palhinha interpretiert seine Rolle, wie bereits von Kimmich kommuniziert, anders als Pavlovic. Der 1,90-Meter-Mann gibt nicht den klassischen Ballmagneten, tritt selten als letzter Passgeber in Erscheinung. Dafür geriert er sich im Spiel gegen den Ball als Zweikampfmonster. Sowohl gegen Mainz (12) im DFB-Pokal als auch in der jüngsten Bundesliga-Begegnung mit Union Berlin (14) führte er die meisten direkten Duelle aller Bayern-Spieler - und behielt jeweils in 75 Prozent der Zweikämpfe die Oberhand.
Ein Stepptänzer im Ballett-Ensemble
Während die Kollegen zauberten, beschränkte Palhinha sich aufs Handwerkliche, fungierte quasi als vergleichsweise rabiater Stepptänzer in einem roten Ballettensemble. Am Mittwochabend sind Palhinhas Qualitäten als Abräumer mutmaßlich gefragter denn je. Dann gastiert mit Benfica nämlich eine besonders spielstarke Mannschaft aus Palhinhas Heimatstadt Lissabon in der Isar-Metropole.
"Ich kenne den Klub aus meiner Zeit bei Sporting (Palhinha stand zwischen 2013 und 2022 bei Sporting unter Vertrag, d. Red.) und sehe nach wie vor viele ihrer Spiele", sagte Palhinha und schob eine Warnung nach: "Es wird ein schweres Spiel, weil sie kürzlich den Trainer gewechselt und sich seitdem enorm verbessert haben."
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João Palhinha spielt seit Sommer 2024 mit Joshua Kimmich (r.) gemeinsam im Mittelfeld des FC Bayern München
Fotocredit: Getty Images
Tatsächlich kommt Benfica mit reichlich Rückenwind nach München. Nach der Entlassung von Roger Schmidt haben die Hauptstädter neun ihrer zehn Spiele unter dem neuen Coach Bruno Lage gewonnen, Anfang Oktober schickten "die Adler" Atlético Madrid mit einer 4:0-Klatsche zurück nach Spanien.
Palhinha warnt: "Ein Finale für uns!"
Bayern ist also gewarnt - und zwar doppelt. Nicht nur vor Benfica, sondern insbesondere die aktuelle Tabellensituation lässt die Alarmglocken in der bayrischen Landeshauptstadt schrillen.
Mit drei Zählern nach drei Partien rangiert der deutsche Rekordmeister auf dem 23. Platz. "Das ist ein Finale für uns! Wir müssen in der Champions League zurück auf die Siegerstraße finden", wurde Palhinha entsprechend deutlich.
Ein vorgezogenes "Finale dahoam" sozusagen, immerhin findet das Champions-League-Endspiel in dieser Saison erstmals seit 2012 wieder in der Allianz Arena statt. Wollen die Bayern die Chance auf die angestrebte Teilnahme wahren, sollten allmählich Punkte eingefahren werden.
Palhinha will Bayern "Balance" geben
Palhinha selbst kommt bei der Mission kleine Aufholjagd eine wichtige Aufgabe zu. "Ich möchte dem Team die nötige Balance geben", sagte er im Rahmen der Pressekonferenz vor dem Aufeinandertreffen mit Benfica: "Ich möchte dabei helfen, dass wir eine weiße Weste wahren, dafür muss ich die Konter des Gegners unterbinden." Eine sichere Defensive sei immerhin "die Grundlage" für den Erfolg.
Inwiefern Palhinha auch in fernerer Zukunft dabei helfen darf, den FCB auf die Erfolgsweiche zu stellen, wird sich zeigen, wenn Pavlovic wieder einsatzbereit ist. Der Youngster wird erst im kommenden Jahr zurückerwartet.
Bis dahin kommt es (auch) entscheidend auf den bescheidenen Teamplayer und Malocher Palhinha an.
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Quelle: Perform
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