Bei PSG läuft's ohne Messi, Neymar und Mbappé plötzlich wie geschmiert - wie Trainer Enrique Paris neu erfand
VonJan Zesewitz
Update 14/03/2025 um 10:54 GMT+1 Uhr
Paris Saint-Germain hat sich nach dem Weiterkommen in der Champions League gegen Topfavorit FC Liverpool an der Anfield Road in den Kreis der Titel-Favoriten erhoben. Dabei begann die Europapokal-Saison schleppend und der Kader macht von der Papierform längst nicht mehr so viel her wie die Star-Ensembles noch vor wenigen Jahren. PSG ist mit Trainer Luis Enrique zu einem Team gewachsen.
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Quelle: Perform
PSG - diese drei Buchstaben verhießen in der vergangenen Dekade seit dem Einstieg Katars in den Hauptstadt-Klub vor allem: Superstars, Dominanz in der Ligue 1 - und scheitern in der Königsklasse.
Zlatan Ibrahimovic, Edinson Cavani, Thiago Silva, Angel di María, Neymar, Lionel Messi, Kylian Mbappé - sie alle kamen und gingen nach Paris, gewannen den Meistertitel und scheiterten meist verhältnismäßig früh in Europa.
Jetzt schickt sich die Equipe an, mit einem ganz neuen Gesicht nach Europas Thron zu greifen. Nach dem dramatischen, aber verdienten Weiterkommen im Champions-League-Achtelfinale gegen Liverpool (4:1 i.E) hat sich die Mannschaft zu einem der Titelfavoriten aufgeschwungen. Der Architekt dieses neuen Kollektivs ist Trainer Luis Enrique.
"Ich bin sehr glücklich, weil wir gezeigt haben, dass wir ein echtes Team sind", sagte er nach dem Rückspiel an der Anfield Road und verriet damit, worauf es ihm besonders ankommt. "Es war ein sehr gutes Spiel, wir sind stolz darauf, ein echtes Team zu sein. Sind wir auf unserem Zenit? Nein, das ist erst der Anfang. Unsere Mentalität ist es, immer noch besser zu werden."
Ein komplizierter Saisonstart nach dem Umbruch
Diese Steigerung benötigten die Franzosen auch dringend. Nach fünf Spieltagen im neuen Champions-League-Modus lag das Team mit vier Punkten auf Platz 25 der Tabelle. Die französischen Medien ließen kein gutes Haar an der Spielweise, auch wenn die Niederlagen allesamt gegen die Schwergewichte Arsenal (0:2), Atlético Madrid (1:2) und den FC Bayern (0:1) erfolgten.
Im Dezember schien diese erste Superstar-lose Saison (nach PSG-Ansprüchen) zu einer des Übergangs zu werden. Klar, ungeschlagen in der Ligue 1, diesen Titel würde man mitnehmen, aber für Europa reichte es noch nicht.
"Etwas sich nach dem Sieg gegen Manchester City verändert", erklärte Clement Lemaitre von Eurosport.fr. "Das Team erkannte, dass sie große Dinge vollbringen können. Seitdem spielte das Team immer besser. Eine weitere wichtige Anpassung war, dass das Team durch die Versetzung von Ousmane Dembélé vom Flügel ins Sturmzentrum deutlich effektiver wurde."
Das 4:2 (0:0) gegen City verbesserte das Selbstverständnis bei PSG, kurz darauf stieß mit Khvicha Kvaratskhelia von SSC Neapel ein Spieler zum Team, der dieses neue Herangehensweise sofort verinnerlichte.
Der neue Stil unter Luis Enrique
"Enrique ist der Kopf dieses neuen Projekts", erklärte Lemaitre. "Er will eine große kollektive Macht entwickeln mit jungen Spielern wie Desiré Doué, Bradley Barcola, Warren Zaïre-Emery und diese mit erfahrenen Spielern wie Marquinhos, Achraf Hakimi und Dembélé umgeben."
Seit einiger Zeit geht dieses Konzept auf. Seit der Niederlage gegen Bayern Ende November verlor PSG erst wieder das Achtelfinal-Hinspiel gegen Liverpool (0:1) - in einer Partie, die die Mannschaft niemals hätte verlieren dürfen. Sie scheiterten nach 27:2 Schüssen immer wieder an der wohl besten Karriereleistung von Reds-Keeper Alisson Becker.
Auch Nasser Al-Khelaifi, der Boss des Klubs, hat seine Ansprache im Sinne Enriques verändert. "Keine weiteren Stars, wir fördern das Team." Und darum durfte der Spanier, der PSG seit Juli 2023 trainiert, seinen Vertrag auch bis 2027 verlängern.
Dem Trainer gelingt aktuell, was seinen Vorgängern wie Thomas Tuchel, Mauricio Pochettino und Co. verwehrt blieb: das Vertrauen der Klub-Führung zu gewinnen. Das liegt zum einen am gegenwärtigen Erfolg und zum anderen wohl daran, dass er zur rechten Zeit zum Klub kam, als sich das Superstar-Selbstverständnis zu wandeln begann.
Dembélé ist bei PSG angekommen
Nun ist es natürlich nicht so, dass PSG plötzlich mit einer reinen Junioren-Mannschaft ohne jeden Star den "Sieger" der Ligaphase Liverpool aus der Königsklasse schmiss und in der heimischen Liga noch immer ungeschlagen ist.
Ousmane Dembélé spielt derzeit die beste Saison seiner Karriere - und auch das war am Anfang der Spielzeit nicht abzusehen.
"Im Oktober ließ ihn Luis Enrique beim Spiel gegen Arsenal zu Hause, weil er zu spät zum Training kam", beschrieb Lemaitre die Situation. "Nach diesem 'Clash' wurde Dembélé immer besser, vor allem seit ihn Enrique im Zentrum aufstellte. Nach dem Abgang von Mbappé hat er verstanden, dass er für seinen jungen Teamkollegen ein Anführer werden muss."
Das Ergebnis dieser Erkenntnis spricht eine klare Sprache. 29 Tore hat der Ex-BVB-Spieler in dieser Saison wettbewerbsübergreifend erzielt - alleine seit der Ankunft Kvaratskhelias im Januar waren es 21. Das ist in Europas Topligen ein Bestwert.
"Wir müssen fokussiert bleiben, der Job ist noch nicht erledigt", sagte Dembélé im Stile eines Anführers nach dem Rückspiel gegen Liverpool. Er erzielte den einzigen Treffer in der regulären Spielzeit (1:0) und traf auch im Elfmeterschießen sicher.
Im Viertelfinale ist man gegen Club Brügge/Aston Villa auf jeden Fall Favorit - dank Enrique, einem starken Team und einem herausragenden Dembélé.
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Quelle: Perform
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