FC Bayern München vor Champions-League-Viertelfinale gegen Real Madrid im Taktikcheck: Manndeckung Chance und Risiko

Für den FC Bayern München geht mit dem Viertelfinal-Hinspiel in der UEFA Champions League bei Real Madrid der ernste Teil dieser Saison so richtig los. Kann der Rekordmeister auch die Königlichen knacken? Eurosport.de analysiert im Taktik-Check, warum die Herangehensweise gegen den Ball ein zweischneidiges Schwert ist gegen einen Kontrahenten mit einer dermaßen hohen individuellen Qualität.

Kompany über Fragen zu Kane: "Deshalb gebe ich keine Antwort"

Quelle: SNTV

Fußball ist ein einfaches Spiel. Auch und vor allem beim FC Bayern: Trainer Vincent Kompany lässt bei den Münchnern extrem mannorientiert verteidigen.
Egal welche Grundordnung der Gegner spielt, Bayern ordnet sich komplett zu. Somit gibt es überall auf dem Feld klare Duelle im Eins-gegen-Eins.
Mit dieser Herangehensweise herrscht natürlich Klarheit, denn jeder Spieler hat einen Bezugspunkt. Geht beispielsweise ein Abwehrspieler des Gegners mit nach vorne, läuft Bayerns zugeteilter Offensivspieler einfach mit.
So kam es seit Kompanys Amtsübernahme nicht selten vor, dass Harry Kane oder Michael Olise auf einmal für einige Momente in der eigenen Abwehrreihe zu finden waren.

FC Bayern: Maximaler Druck durch Manndeckung

Halten die Bayern auch im Bernabéu (Dienstag ab 21:00 Uhr im Liveticker) an dieser Defensivtaktik fest? Ziel dieser Herangehensweise ist es, den Gegner im Aufbau zu stressen und ihm keine Möglichkeit zu geben, das Spiel kontrolliert zu eröffnen.
Ist Reals Torwart Andriy Lunin (die etatmäßige Nummer eins Thibaut Courtois fehlt verletzt) also am Ball, wird er erstmal wenige Möglichkeiten sehen, einen offensiven Pass zu spielen. Bayerns Spieler bleiben sehr eng an ihren direkten Gegenspielern dran, sodass Anspiele in den Fuß risikobehaftet sind.
Um den Raum im Zentrum zu beschützen, werden Kane und Bayerns Zehner nicht sofort bei Reals Innenverteidigern stehen, sondern vorerst zentral vor Lunin. So wird der Pass auf einen Innenverteidiger angeboten, der dann im Vollsprint attackiert wird.

Eins-gegen-Eins: Bayern baut auf Tah und Upamecano

Die Intensität im Ansprinten ist nötig, um so viel Druck auf den Ballführenden zu geben, dass keine kontrollierten Anspiele in die Spitze möglich sind. Denn hier verteidigt der deutsche Rekordmeister ebenfalls im Eins-gegen-Eins.
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Bayern-Verteidiger Dayot Upamecano (l.) und Jonathan Tah (r.)

Fotocredit: Imago

Schlägt der Gegner den Ball unter Druck nach vorne, ist es in den meisten Fällen eine leichte Aufgabe für Bayerns Innenverteidigung, die Duelle für sich zu entscheiden. Sowohl Jonathan Tah als auch Dayot Upamecano verfügen über die Physis und das Tempo, sich gegen jeden Spieler der Welt durchsetzen zu können.

So könnte Real den Bayern Probleme bereiten

Was in der Bundesliga hervorragend funktioniert, ist gegen die Qualität der Königlichen aber natürlich keine Garantie. Real wird sich gut auf die Münchner Manndeckung vorbereiten und viel mit Positionswechseln arbeiten.
Die Läufe von Fede Valverde, der als nomineller rechter Mittelfeldspieler überall auf dem Feld auftauchen kann, werden herausfordernd für die Bayern sein. Denn besonders solche Läufe, die von der eigentlichen Position weg in einen anderen Raum gehen, können gegen die Manndeckung effektiv sein.
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Fede Valverde: Spielentscheidend für Real gegen die Bayern?

Fotocredit: Getty Images

Valverde wird als rechter Mittelfeldspieler von Bayerns Linksverteidiger aufgenommen - gut denkbar, dass Kompany sich hier für Konrad Laimer als läuferisch und kämpferisch ebenbürtigen Gegenspieler entscheidet.
Laimer wird Valverde überall hin verfolgen, dementsprechend frei wird der Raum auf Bayerns linker Seite. Stößt Reals Rechtsverteidiger dann in diesen Raum vor, muss er sich dort "nur" gegen Bayerns Linksaußen durchsetzen. Dieses Duell zwischen Luis Díaz, der seine Stärken nicht in der Defensive hat, und dem offensivstarken Trent Alexander-Arnold oder dem erfahrenen Dani Carvajal könnte ein Schlüsselduell in diesem Viertelfinale werden.

Bayern: Welches Mittel gegen Vinícius Júnior?

Auch das Verteidigen gegen Reals Sturmduo wird eine schwierige Aufgabe für die Bayern sein: Zuletzt agierten Vinícius Júnior und Brahim Díaz in Abwesenheit Mbappés als Zweiersturm in Reals 4-4-2. Díaz fällt als gelernter Mittelfeldspieler immer wieder auf die Zehnerposition oder noch weiter zurück - und würde damit entweder Upamecano oder Tah rausziehen. Der andere Innenverteidiger müsste dahinter auf großem Raum gegen Vinícius Jr. verteidigen.
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Vinícius Júnior (Real Madrid)

Fotocredit: Getty Images

Je größer diese Räume werden, desto eher kann Real es schaffen, die Bälle neben das Duell zu spielen - so würde man den Infight vermeiden und die Vorteile im Antritt nutzen. Sollte Mbappé nach seiner Zwangspause gemeinsam mit Vinícius Jr. starten, würde es wohl weniger dieser Gegenbewegungen geben, dafür aber eine noch höhere individuelle Qualität, die es zu verteidigen gilt.
Eurosport-Check: Bayerns Herangehensweise in der Defensive verspricht hohen Druck und ist die Basis ihrer Dominanz. Auch starke Gegner haben sie damit schon oft erdrückt. Und trotzdem birgt die Manndeckung Risiken: Passt die Intensität einmal nicht, kann Real kluge Bälle in die Räume vorbereiten, die den Bayern wehtun. Ebenso ist es auf dem Niveau natürlich immer möglich, das ein oder andere Duell gegen Weltklassestürmer wie Mbappé oder Vinícius Jr. zu verlieren. Es wird spannend zu sehen sein, wie stark Kompany an seinem Plan festhält oder ob die Bayern erst einmal etwas abwartender spielen und den Dominanz-Anspruch zumindest teilweise abgeben.
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Kimmich unterstreicht Kanes Wichtigkeit: "Kein Egoist"

Quelle: Perform


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