Drei Dinge, die bei Heidenheims "Jahrhundertspiel" gegen den FC Chelsea auffielen: David ärgert Goliath
Eurosport bei GoogleDer 1. FC Heidenheim verkauft sich in der Conference League gegen den FC Chelsea mehr als teuer, muss jedoch mit dem 0:2 (0:0) seine erste Europapokal-Pleite einstecken. Der David ärgert den Goliath jedoch mehr, als den Londonern lieb sein konnte. Dass am Ende die Blues jubeln, liegt auch am Bundesliga erfahrenen Duo Christopher Nkunku und Jadon Sancho. Drei Dinge, die uns auffielen.
Schmidt stolz: "Haben unser Herz auf dem Platz gelassen"
Quelle: Perform
Für die erste Europapokal-Pleite der Heidenheimer Fußballgeschichte musste schon der große FC Chelsea kommen: Trotz einer leidenschaftlich geführten Partie und ebenbürtigen Spielphasen verlor der Bundesliga-Underdog 0:2 (0:0) gegen den zweifachen Champions-League-Sieger.
Nach zuvor fünf Siegen in Folge im internationalen Geschäft vermiesten Christopher Nkunku (51.) und Mykhaylo Mudryk (86.) die Heidenheim-Party im "Jahrhundertspiel". Auf der Gegenseite vergab der Youngster Paul Wanner zwei gute Chancen (25./69.).
"Kompliment an die Mannschaft, wir haben ein gutes Spiel gemacht", sagte der 18-Jährige bei "RTL+": "Die Chancen muss ich machen, dann hätten wir uns auch belohnt."
Drei Dinge, die uns in Heidenheim auffielen.
1.) David ärgert Goliath
Heidenheim gegen Chelsea - mehr David gegen Goliath geht eigentlich nicht. Auf der einen Seite der Europacup-Novize mit dem 15.000-Zuschauer-Stadion, auf der anderen Seite die Millionentruppe aus London, ein zweimaliger Champions-League-Sieger.
Auch wenn die Blues auf der Alb nur mit einer B-Elf antraten, wurde das in der Conference League noch Ausrutscher freie Chelsea seiner Favoritenrolle nur teilweise gerecht. Heidenheim verteidigte gegen Nkunku, Mudryk, Jadon Sancho und Co. teilweise Mann gegen Mann über den ganzen Platz, presste rotzfrech bis tief in den Strafraum der Londoner und hatte so einige hohe Ballgewinne.
Mit viel Laufaufwand und präziser Mannorientierung schaffte es der Bundesliga-Klub, den Londonern phasenweise den Schneid abzukaufen. "Dass Chelsea am Ende auf Zeit spielen musste, sagt viel aus über das Spiel", meinte FCH-Trainer Frank Schmidt. "Sie haben Chelsea wirklich bis zum Schluss gequält", stimmte "RTL"-Experte Patrick Helmes zu.
Dass Heidenheim am Ende dennoch mit null Zählern dastand, lag an der Kaltschnäuzigkeit des Goliaths, aber auch der fehlenden Abgeklärtheit des Davids. So hätte allein Wanner zwei Tore machen können, wenn nicht sogar müssen. Der eingewechselte Maximilian Breunig stand zudem bei zwei Treffern im Abseits (79./88.).
"Wir haben zu viele Chancen zum Ausgleich liegenlassen", sagte Schmidt: "Wir hatten die Möglichkeit, einen Punkt mitzunehmen. Aber solche Niederlagen kann ich akzeptieren."
2.) Chelsea-Tor made in Bundesliga
Dass Chelsea am Ende den vierten Sieg im vierten Conference-League-Spiel feierte, lag auch an zwei aus der Bundesliga bekannten Gesichtern: Christopher Nkunku und Jadon Sancho.
Eine Koproduktion der beiden brachte die Blues auf die Siegerstraße: In der 51. Minute dribbelte sich der Ex-Dortmunder Sancho gekonnt auf rechts durch ein paar Heidenheimer und legte in die Mitte, wo der Ex-Leipziger Nkunku schneller schaltete als Lennard Maloney und vorbei am starken Kevin Müller einnetzte.
Kurz vor Schluss trat Sancho dann erneut in Erscheinung: Nach einem starken Antritt in den FCH-Strafraum hatte er das Auge für Mudryk, der den Ball humorlos zum 2:0 im Winkel verstaute - Game Over für die tapferen Schwaben.
"Am Ende hat der eine 100 Millionen und der andere 80 Millionen Ablöse gekostet, die die Tore gemacht haben", rechnete Schmidt den kleinen, aber feinen Unterschied vor: "Wir haben unser Herz auf dem Platz gelassen. Aber das kannst du nicht immer verteidigen."
3.) Ein Spiel für die Keeper
2:0 für Chelsea in Heidenheim klingt alles in allem standesgemäß und nach einem "normalen" Europacupabend in der Voith-Arena. Tatsächlich war es schon mehr als das, nämlich ein wirklich interessantes Fußballspiel mit vielen Strafraum- und Torszenen auf beiden Seiten.
16:17 Schüsse, 11:9 aufs Tor standen am Ende zu Buche. Heißt: Chelseas Europacup-Keeper Filip Jörgensen, der 22 Jahre alter Neuzugang vom FC Villarreal (25 Mio. Euro Ablöse), wuchs mit elf abgewehrten Torschüssen förmlich über sich hinaus.
"Der hat die Bälle wie ferngesteuert angesaugt", musste Heidenheim-Trainer Schmidt neidlos anerkennen: "Der hat ein richtig gutes Spiel gemacht und wirklich alles gehalten."
Kevin Müller stand ihm auf der Gegenseite jedoch in (fast) nichts nach. Der Heidenheimer Torhüter führte in der Anfangsphase zunächst ein Privatduell mit Chelsea-Juwel Marc Guiu und ging dort als klarer Sieger hervor.
Kiernan Dewsbury-Hall fand ebenfalls kein Vorbeikommen am 33 Jahre alten Schlussmann (23./80.) und auch Nkunku hätte sich noch öfter in die Torschützenliste eingetragen, wäre nicht Müller zur Stelle gewesen (38./74.). Am Heidenheim-Torwart lag's am Ende jedenfalls nicht. Sein Sohn Pepe, der Keeper in der U14 des Vereins ist und am Abend auf der Fantribüne stand, musste sich mit Sicherheit keine doofen Sprüche über seinen Vater anhören - im Gegenteil.
"Wir haben das Spiel lange offengehalten", sagte Müller, woran er seinen Anteil hatte: "Ich bin absolut stolz auf die Mannschaft. Wir haben einen sehr guten Job gemacht."
Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Heidenheim am Donnerstagabend bereits das fünfte der letzten sechs Pflichtspiele verlor und nicht nur ergebnistechnisch ein wenig durchhängt. Nächste Gegner in der Bundesliga: Eintracht Frankfurt (2.) und der FC Bayern (1.).
Doch wer Chelsea Paroli bieten kann, hat auch SGE und FCB im Kreuz. Wie sagte Müller? "Diese Leistung müssen wir mit in die Liga nehmen." Dann geht es auch in Heidenheim auf kurz oder lang wieder aufwärts.
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