Wenn du gehst, dann geht nur ein Teil von dir

Jürgen Klopp hat Borussia Dortmund geprägt. Als Trainer wie als Mensch. Der BVB ist wieder zu einer echten Marke geworden. Davon wird der Verein lange zehren.

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Fotocredit: Eurosport

Ein Kommentar von Tobias Hlusiak
Es wird dauern, sich an den Anblick zu gewöhnen. Bei Spielen von Borussia Dortmund wird ab sofort ein anderer Trainer an der Seitenlinie stehen. Auch Pressekonferenzen wird der Neue geben. Eigentlich undenkbar. Noch vor wenigen Monaten hätte ich es selbst nicht geglaubt.
Jürgen Klopp und Borussia Dortmund, das gehörte zusammen. Diese Verbindung war zu fest, um sie zu trennen. Die Borussia war der Topf, Klopp der Deckel. Oder eben Arsch und Eimer, wie man in derberen Kreisen sagt.
Wie selten in der Geschichte des deutschen Fußballs hatte hier zusammengefunden, was offensichtlich zusammen gehörte. Der eloquente, manchmal etwas durchgedrehte Fußball-Lehrer aus Schwaben und der traditionsreiche Arbeiterverein aus dem Pott waren in einer perfekten Symbiose aus echter Liebe verschmolzen.
Klopp brachte den führungslos umherdümpelnden schwarz-gelben Kutter wieder auf Kurs, lockerte festgefahrene Abläufe und drückte der Unternehmung seinen unverkennbaren Stempel auf.
Das oberste Regal europäischer Fußball-Feinkost
Plötzlich kam die Borussia wieder ambitioniert und auf Erfolg gepolt daher. Nach Jahren der finanziellen Unsicherheit und sportlichen Eintönigkeit leistete der Erneuerer Klopp ganze Arbeit.
Mit einem Team voller Milchbubis gewann er deutsche Meisterschaften und sortierte den Verein ganz nebenbei wieder in das oberste Regal europäischer Fußball-Feinkost ein. Allein das ist aller Ehren wert und wird auf ewig auf jedem BVB-Briefkopf zu lesen sein.
Viel schwerwiegender aber ist, dass der Optimist Klopp es schaffte, den Verein Borussia Dortmund mit einem Lebensgefühl zu verbinden.
Frech, verspielt, voller Hingabe, durchsetzungsstark und zu allem bereit. So nimmt man die Borussia nach sieben Jahren Klopp wahr. Ein verschworener Haufen, dem kein Ziel unerreichbar und kein Gegner unschlagbar erscheint.
Viele wollen dazugehören. Spieler, Fans und Sponsoren. Nicht umsonst wurde in die Vorbereitung auf die neue Saison ein Trip nach Asien integriert. Das Ende der Entwicklung ist noch lange nicht erreicht.
Nun geht Klopp. Doch was er hinterlässt, ist größer als das, was er mitnimmt. Daran ändert auch ein verlorenes Pokalfinale nichts.
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