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Hertha BSC - Arne Friedrich exklusiv: "Dieses Jahr ist für Hertha etwas Großes möglich"

Friedrich exklusiv: "Dieses Jahr ist für Hertha etwas Großes möglich"

25/10/2016 um 17:30Aktualisiert 25/10/2016 um 17:31

Hertha BSC lässt in der Bundesliga die Muskeln spielen. Die "Alte Dame" steht hinter Bayern und Leipzig überraschend auf Platz drei. Ex-Nationalspieler Arne Friedrich erklärt im Eurosport-Interview den Aufschwung der Hauptstädter. Vor dem DFB-Pokalspiel beim FC St. Pauli (20:45 Uhr im Liveticker) hebt der ehemalige Hertha-Profi vor allem einen Spieler heraus und lobt die Arbeit von Pal Dardai.

Das Interview führte Dirk Adam

Vier Heimspiele, vier Siege für Hertha BSC. Warum ist der Tabellen-Dritte aus Berlin so stark?

Arne Friedrich: Da spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Zum einen habe ich das Gefühl, dass Hertha als Mannschaft absolut intakt ist. Der Teamgeist ist hervorragend, einer kämpft für den anderen. Aus taktischer Sicht sieht man eine unheimliche Geschlossenheit auf dem Platz. Trainer Pal Dardai und Co-Trainer Rainer Widmayer haben da wirklich sehr gute Arbeit geleistet. Im Moment ist es unheimlich schwer gegen Hertha ein Tor zu schießen. Auf der anderen Seite ist die Mannschaft jederzeit im Stande, selbst ein Tor zu erzielen. Vedad Ibisevic ist da sicherlich die zentrale Figur, kann Bälle festmachen und trifft derzeit wie er möchte. Allgemein ist das Spiel unheimlich strukturiert. Das hat nichts mit Glück oder Zufall zu tun und es ist aus meiner Sicht absolut verdient, Hertha so weit vorne in der Tabelle wiederzufinden. Ich hoffe, sie können das Momentum weiter nutzen und sich von den anderen, vermeintlich favorisierten Teams absetzen. Dann wäre in diesem Jahr etwas Großes möglich. Der vierte Platz ist ein realistisches Ziel.

Hertha gewinnt selbst enge Spiele. Ist das eine neue Qualität des Teams?

Friedrich: Die größte Qualität ist, dass Hertha auf dem Platz unheimlich organisiert ist. Nicht nur im Defensivbereich, sondern auch in den Reihen davor. Pjer Skjelbred ist ein gutes Beispiel, was er abräumt, ist schon enorm. Man sieht, dass die Mannschaft äußerst fit ist. Mit Henrik Kuchno haben Sie einen ausgezeichneten Mann; ich selber kenne ihn noch aus meiner aktiven Zeit bei Hertha. Was zudem verbessert wurde ist das gesamte Aufbauspiel. Hertha-Trainer Dardai hat sich vom Futsal inspirieren lassen, ein Spiel bei dem sich die Spieler auf engstem Raum lösen müssen. Das mit Rune Jarstein ein fußballerisch starker Torhüter zwischen den Pfosten steht, kommt dazu. Vor ein paar Jahren sah das Aufbauspiel noch anders aus. Hertha macht insgesamt einen sehr reifen Eindruck. Aber wie gesagt, die größte Stärke sind die Organisation und die Disziplin auf dem Platz.

Vedad Ibisevic befindet sich in Topform. Wie groß ist die Gefahr, dass er einmal nicht trifft?

Friedrich: Ibisevic ist unglaublich wichtig für Hertha. Er trifft nicht nur, er ist zudem ein Spieler, der die Bälle vorne festmacht. Vedad gibt seiner Mannschaft die Chance nachzurücken. Wenn ein langer Ball kommt, hat er ihn vorne unter Kontrolle. Für mich ist er der Schlüsselspieler. Sollte er mal nicht treffen, ist Hertha dennoch stark genug die Spiele für sich zu entscheiden. Allerdings wäre es auf lange Sicht ein erheblicher Nachteil. Er besitzt nun mal eine unfassbare Qualität im Abschluss und braucht nur wenige Chancen.

Was ist Pal Dardai für ein Trainer? Eher ein Kumpeltyp oder kann er die Zügel auch anziehen?

Friedrich: Ich habe ihn als Trainer nie erlebt und kann es nur aus der Ferne betrachten. Er ist ein Typ, der die Ärmel hochkrempelt und sich jederzeit schützend vor seine Spieler stellt. Er geht mit sich selbst hart ins Gericht, so wie er es auch von seinen Spielern verlangt. Ich erinnere mich an das ein oder andere Spiel, bei dem er die Schuld auf sich genommen hat. Er ist ein selbstkritischer Trainer, der die Mannschaft scheinbar sehr gut zu führen weiß. Zudem hat er mit Rainer Widmayer einen richtig guten Co-Trainer an seiner Seite. Ich denke, Pal besitzt mehrere Facetten. Er geht unpopuläre Wege, wie man zu Beginn der Saison im Fall von Fabian Lustenberger gesehen hat. Er nimmt seine Spieler aber auch mal in den Arm.

Hertha muss im DFB-Pokal beim FC St. Pauli antreten. Die Hamburger schwächeln gerade in der zweiten Liga, Hertha befindet sich im Höhenflug. Kann das gefährlich werden?

Friedrich: Könnte man meinen, denn St. Pauli ist zu Hause im Allgemeinen ein Brett - gerade im Pokal. Aber ich denke, dass Hertha im Moment so reif und abgeklärt ist, dass sie ohne Probleme ins Achtelfinale einziehen werden.

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