Vor 10.000 zugelassenen Zuschauern hatte der VfL Bochum die erste gute Chance an der Castroper Straße. Nach Flanke von Christian Gamboa köpfte Gerrit Holtmann den Ball aus sechs Metern knapp am linken Pfosten vorbei (5.).
In der Folge waren Tormöglichkeiten allerdings Mangelware. Beide Mannschaften mühten sich, ins letzte Drittel einzudringen und sich dort in Abschlusspositionen zu bringen.
Vor allem der SC Freiburg ließ in der Offensive Vieles vermissen, was zuletzt in der Bundesliga beim 3:0-Heimerfolg in der Liga gegen die Hertha noch so gut klappte. So ließ Nils Petersen kurz vor der Halbzeitpause eine gute Möglichkeit aus: Der Routinier war nach einem Fehler von Armel Bella Kotchap alleine unterwegs in Richtung Manuel Riemann, schloss aber überhastet aus 18 Metern halblinks ab und konnte Bochums Keeper so nicht wirklich gefährden (38.).
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VOR 9 STUNDEN
Wenig später gab es dann allerdings noch einen echten Aufreger. Im Anschluss an einen Eckball für den VfL Bochum griff Stürmer Jürgen Locadia Freiburgs Philipp Lienhart mit voller Absicht an den Hals und warf ihn zu Boden. Sowohl Schiedsrichter Robert Schröder als auch VAR Sören Storks reagierten allerdings nicht auf die Szene (45.+1).
Was auch immer Christian Streich seiner Mannschaft in der anschließenden Halbzeitpause mitgegeben hatte, es funktionierte. Freiburg kam frischer aus der Kabine und ging nach nur wenigen Minuten in Führung. Einen Schuss von Kevin Schade konnte Riemann zwar noch parieren, den Abpraller schob der völlig freistehende Petersen dann aber aus vier Metern ins leere Tor (51.).
Bochum brauchte eine Viertelstunde, um den Schock zu überwinden. Dann aber schlug die Mannschaft von Thomas Reis zurück. Nach einer perfekten Flanke von Elvis Rexhbecaj stand der eingewechselte Sebastian Polter am zweiten Pfosten goldrichtig und drückte den Ball aus fünf Metern mit dem Kopf über die Linie (64.).
In der Folge verpassten es dann beide Mannschaften, für eine Entscheidung in der regulären Spielzeit zu sorgen. So ging es in die Verlängerung. Dort war Bochum zunächst dem 2:1 näher, allerdings scheiterten sowohl Joker Eduard Löwen (99.) im Anschluss an einen Eckball, als auch Polter, vor dessen Pfostenknaller die Kugel bereits die Torauslinie überquert hatte (104.).
Als sich in der zweiten Halbzeit der Verlängerung bereits alle auf das bevorstehende Elfmeterschießen eingestellt hatten, unterlief Bochums Maxim Leitsch ein folgenschwerer Fehler. Einen Rückpass zu Riemann erwischte der Innenverteidiger nicht richtig, sodass Freiburgs Joker Roland Sallai alleine auf Bochums Torhüter zulief und den Ball aus sieben Metern im rechten unteren Eck unterbringen konnte (120.).
So jubelten am Ende die Breisgauer über den ersten Halbfinal-Einzug seit der Saison 2012/13, während der VfL Bochum die Runde der letzten Vier auf denkbar bittere Art und Weise verpasste.

Die Stimmen:

Sebastian Polter (VfL Bochum): "Klar ist das bitter. Du gibst 120 Minuten Vollgas, mit der Kulisse im Rücken, bei Flutlicht. Es gibt nichts Schöneres, als das Spiel so lange offen zu halten. Wir gewinnen zusammen, wir verlieren zusammen. Heute sind wir leider ausgeschieden. Wir stehen als Mannschaft zusammen, das ist das, was uns in den letzten Wochen ausgemacht hat. Und genau so werden wir auch weitermachen."
Christian Streich (Trainer SC Freiburg): "Es war alles möglich, in alle Richtungen. Es gab vielleicht leichte Vorteile für Bochum. Vor ein paar Wochen in der Liga war der Rasen noch besser, da konnten wir noch konstruktiver hinten raus spielen. In dem Spiel waren wir eigentlich besser und haben verloren, heute hatten wir das Glück. Auf Berlin schiele ich nicht. Bis jetzt."

Der Tweet zum Spiel:

Die Szene zwischen Jürgen Locadia und Philipp Lienhart erhitzte – zurecht - die Gemüter.

Das fiel auf: Der Bochumer Unglücksrabe

Als Innenverteidiger ist man meist direkt beteiligt, wenn im Fußball Gegentore passieren. Wenn man allerdings im gesamten Spiel kaum Torchancen zugelassen, keine Fehler und eine Zweikampfquote von 78 Prozent vorzuweisen hat, kann man nicht wirklich von einem schlechten Spiel sprechen. Dennoch wird nach diesem Spiel nur von dem entscheidenden Fehlpass von Maxim Leitsch gesprochen werden. Ausgerechnet in der allerletzten Minute der zweiten Halbzeit der Verlängerung unterlief dem ansonsten so souveränen Bochumer Abwehrmann dieser folgenschwere Fehler, der den VfL ins Tal der Tränen schickte. Ein schönes Bild dennoch: Alle Mannschaftskollegen waren sofort nach Abpfiff bei Leitsch, um den Unglücksraben zu trösten.

Die Statistik: 2

Zum zweiten Mal unter Christian Streich und zum zweiten Mal erst überhaupt steht der SC Freiburg im Halbfinale des DFB-Pokals.

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