Xabi Alonso vercoacht sich bei Leverkusens Pokal-Aus in Bielefeld erneut - ist der Spanier stur wie Pep Guardiola?
Die sensationelle Niederlage im DFB-Pokal-Halbfinale bei Arminia Bielefeld (1:2) hatte bei Bayer Leverkusen auch Trainer Xabi Alonso zu verantworten. Warum setzte der Spanier auf der Alm auf eine Spielweise, die Bayer auf das Niveau des Drittligisten herabsenkte? Neben des fragwürdigen "Masterplans" ließ aber auch die Einstellung zu wünschen übrig. Was nun noch bleibt, ist eine fahle Hoffnung.
Hradecky nach Pokalaus perplex: "Finde die Worte nicht"
Quelle: SID
Die Einsicht kam Xabi Alonso schnell. "Vielleicht war der Plan nicht gut", sagte der Trainer von Bayer 04 Leverkusen bei "Sky" nach der überraschenden wie verdienten 1:2-Pleite im DFB-Pokal-Halbfinale bei Arminia Bielefeld.
Statt erneut den Einzug ins Pokalfinale zu feiern, standen die Bayer-Akteure am Dienstagabend wie begossene Pudel auf der Alm und schauten dem Drittligisten beim Feiern zu. Dass der Doublesieger verlor, war eine Pokalsensation. Wie er das tat, war aus Bayer-Sicht besorgniserregend.
"Wir müssen uns ankreiden, dass wir es einfach verkackt haben", meinte Nationalspieler Robert Andrich sauer bei der "ARD" und sprach zugleich von der schlechtesten Saisonleistung. Man habe alles vermissen lassen, "wo wir stark sind".
Dazu hatte aber auch Alonsos "Plan", auf dem schlechten Rasen vor allem mit langen Bällen zu operieren, beigetragen. Noch schlimmer: Der Spanier reagierte während der Partie nicht adäquat auf das Spielgeschehen.
Xabi Alonso erinnert an Pep Guardiola
So stellte er in der Halbzeit nach Pausenrückstand (1:2) nicht um. Mit der Hereinnahme von Stürmerkante Victor Boniface (53.) änderte sich auch nichts am Bayer-Spiel; letztlich brachte der Doublesieger so nur eine indiskutable Passquote von 63,6 Prozent zustande.
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Gemeinsame Zeit beim FC Bayern: Coach Pep Guardiola (re.) 2016 mit seinem damaligen Spieler Xabi Alonso (li.)
Fotocredit: Getty Images
Beobachter rieben sich verwundert die Augen: Warum operiert eine der spielstärksten, passsichersten Mannschaften Europas gegen einen Drittligisten plötzlich mit langen Bällen?
De facto vercoachte sich der Bayer-Trainer damit im zweiten wichtigen Spiel 2025. Nach dem 0:3 beim FC Bayern im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League, als er ohne Mittelstürmer agieren ließ, sorgte das dummerweise auch für den zweiten Titel-K.o. Man habe seine Spielweise an den schlechten Platz anpassen müssen, dennoch habe es Bielefeld "viel besser ausgespielt und gefühlt jeden zweiten Ball gehabt", sagte Andrich.
Mit dem sturen Beharren auf seinem taktischen Plan erinnerte Alonso in Bielefeld an die düsteren Momente von Pep Guardiola, der sich auch nur ungern eingesteht, wenn seine Taktik nicht aufgeht. Das ist dem aktuellen Coach von Manchester City diese Saison schon mehrfach zum Verhängnis geworden, sorgte aber auch einst beim FC Bayern dafür, dass dieser unter ihm keinen Champions-League-Titel errang.
Leverkusen: Wirtz' Fehlen und die Folgen
Ganz offenbar traute Alonso seiner Truppe in Bielefeld ohne den verletzten Florian Wirtz nicht zu, den spielerischen Weg zum Erfolg einschlagen zu können. Stattdessen gab es nur die Brechstange. In der Schlussphase beorderte er sogar mit Innenverteidiger Jonathan Tah einen dritten Kopfballspieler zu Boniface und Patrik Schick nach vorne - eine letztlich brotlose Maßnahme.
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Letzte Ausfahrt Bielefeld: Xabi Alonso scheitert mit Bayer 04 Leverkusen im DFB-Pokal-Halbfinale 2024/25 am Drittligisten Arminia Bielefeld (1:2)
Fotocredit: Imago
Aus dem Spiel heraus kam Leverkusen so in 90 Minuten nur zu einer einzelnen Torchance. "Ich finde die Worte nicht. Wir sind verdient rausgeflogen", sagte Bayer-Kapitän Lukas Hradecky: "Es war zu wenig. Wir haben zu viel Energie für unwichtige Sachen verschwendet. Ich will gar nicht wissen, was die Zweikampfquote sagt."
Zwar gewann Bayer tatsächlich knapp 60 Prozent aller direkten Duelle, ließ sich aber dennoch vom Drittligisten den Schneid abkaufen. Leverkusens Geschäftsführer Sport Simon Rolfes meinte, Bayer habe die "Grundsätze des Fußballs" vernachlässigt. Dass Wirtz gefehlt habe, sei nicht wegzudiskutieren - dennoch hätte man sich mehr bemühen können. "Die Sachen, die heute gefehlt haben, können wir auch ohne Florian zeigen", sagte Rolfes.
Was geht jetzt noch in der Bundesliga?
Dazu häufen sich bei Bayer die Fehler in der Defensive. 14 Gegentore kassierte die Alonso-Elf in den vergangenen sieben Spielen. "Wir hatten keine Kontrolle und haben individuelle Fehler gemacht. Heute hat nichts funktioniert", meinte der Trainer konsterniert. So fand nicht nur "ARD"-Experte Bastian Schweinsteiger den Bielefelder Sieg "hochverdient".
"Wir müssen ganz ehrlich mit uns sein und sagen, dass Bielefeld verdient im Finale steht", meinte Leverkusens Andrich. Das hieße jedoch auch im Umkehrschluss, dass Bayer "jede Menge falschgemacht" habe: "Wir haben es nicht geschafft, uns vorne durchzusetzen und hinten haben wir immer wieder einfache Fehler gemacht. Dann gewinnst du gegen keine Mannschaft der Welt."
So bleibt Leverkusen jetzt nur noch das Besinnen auf den Kampf um die Meisterschaft. Sechs Punkte sind in sieben Spielen bei einem klar schlechteren Torverhältnis auf die Konkurrenz aus München aufzuholen. Man müsse nun "alles reinwerfen und gucken, was passiert", sagte Hradecky. Denn: "Wir haben ganz andere Ansprüche."
Bayers Pokal-Aus sei laut Rolfes nun eben auch "für die Meisterschaft noch mehr Verpflichtung, Vollgas zu geben". Oder wie es Hradecky formulierte: "Wut und Enttäuschung sind auch Emotionen, die man in etwas Gutes verwandeln kann."
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Quelle: Perform
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