Borussia Dortmund erstmals seit 2008 im DFB-Pokal bei Rot-Weiss Essen zu Gast - gemeinsame Trauer um Frank Mill
VonNiklas Bien
Update 15/08/2025 um 16:22 GMT+2 Uhr
Borussia Dortmund und Rot-Weiss Essen trafen 2008 zuletzt in einem Pflichtspiel aufeinander. Der BVB setzte sich in der ersten Runde des DFB-Pokals damals mit 3:1 durch. Am Montagabend gibt es die Neuauflage - im Grunde ein Pokalfight wie er im Buche steht. Die beiden Westvereine vereint am Montag aber nicht nur die Spielpaarung, sondern auch die Trauer um den kürzlich verstorbenen Frank Mill.
Kovac: "DFB-Pokal ist wieder viel interessanter geworden"
Quelle: Perform
Am 9. August 2008 betritt ein Mann mit wehendem blonden Haar und schmaler Brille energisch den Rasen an der Essener Hafenstraße.
Eine Rudelbildung ist zu schlichten im DFB-Pokal-Erstrundenspiel zwischen Rot-Weiss Essen und Borussia Dortmund, und er will ein Zeichen setzen: Nichts da. Das hier ist jetzt meine Mannschaft! Es ist sein erstes Pflichtspiel als BVB-Trainer. Es ist Jürgen Klopp.
"In der Viererkette dürfen die Youngster Mats Hummels und Neven Subotic ran", hält der "kicker" damals erstaunt fest, beide sind 19 Jahre alt. Der BVB gewinnt 3:1 - es ist der Beginn einer ganz, ganz großen Geschichte, der wahrscheinlich größten in der BVB-Historie.
Wenn sich die Nachbarn, Freunde und Rivalen am Montag (20:45 Uhr im Liveticker) zum ersten Mal seitdem in einem Pflichtspiel wiedersehen, wieder in Essen, wieder in der ersten Runde, dann darf es wieder so laufen. Zumindest aus BVB-Sicht. Auch wenn der Vergleich mit dem Säulenheiligen Klopp für jeden Nachfolger fies ist.
Trauer um Frank Mill
Niko Kovac freut sich jedenfalls schon. "Denn dann", betont der heutige Dortmunder Trainer, "geht es ans Eingemachte: Hafenstraße, das Licht geht an. In sensationeller Atmosphäre. Etwas Besonderes." Auch für Sebastian Kehl: Der Sportdirektor war in Klopps erstem Spiel der Kapitän. Beide sind sich einig: "Wir müssen eine Runde weiterkommen."
Nach der 40 Kilometer langen Anreise über die A40 und A42 sollte das Spiel ein klassischer Pokal-Fight werden. Ein aggressiver Außenseiter, nach vorne gepeitscht von den Fans, ein Favorit, der eigentlich "nur" seine Klasse ausspielen muss.

Borussia Dortmund hat sich 2008 gegen Rot-Weiss Essen durchgesetzt.
Fotocredit: Getty Images
Vorher werden beide Teams allerdings in Trauer vereint sein - im Gedenken an Frank Mill. "Er hat Rot-Weiss Essen und Borussia Dortmund gleichermaßen geprägt – und war weit über das Ruhrgebiet hinaus ein Botschafter für unseren Fußball", sagte RWE-Vorstand Alexander Rang.
"Wir sind dankbar, dass wir (...) die Möglichkeit haben, uns gemeinsam von ihm zu verabschieden." Mill, Weltmeister von 1990, spielte neun Jahre lang für Essen - und acht für Dortmund.
Essen beschwört die Außenseiterchance
Wie das im Pokal so ist, wird es danach vor allem beim Underdog kribbeln. Ob die BVB-Abwehrsorgen eine Hilfe sein können? Der frühere Bundesliga-Profi Klaus Gjasula setzt eher auf den Heimvorteil. "Sie kennen die Riesen-Stadien, aber hier bei uns ist das ein Hexenkessel", warnte der albanische Nationalspieler.
"Flutlichtspiele", betonte Gjasula, "sind die geilsten Spiele. Dafür sind wir Profis geworden." Zum Pokal gehört traditionell auch beim Duell 3. Liga gegen Champions League das Beschwören der Außenseiterchance - obwohl RWE den BVB zuletzt 1960 in einem Pflichtspiel bezwungen hat: "Im Fußball ist alles möglich. Wir müssen aggressiv, kompakt sein – und versuchen, ihnen den Nerv zu rauben."
2008 ist das nur teilweise gelungen, immerhin stand es zur 60. Minute noch 1:1. Am Ende aber 1:3, was auch Jürgen Klopp beruhigte. Er sah damals noch reichlich Steigerungspotenzial, sagte aber: "Damit kann ich für heute gut leben." Das könnte Niko Kovac wohl auch.
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