Calcio trägt schwarz statt himmelblau: Antonio Conte hat genug vom Trauerspiel

Schwarzer Maßanzug, schwarze Krawatte, düstere Miene. Wenn Antonio Conte an der Seitenlinie der Squadra Azzurra steht, erinnert der scheidende Trainer eher an einen Trauernden als an den Coach. Und das Bild hat Symbolkraft. Vor dem Duell mit dem anderen viermaligen WM-Champion am Dienstag in München (20:45 Uhr im Liveticker auf Eurosport.de) liegt der italienische Fußball am Boden.

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Die Serie A, einst als stärkste Liga der Welt gefeiert, befindet sich seit Jahren im Niedergang. Die ehemals so stolzen Topklubs sind in der europäischen Bedeutungslosigkeit verschwunden. Erstmals seit 15 Jahren ist kein Team im Viertelfinale des Europacups vertreten. Und die Nationalmannschaft hat nach dem blamablen Vorrunden-Aus bei der WM-Endrunde 2014 - dem zweiten in Folge - auch keinen Kredit mehr bei den Tifosi.
Conte hat nach nur zwei Jahren im Amt genug von dem Trauerspiel. Der 46-Jährige gab Mitte März seinen Abschied im Anschluss an die EM-Endrunde in Frankreich (10. Juni bis 10. Juli) bekannt. Dass die fetten Jahre vorbei sind, wird Contes Nachfolger als einer der ersten zu spüren bekommen. Der neue Coach des Europameisters von 1968 soll nur noch die Hälfte des Conte-Gehalts erhalten.

Verband will sparen

Der Verband FIGC will sparen. 3,5 Millionen Euro netto ist der Höchstbetrag, den der Neue beziehen soll. Zudem muss sich der Erbe Contes, der wohl beim FC Chelsea anheuern wird, mit einem kleineren Trainerstab begnügen. Laut Verbandsboss Carlo Tavecchio "erfordern die Zeiten" nun einmal diese Maßnahmen.
Angesichts dieses Sparkurses hat Starcoach Fabio Capello sofort abgewinkt. Auch die anderen Kandidaten (Roberto Donadoni, Francesco Guidolin, Claudio Ranieri, Walter Mazzarri und Marcello Lippi) werden es sich dreimal überlegen, ob sie sich den Job antun wollen.
Die Begründung Contes für seinen Rücktritt hat jedenfalls keine Bewerber angelockt. Der 20-malige Nationalspieler konnte sich nicht mit der Passivität des Verbandes gegenüber den Klubs abfinden. Erst im Februar war ein geplantes Trainingslager nicht zustande gekommen, weil die Vereine dagegen waren.

"Schwierig, die Füße stillhalten zu müssen"

"Man hat mir versprochen, dass ich mit der Mannschaft ausreichend arbeiten kann. Aber ich konnte nicht das tun, was ich wollte", sagte Conte, der mit seinem Team in der EM-Vorrunde auf Belgien, Schweden und Irland trifft: "Für mich ist es schwierig, die Füße stillhalten zu müssen."
Angesichts dieser Gemengelage war die starke Vorstellung am Donnerstag beim 1:1 (0:0) gegen Europameister Spanien wichtig, um wenigstens vorübergehend für Ruhe zu sorgen. Die Medien lobten das Team in den höchsten Tönen. Die Diskussion um die "lahme Ente" Conte, der die EM-Qualifikation immerhin ungeschlagen absolviert hat (sieben Siege, drei Remis), war erst einmal vom Tisch.
"Ich habe die Antworten bekommen, die ich wollte. Gegen Spanien hat die Mannschaft bewiesen, dass sie gefestigt ist", äußerte Conte, der in München auf die früheren Bundesliga-Profis Ciro Immobile und Andrea Barzagli (beide verletzt) verzichten muss: "Jetzt kommt der schwierigste Test gegen Deutschland. Ich bin aber optimistisch."

"Deutschland keine unbesiegbare Mannschaft"

Noch angriffslustiger als Conte zeigten sich die Spieler von Rekordmeister Juventus Turin, die nach dem unglücklichen Aus in der Champions League gegen Bayern München heiß auf eine Revanche sind. "Wir wollen in München gewinnen", sagte Stürmer Simone Zaza: "Wir haben beim Spiel gegen die Bayern bewiesen, dass wir stark sind, wenn wir konzentriert spielen. Deutschland ist keine unbesiegbare Mannschaft."
Das gilt vor allem aus Sicht der Italiener. Schließlich wartet die Auswahl des DFB seit fast 21 Jahren auf einen Sieg gegen die Azzurri. Auch die Bilanz (15 Siege, 10 Unentschieden, 7 Niederlagen) spricht klar für Italien.
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