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EM 2016: Bundestranier Joachim Löw über Frankreich, Schweinsteiger, Khedira, Dreierkette und Scholl
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Publiziert 04/07/2016 um 11:54 GMT+2 Uhr
Bundestrainer Joachim Löw äußert sich auf der Pressekonferenz der deutschen Nationalmannschaft ausführlich zur Personallage des DFB-Teams, zu Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira, Emre Can und Julian Weigl, Thomas Müller und Mario Götze. Zudem spricht Löw über das EM-Halbfinale gegen Frankreich, die Systemumstellung auf Dreierkette gegen Italien - und die Kritik von TV-Experte Mehmet Scholl.
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Bundestrainer Joachim Löw über...
...den Status quo
"Das Spiel gegen Italien hat körperlich ein paar Spuren hinterlassen. Leider Gottes haben wir doch einige angeschlagene Spieler. Mario Gomez wird ausfallen für dieses Turnier, Sami Khedira wird im Halbfinale auf keinen Fall spielen können, wir werden alles dafür tun, dass er in einem möglichen Finale zur Verfügung steht. Bastian Schweinsteiger ist auch angeschlagen, er hat eine leichte Zerrung am Außenband, durch einen Schlag verursacht. Es hat sich ein bisschen verschlechtert nach dem Spiel. Alle waren bei der Untersuchung, wir müssen abwarten und Veränderungen vornehmen."
Ich werde neue Namen reinbringen müssen. Ich habe Vertrauen zu allen Spielern, natürlich auch zu denen, die bisher nicht gespielt haben. Da habe ich überhaupt keie Bedenken. Wir haben Sorge getragen, dass die Spieler die richtige Belastung haben."
...Bastian Schweinsteiger
"Er hat sich glänzend reingebissen gegen Italien, hat bis zum Schluss das Tempo und die Kraft gehabt, das hat mich beeindruckt. Spieler, die angeschlagen sind und nicht 100 Prozent haben, lasse ich definitiv nicht spielen. Das wird nie mehr so sein, weil wir es uns nicht erlauben können, immer nach 15, 20 Minuten zu wechseln.
Sami Khedira war vorher fit, das kann man dann nicht ändern. Aber wenn ich vorher weiß, dass jemand angeschlagen ist, wird er nicht spielen. Den Fehler habe ich einmal gemacht, vor vielen, vielen Jahren, das wird's nicht nochmal geben. Das darf man nicht riskieren. Ich hoffe, dass es unser Kapitän schafft."
...Mario Gomez
"Er wird hierbleiben und die Mannschaft unterstützten. Mario ist Teil des Teams, ein sehr wichtiger Spieler, der sich klasse eingebracht hat. Deshalb ist es natürlich traurig für uns für ihn. Er hatte ein ganzes Jahr darauf hingearbeitet, sein Ziel war immer die EM. Mario ist jemand, der durch seine körperliche Präsenz die Gegenspieler bindet. Er ist im letzten Pass in den Sechzehner gefährlich, auch eine gewisse Kopfballstärke wird uns fehlen."
...Emre Can, Julian Weigl und Joshua Kimmich
"Can ist ein Spieler, der auf unterschiedlichen Positionen einsetzbar ist. Im Training hat er immer überzeugt, er ist sehr wuchtig, auch technisch stark und würde unserem Spiel sicher gut tun. Weigl hat eine andere Herangehensweise und ist unheimlich sicher am Ball.
Sollte es so sein, dass Schweinsteiger und Khedira ausfallen, muss ich schauen, welche Lösung ich wähle. Ein ganz wichtiges Kriterium im Mittelfeld ist die Ballkontrolle, die Zeit der Abräumer ist vorbei. Joshua Kimmich ist dort keine Alternative. Er hat fast überwiegend als Rechtsverteidiger gespielt, im zentralen Mittelfeld habe ich andere Möglichkeiten."
...Thomas Müller und Mario Götze
"Müller hat Laufwege, die man schwer aufnehmen kann als Abwehrspieler. Götze ist ein Spieler, der die Bälle vorne sehr gut verteidigen kann, er ist in den Zwischenräumen anspielbar und leitet die Bälle weiter. Das ist der Unterschied: Müller ist ein Spieler, der in die Tiefe geht."
...den glück- und torlosen Müller
"Sorgen macht mir das nicht. Der Elfmeter gegen Italien hätte ihm sicher gut getan, aber ich kenne Thomas schon ein bisschen länger: Irgendwie habe ich das Gefühl, dass er ein Tor macht, wenn es wirklich gebraucht wird."
...Müller im Sturm
"Das wäre eine denkbare Variante, klar. Vielleicht spielen wir ja auch mit zwei Spitzen."
...das Viertelfinale gegen Italien
"Die Freude war nach dem Spiel immens groß. Auf der anderen Seite wurde es im Laufe der Zeit ruhiger, weil 120 Minuten gegen Italiener ja auch Spuren hinterlassen. Es war ein unheimlicher Abnutzungskampf und eine Energieleistung, danach waren alle müde. Wenn ich diese Zahlen gesehen habe, die wir gelaufen sind: Özil, Müller, eine unglaubliche Leistung."
...die Systemumstellung gegen Italien
"Ich will mich nicht rechtfertigen, aber gegen Italien war es notwendig. Man muss immer schauen: Wo hat der Gegner seine Stärken? Alles andere wäre fahrlässig, naiv und unprofessionell. Italien wollte, dass wir schön angreifen und naiv sind, das hätte ihnen super in die Karten gespielt. Da war mir klar, dass wir nicht so spielen können. Ja, es ging zulasten unsere Offensivstärke, aber Intelligenz und Geduld waren gefragt.
Ich weiß nicht, ob eine andere Mannschaft ihre Automatismen so ausgeprägt hat wie Italien. Es ist immer dasselbe Schema, es gibt genau zwei Angriffsvarianten. Sie machen das Weltklasse, sind dabei aber ausrechenbar. Frankreich ist viel schwerer auszurechnen. Dreierkette? Muss ich mir nochmal überlegen."
...die Scholl-Kritik zur Dreierkette
"Das Medienrauschen habe ich mitbekommen, da kann man auch geteilter Meinung sein. Für solche Dinge bin ich offen. Äußerst negativ finde ich, wenn man wertvolle Mitarbeiter aus meinem Stab persönlich angreift. Das finde ich nicht in Ordnung, weil Außenstehende die internen Abläufe nicht beurteilen können. Da sollte sich der ein oder andere Gedanken drüber machen. Bei der Taktik - gut, weniger gut, falsch - gehören Diskussionen im Fußball dazu, das ist normal."
...Frankreich
"Gegen Island gab es nach dem frühen Tor so etwas wie eine Befreiung. Sie strotzen jetzt vor großem Selbstbewusstsein, das Team hat Dynamik, unheimlich viel Kraft und Wucht. Das ist eine sehr starke Mannschaft, die von Anfang an zu den Topfavoriten zählte. Herausragend ist Pogba, mit seiner Kraft und Technik. Sie haben Giroud, der besonders spielt, die schnellen Außen sind auch gefährlich. Griezmann ist sehr wichtig, klasse Schusstechnik und kopfballstark, aber Frankreich hat noch ein paar weitere Weltklassespieler.
Alle haben gesehen, wir stark Frankreich ist, die Euphorie ist groß im Land. Das ist ja auch eine Motivation. In Brasilien 2014 stand ein ganzes Land mit 200 Millionen hinter der Mannschaft. Damals sind wir gut klargekommen, jetzt werden wir es wieder schaffen. Unabhängig von unserer personellen Situation wissen wir schon, was wir tun müssen. Es ist ein Spiel auf Augenhöhe. Super, dass es diese Partien gibt, ich liebe solche K.o.-Spiele gegen starke Mannschaften.
Das Spiel bei der WM 2014 war sehr ausgeglichen, wir waren früh in Führung, aber Frankreich hatte auch sehr gute Chancen. Davon kann man heute keine Kraft mehr ziehen oder profitieren, das spielt eigentlich keine Rolle. Wir werden das Spiel nicht aus der Erinnerung herausholen und thematisieren - zumal Frankreich inzwischen auch etwas anders spielt. Dinge aus der Vergangenheit zählen nicht."
...Benedikt Höwedes
"Er hat es gegen Italien überragend gut gemacht. Seine Stärken sind die Zweikämpfe, er hat fast alle Duelle gewonnen. Er kann in verschiedenen Systemen verschiedene Positionen spielen, er ist Gold für mich wert, immer da, wenn man ihn braucht."
...Toni Kroos
"Toni ist schon lange ein wesentlicher Bestandteil in unserem Spiel. Es gibt wenige Spieler, wenn überhaupt, die so cool sind. Er ist ein Spieler, der ruhig, konzentriert, gelassen auf den Platz geht im Wissen seiner eigenen Stärke - ganz egal, wie hoch der Druck ist. Er kann ein Spiel mit seiner Technik in die richtigen Bahnen lenken."
...Julian Draxler
"Er hat Phasen, in denen er zeigt, was er kann. Ihm fehlt ein bisschen die Konstanz, auch bei uns. Aber ich bin im Training begeistert, er ist der Spieler, der Eins-gegen-Eins-Duelle auflösen kann. Ich verspreche mir noch eine gute Turnierleistung und wünsche mir in den nächsten Monaten und Jahren, dass er diese Konstanz erreicht, dann ist er ein absolut überragender Spieler."
...das Trainingscamp in Évian
"Das war die beste Lösung. Wir haben uns wohl gefühlt, der Abschied fällt dann immer irgendwo schwer, wie nach einem Turnier. Wenn das zu Ende geht, dann fragt man sich: Was soll ich eigentlich tun? Wir sind jetzt sechs Wochen zusammen, aber ich habe das Gefühl, dass das Turnier gerade erst begonnen hat."
...Trainingssteuerung
"Im Training gibt es keine körperliche Belastung mehr, das geht nicht nach drei Spielen in einer Woche. Aber einrosten dürfen wir auch nicht."
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