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EM 2016 - Deutschland - Italien: Held Hector, Chef Schweinsteiger, cooler Boateng
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Publiziert 03/07/2016 um 02:00 GMT+2 Uhr
Jonas Hector wird im EM-Viertelfinale beim dramatischen Sieg im Elfmeterschießen gegen Italien (7:6 n.E.) zum Helden. Bastian Schweinsteiger wird früh für Sami Khedira eingewechselt und zeigt, dass er das Spiel noch immer beeinflussen kann. Jérôme Boateng entgeht dem Titan-Dilemma. Drei Typen, die uns beim Krimi-Sieg des DFB-Teams besonders auffielen.
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1. Hector wird zum Helden
Als Jonas Hector den 18. Elfmeter unter dem Körper von Altmeister Buffon ins Tor gemogelt hatte, breitete er ungläubig die Arme aus. Die graue Maus im Kader des Bundestrainers wurde in der Nacht von Bordeaux zum großen Helden.
Er selbst konnte kaum fassen, was ihn an diesem denkwürdigen Abend widerfahren war. “Es waren nicht mehr viel da und irgendwann muss man ja dann ran. Ich war einfach nur froh, dass er reingegangen ist“, sagte Hector in der "ARD".
Dass er überhaupt ran musste, war tatsächlich überraschend. Noch nie hat Deutschland derart vom Punkt gewackelt. Thomas Müller, Mesut Özil und Bastian Schweinsteiger scheiterten teilweise kläglich. Zuvor hatten in der deutschen EM- und WM-Geschichte nur zwei von insgesamt 28 Versuchen im Elfmeterschießen nicht den Weg ins Tor gefunden. Nur eines von sieben Duellen vom Punkt (1976) ging verloren.
Hector, der auch die deutsche Führung durch Mesut Özil in der 65. Minute vorbereitet hatte, machte es besser. Zur Belohnung gab es nicht nur jede Menge Liebe seiner Mitspieler, sondern auch von seinem Vater, der seine Tränen im Stadion nicht mehr zurückhalten konnte.
Sein Sohn meinte:
Mission erfüllt. Italien-Trauma beendet. Halbfinale gebucht.
2. Schweinsteiger ist und bleibt der Chef
Der Kapitän kam durch die Verletzung von Sami Khedira früher als erwartet zu seinem 37. Einsatz bei einem großen Turnier, durch den er zum bisherigen Rekordhalter Miroslav Klose aufschloss.
Schweinsteiger übernahm die Binde von Manuel Neuer - und gleich auch wieder das Kommando auf dem Platz.
Auffällig: In der ersten Hälfte spielte der 31-Jährige den rechten Part der Doppelsechs, brachte mehr Dynamik auf den Platz und half Joshua Kimmich in der Defensive. Als Löw seinen Boss der zweiten Hälfte nach halblinks beorderte, wurde die zuvor verwaiste Seite deutlich aktiver, Hector bereitete über links die Führung vor. Zudem bekam Kimmich auf rechts deutlich mehr Probleme, da ihm die Hilfe versagt blieb. Klare Sache: Schweinsteiger ist nach wie vor in der Lage Einfluss auf ein Spiel zu nehmen.
Zudem war er vor der Verlängerung und in jeder sich bietenden Pause der wichtigste Ansprechpartner für Löw, Mesut Özil lauschte den Anweisungen des ergrauten Alpha-Wolfs ehrfürchtig wie ein kleiner Schuljunge.
Schweinsteiger hätte vollends zum Helden werden können, hätte er den fünften deutschen Elfmeter nicht in die Wolken gedroschen. Vielleicht hat er sich die ganz große Geschichte aber ja wieder für das Finale aufgehoben.
3. Boateng entgeht dem Titan-Dilemma
Als Jérôme Boateng zum Elfmeterpunkt schritt, schien die Geschichte des Spiels, ja vielleicht des gesamten Turniers schon geschrieben.
Welch schaurig-bitteres Drama wäre es gewesen, hätte ausgerechnet der bislang so überragende Innenverteidiger, eine der Persönlichkeiten dieser EM, das Aus der deutschen Mannschaft besiegelt.
In den 120 Minuten zuvor war der Münchner wieder einmal der Fels in der deutschen Verteidigung gewesen, hatte die meisten Ballaktionen aller Spieler auf dem Feld, bügelte Fehler seiner Mitspieler aus und machte selber keine - mit einer Ausnahme. In der 77. Minute verursachte er tollpatschig den Handelfmeter, den Leonardo Bonucci zum Ausgleich nutzte.
Boateng sagte nach dem Spiel über seinen Fauxpas:
Es wäre eine ähnlich bittere Geschichte gewesen, wie die von Oliver Kahn bei der WM 2002. Der Torhüter, der erst zum Titan wurde und dann nach dem Finale traurig am Torpfosten lehnte, weil er die Niederlage mit einem Fehler eingeleitet hatte.
Doch Boateng blieb cool, verwandelte souverän seinen Elfmeter und darf jetzt weiter an seiner positiven EM-Story schreiben.
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