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EM 2016: Gareth Bale ist Teil des magischen Dreiecks bei Wales - Skrtel lässt England verzweifeln
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Publiziert 21/06/2016 um 08:09 GMT+2 Uhr
EM 2016: Aaron Ramsey und Joe Allen zeigen gegen Russland, dass Wales mehr ist als nur Gareth Bale. Der Superstar von Real Madrid sticht dennoch aus einer Mannschaft heraus, die entgegen der Trends der EM spielt. Martin Skrtel erweist sich gegen England als unüberwindbar und wird seinen Vereinstrainer Jürgen Klopp ins Grübeln gebracht haben. Russland ist die größte Enttäuschung des Turniers.
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1. Wales hat ein magisches Dreieck
Klar, Wales ist in erster Linie Gareth Bale. Allerdings nur oberflächlich betrachtet. Auch gegen die Russen war der Superstar von Real Madrid wieder nicht zu stoppen. Soli aus der eigenen Hälfte, unglaublicher Antritt, Zug zum Tor, purer Wille - Bale kommt in diesen Tagen wie eine Urgewalt daher.
Doch anders als beispielsweise Zlatan Ibrahimovic hat Bale großartige Kollegen an seiner Seite. Aaron Ramsey vom FC Arsenal machte schon in den ersten beiden Partien einen starken Eindruck. Gegen die Russen traf er in der 11. Minute zur Führung.
Eingesetzt wurde er durch einen perfekt getimten und wunderbar anzusehenden Pass von Joe Allen, dem "Welsh Pirlo". So wird der ehemalige "Welsh Xavi" in der Heimat genannt, seitdem er lange Haare trägt.
Wer noch einen Beweis der Kongenialität dieser Drei benötigt, nehme die 67. Minute und lasse sie in Dauerschleife laufen. Spielverlagerung Allen, Rechtsverteidiger Gunter nimmt den nachrückenden Ramsey mit, der läuft parallel zur Strafraumgrenze und steckt mit dem Außenrist auf Bale durch. 3:0! Ein herrlicher Treffer.
Zugegeben, die Russen waren phasenweise unterirdisch und boten die wohl schlechteste Defensivleistung des Turniers. Dennoch: Dieses Team macht Spaß. Und ist eben mehr als nur Bale.
2. Wales spielt gegen den Trend
Die EM ist ein Turnier der späten Tore. 14 der 48 Treffer fielen bis vor den Spielen am Montag nach der 87. Minute. Ein klarer Trend ist nur schwer von der Hand zu weisen.
Nur die Waliser, die haben offensichtlich keine Lust auf Mainstream. Vier ihrer sechs Tore erzielten sie in der ersten Halbzeit. Gegen die Russen waren es nach 22. Minuten deren zwei.
Und weil frühes Jubeln so viel Spaß macht, lassen sich die Dragons auch nie lange bitten. In allen drei Spielen war der erste Schuss aufs Tor drin. Kann man so machen. "Was für eine Nacht, das werden wir nie vergessen! So zu gewinnen ist etwas ganz Besonderes. Jetzt freuen wir uns auf den nächsten Gegner."
3. England als Gegenpol zu Deutschland
Benedikt Höwedes stand sich immer wieder die Beine in den Bauch. Knapp 45 Prozent aller Angriffe des DFB-Teams gegen Polen liefen über die linke Seite.
Bei den Engländern sieht das genau umgekehrt aus. In den ersten beiden Spielen gegen Russland und Wales zählte Rechtsverteidiger Kyle Walker jeweils zu den besten Spielern auf dem Feld.
Gegen die Slowaken kam Nathaniel Clyne zum Einsatz - und machte im Verbund mit dem starken Adam Lallana nicht weniger Betrieb auf seiner Seite.
Mittelfeldantreiber Jordan Henderson hat einen Hang zur Höwedes-Hälfte. Ebenso der dieses Mal nur eingewechselte Kapitän Wayne Rooney, der seine Diagonalbälle vornehmlich auf die rechte Seite schlägt.
Geholfen hat es am Ende nicht. Die Engländer machten zwar ein starkes Spiel, blieben aber torlos und müssen sich mit Platz zwei in Gruppe B zufriedengeben. Gänzlich überzeugt hat der Mitfavorit noch nicht.
4. Skrtel der Turm in der Schlacht
Dass die "Three Lions" trotz aller Bemühungen keine Gelegenheit zum Jubeln bekamen, lag auf slowakischer Seite vor allem an Martin Skrtel. Der Liverpool-Profi warf sich in jeden Ball, war im Luftzweikampf kaum zu bezwingen und dirigierte seine Kameraden wild gestikulierend durch die Gegend.
Immer wieder verzweifelten seine Gegenspieler, von denen er die meisten aus der Premier League kennt, am knallharten Innenverteidiger, der als Ein-Mann-Bollwerk schlicht nicht zu überwinden war.
Skrtels Werte sprechen für sich: Meiste Ballaktionen im Team, 87,5 Prozent gewonnene Zweikämpfe (75% in der Luft), sechs klärende Aktionen.
Bei Liverpool-Coach Jürgen Klopp steht Skrtel auf der Abschussliste. Ob "The Normal One" jetzt noch einmal umdenkt?
5. Russland eine bittere Enttäuschung
Was die "Sbornaja" bei diesem Turnier ablieferte, grenzte bisweilen an Arbeitsverweigerung. Ohne Herz und Leidenschaft, dazu eklatante Probleme in der Defensive bis hin zu Auflösungserscheinungen gegen Wales.
Zum dritten Mal in Folge scheitert Russland bereits in der Vorrunde eines großen Turniers. Ohne radikalen Umbruch wird sich das auch in Zukunft nicht ändern. Der Rücktritt von Trainer Leonid Sluzki ist ein Anfang.
Bezeichnend: In der 52. Minute verließ Kapitän Roman Shirokov den Platz, der erst 20 Jahre alte Aleksandr Golovin betrat den Rasen - und begab sich auf die verzweifelte Suche nach einem Abnehmer für die Kapitänsbinde. Gleich drei seiner Mitspieler lehnten ab, am Ende erbarmte sich Torhüter Igor Akinfeev. In der Kreisliga läge die Vermutung nahe, dass sich die Kollegen vor dem Kapitäns-Einstand drücken wollten.
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