EM 2016 - Joachim Löw unter Druck: Die 5 Brennpunkte im DFB-Team

Der Weltmeister spielt bei der EM 2016 noch nicht weltmeisterlich. Zeit für Joachim Löw, zu reagieren. Auf den Bundestrainer kommt eine Menge Arbeit zu. In kürzester Zeit muss Löw die Offensiv-Abteilung wieder in Schwung bringen, nachdem er die Abwehrprobleme gelöst hat. Die gute Nachricht ist, hinten steht die Null. Aber im Angriff klemmt die Säge - und es gibt noch weitere Probleme.

Eurosport

Fotocredit: Eurosport

Aus Evian berichtet Dirk Adam

Kontrovers: Boateng gegen Özil

Nach dem schwachen Spiel gegen Polen (0:0) schlug Jérôme Boateng mit der Faust auf den Tisch. Einzig der Innenverteidiger wagte es, seine Mitspieler öffentlich zu kritisieren. Das schmeckte Mesut Özil überhaupt nicht, denn Boateng legte seinen Finger tief in die Wunde und schimpfte:
Özil konterte süffisant:
Zwischen beiden rappelte es im Karton. Der Frustfaktor ist bereits nach dem zweiten Vorrundenspiel hoch. Pikant ist, dass Löw sich hinter Boateng stellte. Ebenso wie Teammanager Oliver Bierhoff. Ihre Rückendeckung für Boateng schwächt die Position von Özil, der noch nicht überzeugte.
Aber Özil ist Spielmacher. Er benötigt das Vertrauen von Löw.

EM-Fluch: Müller im Formtief

Den Bayern-Angreifer wurmt es gewaltig, dass er in den ersten beiden EM-Spielen nicht getroffen hat. Noch mehr ärgert Müller, dass er gegen die Ukraine und gegen Polen nicht einmal eine Torchance hatte. Ihn scheint ein klebriger Fluch zu begleiten, denn Müller traf in den letzten sieben EM-Spielen nicht.
Müller meinte:
Fest steht, dass er seine Leichtigkeit verloren hat. Auf der rechten Angriffsseite kommt Müller nicht mehr zu Torchancen, selbst wenn er in die Mitte zieht. Der Raumdeuter und Freidenker wirkt mental blockiert. Seine Aktionen am Ball blieben in den ersten beiden Spielen rätselhaft und unbeholfen.
Zeit für Löw, seinen besten Mann besser ins Spiel einzubinden. Dafür muss die Mannschaft Pass- und Laufwege einstudieren, um weniger ausrechenbar zu sein. Keine leichte Aufgabe für Löw bis zum nächsten Spiel am Dienstag (21:00 Uhr im LIveticker) gegen Nordirland. Daran wird sich Löws Arbeit messen lassen müssen.

Sturmflaute: Götze oder Gomez?

Mario Götze oder Mario Gomez im Sturm? Diese Frage beschäftigt Löw seit Beginn des Turniers. Bisher hat sich Löw immer für den WM-Finaltorschützen entschieden. Aber Götzes EM-Entwicklung stagniert. Nach dem ersten Spiel gegen die Ukrainer knickte seine Formkurve gegen Polen ab.
Löw nahm ihn in der 66. Minute vom Feld und brachte André Schürrle rein. Götze selbst reagierte gelassen auf die Kritik:
Anstatt Götze hätte Gomez eine Chance verdient in der Startelf aufzulaufen. Immerhin schoss er Besiktas mit 22 Toren zur türkischen Meisterschaft. Der Ex-Stuttgarter befindet sich in der Form seines Lebens - zumindest im Früh-Herbst seiner Karriere. Bei der EM 2012 traf er immerhin drei Mal.
Löw selbst betonte, dass es gegen defensiv stehende Nordiren "durchaus Veränderungen geben" kann. Vielleicht ein Signal an Gomez, das Sturmproblem endlich zu lösen.

Kritik: Zu viele Defensiv-Spieler

Während Löw auf den pfeilschnellen Karim Bellarabi verzichtete und mit Müller nur einen rechten Mittelfeldspieler im Team hat, stehen mit Bastian Schweinsteiger, Toni Kroos, Sami Khedira, Emre Can, Joshua Kimmich und Julian Weigl gleich sechs defensive Mittelfeldspieler im Kader.
Zwar hat Löw mit Leroy Sané, Julian Draxler und Schürrle drei Spieler, die auf der rechten Angriffsseite spielen könnten. Aber seine Optionen sind beschränkt. Kommt seine Offensive in den nächsten Spielen nicht in Schwung, könnte seine EM-Kadernominierung in die Kritik geraten.
Und damit Löw selbst, der nach Angriffslösungen sucht:
Eine Lösung wäre, Weigl oder Kimmich neben Kroos auf die Doppelsechs zu setzen, um mehr Angriffsdruck zu entfachen.

Mittelmaß: Höwedes offensiv schwach

Dieser WM-Held hat eigentlich keine Kritik verdient. Benedikt Höwedes war einer der Erfolgsgaranten bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Einziger Unterschied - als linker Außenverteidiger. Bei der EM in Frankreich muss der Allrounder nach langer Verletzungspause auf der rechten Seite ran.
Defensiv erledigt der Schalke-Profi seine Aufgaben gut. In zwei Vorrundenspielen gab es noch kein Gegentor. Aber offensiv klemmt die Säge. Das Zusammenspiel mit Müller auf der rechten Seite funktioniert nicht. Höchste Zeit für den Bundestrainer, auf dieser Position nach Alternativen zu suchen.
Löw sagte:
Noch muss Höwedes nicht um seinen Stammplatz bangen. Wenn sein Spiel nach vorne weiter Mittelmaß bleibt, muss sich Löw ernsthafte Gedanken machen. Als Alternativen stehen Kimmich und Can bereit. Beide sind offensiv stärker als Höwedes - der in Löws Viererkette (noch) in der Startelf steht.
Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung