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EM 2016 - Portugal erstmals Europameister, Frankreich am Boden
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Publiziert 10/07/2016 um 23:32 GMT+2 Uhr
Portugal hat Frankreich im Finale der EM 2016 mit 1:0 (0:0, 0:0) nach Verlängerung geschlagen und damit den ersten großen Titel seiner Fußball-Geschichte gewonnen. Éder gelang vor 75.868 Zuschauern im Stade de France in der 109. Minute der entscheidende Treffer für die Portugiesen, die in der 25. Minute Superstar Cristiano Ronaldo verletzungsbedingt ersetzen mussten.
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Fotocredit: Eurosport
Die Lehren:
Für den neutralen Zuschauer war es sicherlich ein gutes Finale. Kein Abtasten, kein Warten, von Anfang an Vollgas. Vier Torchancen in den ersten zehn Minuten, dazu das Foul gegen Ronaldo. Von hoher Qualität zeugte dieser unterhaltsame Beginn jedoch nicht.
Es waren vor allem individuelle und taktische Fehler, die die jeweiligen Gegenspieler zu Möglichkeiten einluden. Vor allem die Portugiesen spielten im Mittelfeld einige Fehlpässe, aus denen Frankreich mehr hätte machen müssen. Die Auswechslung Ronaldos zur Mitte der ersten Hälfte tat ihr Übriges, das Spiel flachte deutlich ab.
Portugals Probleme waren vor allem in den zu großen Abständen zwischen Viererkette und Mittelfeld begründet. Sowohl der Sechser Williams Carvalho als auch die drei offensiveren Mittelfeldspieler standen zu weit von ihren Hintermännern entfernt, sodass sich Frankreich im gefährlichen Raum 30 Meter vor dem Tor Chancen erspielen konnte. Besonders Moussa Sissoko freute sich über den unerwarteten Platz.
Trotz des Übergewichts fiel den Franzosen lange nicht ein, wie sie sich zwingende Chancen herausspielen sollten. Die Hereinnahme von Kingsley Coman nach knapp einer Stunde wirkte dann wie ein Aufputschmittel: Erste Torschussvorlage nach 30 Sekunden, zweite nach acht Minuten, kurz danach probierte er es selbst.
Die Stimmen:
Didier Deschamps (Trainer Frankreich): "Die Enttäuschung ist enorm. Wir haben eine große Chance ausgelassen. Es gibt keine Worte, um dieses Gefühl zu beschreiben. Man braucht Zeit, dies zu verdauen."
Éder (Siegtorschütze): "Das ist beeindruckend, was uns gelungen ist. Wir haben viel Kraft in das Spiel gesteckt. Ganz Portugal stand hinter uns. Wir waren der glückliche, aber auch verdiente Gewinner. Ich widme das Tor meiner Mentaltrainerin."
Renato Sanches (Mittelfeldspieler Portugal): "An alle Portugiesen: Feiert! Ronaldo ist sehr wichtig, aber wir haben andere gute Spieler. So ist Fußball. Eder wurde immer kritisiert, und dann trifft er. Das war die bestmögliche Antwort an alle, die nicht an uns geglaubt haben."
Raphael Guerreiro (Abwehrspieler Portugal): "Das ist der beste Moment meiner Karriere. Ich glaube, ich träume. Ich kann das gar nicht glauben. Ich spiele in Frankreich und dann hier zu gewinnen, ist spektakulär."
Cedric (Abwehrspieler Portugal): "Dieses Team hat allen Kritikern getrotzt. Jetzt haben wir die Trophäe, fantastisch."
Das fiel auf: Sissoko's on fire
Moussa Sissiko war richtig heiß in seinem ersten großen Finale. Der Mittelfeldmann von Newcastle United spielte nicht verkrampft, sondern vielmehr richtig freudig auf. Immer wieder rückte der 26-Jährige von der rechten Seite ins Zentrum oder sogar auf die halblinke Seite und sorgte dort für Überzahl. Sissoko pflügte mit seinen raumgreifenden Schritten das Mittelfeld, schloss allein im ersten Durchgang dreimal ab und war für Portugals Defensive fast nie zu packen.
Der Tweet zum Spiel:
Der Portugiese, der sonst so häufig verspottet und verachtet wird, hat in den sozialen Netzwerken viel Mitleid und Zuspruch erfahren. Einfach bitter, auf diese Weise aus so einem wichtigen Spiel genommen zu werden.
Die Statistik: 1 von 7
Portugal hat im gesamten Turnierverlauf nur eines von sieben Spielen nach den regulären 90 Minuten gewonnen - beim 2:0 im Halbfinale gegen Wales. In der Vorrunde gab es drei Unentschieden, im Halbfinale besiegten die Iberer die Kroaten nach Verlängerung und im Viertelfinale wurde Polen erst nach Elfmeterschießen niedergerungen. Im Finale dann wieder 0:0 nach 90 Minuten und der Lucky Punch durch Éder in der Verlängerung.
Die Höhepunkte:
8.: Hartes Einsteigen von Payet gegen Ronaldo. Überhart, der Superstar Portugals bleibt mit Schmerzen liegen. Clattenburg legt die Szene sehr großzügig aus.
10.: Großchance Griezmann. Portugal lädt den Gastgeber mit dem nächsten Fehlpass ein, Flanke auf Griezmann, der aus 16 Metern auf das Tor köpft. Rui Patrício lenkt den Ball gerade noch über das Tor.
25.: Großchance Griezmann. Portugal lädt den Gastgeber mit dem nächsten Fehlpass ein, Flanke auf Griezmann, der aus 16 Metern auf das Tor köpft. Rui Patricio lenkt den Ball so gerade noch über das Tor.
34.: Nächster Chance Sissoko. Der 26-Jährige wird im Strafraum angespielt, dreht sich um den Gegenspieler und hält mit rechts von der linken Seite drauf. Rui Patricio kann jedoch abwehren.
66.: Das muss es sein: Coman flankt von links in den Strafraum, Griezmann steigt wunderbar hoch, setzt den Kopfball aus fünf Metern aber knapp drüber. Die beste Chance des Spiels.
75.: Giroud mit einem harten Rechtsschuss von der linken Seite, doch Rui Patrício rettet in höchster Not. Portugal kann mit dem 0:0 mittlerweile wirklich zufrieden sein.
80.: Beste Chance für Portugal: Nanis Flanke geht versehentlich auf's Tor, Lloris klatscht nur ab und Quaresma nimmt den Ball als Fallrückzieher. Doch im zweiten Versuch packt Lloris zu.
90.+2: Gignac! Pfosten! Das wäre der Lucky Punch für Frankreich gewesen. Gignac bekommt den Ball links im Strafraum, vernascht Pepe und schießt an den kurzen Pfosten. Das muss das 1:0 sein.
108.: Guerreiro, Latte! Der BVB-Neuzugang nagelt den Freistoß aus 19 Metern über die Mauer an den Querbalken. Herrlicher Schuss!
109.: TOOOR für Portugal! Éder hält aus 25 Metern drauf, Lloris streckt sich vergeblich und der Ball schlägt unten links ein.
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