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Defensive Unordnung gegen England: Ohne Abwehrchef Jérôme Boateng geht nix!
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Publiziert 27/03/2016 um 09:14 GMT+2 Uhr
Abwehrchef Jérôme Boateng hätte der Nationalmannschaft gegen England sicherlich gut getan. Nach 60 Minuten ging die defensive Ordnung komplett verloren. Beim 2:3 in Berlin verspielte das deutsche Team eine 2:0-Führung und kassierte in der letzten halben Stunde drei Gegentreffer. Grund genug für Joachim Löw vor dem Italien-Spiel, aus dem Testmodus schnellstmöglich einen Gang höher zu schalten.
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Aus Berlin berichtet Dirk Adam
Streicheleinheiten gab`s dieses Mal nur für den Gegner. Bei der Auswechslung von Torhüter Jack Butland (45.+1), der sich kurz zuvor im eigenen Strafraum verletzte, strich ihm Löw beim Abtransport auf einer Trage liebevoll über den Körper. Sein Mitgefühl gehörte dem Engländer.
Zu diesem Zeitpunkt konnte Löw nicht ahnen, was seiner Mannschaft trotz einer 2:0-Führung beim ersten Länderspiel 2016 noch blühen würde. Die Abwehr des Weltmeisters brach nach und nach auseinander, obwohl Toni Kroos (43.) und Mario Gomez (57.) für den Weltmeister trafen.
Nach dem Spiel gestand Löw selbstkritisch ein:
Vor allem Thomas Müller (0 Torschüsse, 53 Ballaktionen, 41 Pässe) und Marco Reus (1 Torschuss, 40 Ballaktionen, 26 Pässe) enttäuschten über die Außenpositionen. "Das war sicherlich nicht das, was wir uns vor dem Spiel vorgestellt hatten", bemerkte ein sichtlich enttäuschter Müller.
Während die deutsche Mannschaft die Bemühungen im Spiel nach vorne mehr und mehr einstellte, drehten die Engländer auf. Harry Kane (61.), Jamie Vardy (74.) und Eric Dier (90.+1). schossen die "Three Lions" im 34. Länderspiel zum 16. Sieg gegen die deutsche Nationalmannschaft.
Für Löw, der dieses Spiel für seinen Erkenntnisprozess im Hinblick auf die Fußball-EM in Frankreich nutzen wollte, wurde eines klar. Mats Hummels und Jérôme Boateng (Sehnenriss) sind in der Innenverteidigung nicht zu ersetzen. Die alternativen Möglichkeiten sind begrenzt.
Anfälligkeit über die Außenpositionen
Zwar feierte Jonathan Tah nach seiner Einwechslung (46. Minute) als 78. DFB-Spieler das Debüt unter Löw, aber gleichzeitig offenbarte die Herausnahme von Hummels eklatante Probleme. Zusammen mit Antonio Rüdiger (8 Länderspiele) fehlten die Automatismen.
"Das ist ein Stück weit unerklärlich. Bis zum 2:0 haben wir richtig gut gespielt, haben aber vielleicht unsere Chancen nicht gut genug genutzt. Danach haben wir zu weit auseinander gestanden, und bei Standards sind die Engländer eben eine Macht", meinte Torschütze Gomez.
Vor allem die Anfälligkeit über die Außenpositionen mit Emre Can und Jonas Hector brachte Rüdiger und Tah immer wieder in Verlegenheit. Nach der "Lehrstunde" gegen England konstatierte Löw mit Blick auf den nächsten Test am Dienstag gegen Italien Steigerungsbedarf.
Boateng wird nach einer Muskelverletzung frühestens Mitte April wieder zur Verfügung stehen. Deshalb muss sich Löw für Italien andere Optionen einfallen lassen. Viele Möglichkeiten hat der Bundestrainer nicht, außer er lässt Innenverteidger Hummels über 90 Minuten spielen.
Mit Boateng über die komplette Spielzeit verlor Deutschland in den letzten sechs Begegnungen nur einmal gegen Irland (0:1). Beim 0:2 gegen Frankreich wurde er nach 45 Minuten ausgewechselt. Im Sommer 2015 gegen die USA (1:2) stand er zwar im Kader, kam aber nicht zum Einsatz.
Darum erklärte Kroos gegenüber Eurosport.de:
Kapitän Sami Khedira legte nach dem Spiel seinen Finger in die Wunde. "Wir wollen Europameister werden. Deswegen war das eine dumme und unnötige Niederlage", schimpfte der Juve-Star, der den verletzten Bastian Schweinsteiger ersetzte. Nach starkem Beginn baute er auch ab.
Zehn Gegentore in den letzten sechs Spielen
Ebenso wie bei den Mitspielern ließ seine Körpersprache immer mehr zu wünschen übrig. Die Bälle im Mittelfeld gingen verloren, der Druck auf die eigene Abwehr stieg stetig. 78 Tage vor dem ersten EM-Vorrundenspiel am 12. Juni in Lille gegen die Ukraine hakte die Defensivarbeit an allen Ecken und Enden.
So kassierte Deutschland zum dritten Mal am Stück wieder zwei oder mehr Gegentore. Allein in den letzten sechs Länderspielen musste Manuel Neuer zehn Mal hinter sich greifen. Beim WM-Triumph in Brasilien kassierte das DFB-Team lediglich vier Treffer in sieben Spielen. Ein eklatanter Unterschied.
Bevor Löw wieder Streicheleinheiten an seine Mannschaft verteilen kann, muss er die Abwehr des Weltmeisters stabilisieren. Ansonsten droht in der EM-Vorbereitung gegen Italien der nächste Rückschlag. Auf Boateng kann Löw aber (noch) nicht zählen. Der Bayern-Profi schaut sich das Spiel in München auf der Tribüne an.
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