Als der große Titeltraum der deutschen U19-Junioren bereits im beschaulichen Aspach geplatzt war, griff Trainer Guido Streichsbier nach dem letzten Strohhalm. Die Mannschaft um den dreifachen Torschützen Philipp Ochs muss nun das letzte Gruppenspiel bei der Heim-EM gegen Österreich gewinnen, um nach dem vorzeitigen K.o. ihr Gesicht zu wahren. "Ich hätte mir gerne das Finale im eigenen Stadion gewünscht", sagte der Hoffenheimer Ochs über das verpasste Endspiel am 24. Juli in Sinsheim, "trotzdem dürfen wir jetzt die Köpfe nicht hängen lassen und müssen weitermachen."
Streichsbier forderte von seinen Spielern, "dass sie in einem Jahr an diese außergewöhnliche EM in der Heimat zurückdenken und dann ein erfolgreiches Turnier spielen". In Südkorea, bei der WM. Zu Hause, bei der Europameisterschaft in Baden-Württemberg, misslang dieses Vorhaben gründlich. In der Arena des Drittligisten SG Sonnenhof Großaspach verlor der Weltmeister-Nachwuchs auch sein zweites Spiel und hat nun keine Chancen mehr auf das Halbfinale.
Um im nächsten Sommer nach Asien reisen zu dürfen, muss am Sonntag (19:30 Uhr live im TV bei Eurosport1 und im Eurosport Player) in Reutlingen ein Sieg gegen Österreich her. Nur dann stünde das DFB-Team am Donnerstag im Play-off-Spiel um die WM-Teilnahme gegen den Dritten der Gruppe B. Streichsbier mit Nachdruck:
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Da muss man dann auch Nehmerqualitäten zeigen. Das gehört zum Entwicklungsprozess dazu und das erwarte ich auch von ihnen.
Gegen Portugal fehlte seiner Mannschaft vor allem die Abgeklärtheit. Nach dem zwischenzeitlichen 2:2 durch Ochs rannte der zweimalige U19-Europameister ungestüm nach vorne und vernachlässigte die Defensive. "Da hätten wir die Formation besser halten müssen", sagte Marvin Mehlem vom Karlsruher SC.

Viele Chancen, keine Tore

Zwar brach die DFB-Auswahl nach den 25 vergebenen Torchancen aus dem Eröffnungsspiel gegen Italien (0:1) den Torfluch, als Ochs die 1:0-Führung besorgte (12.). Doch die beiden weiteren Treffer des Angreifers (67., 90.+3) resultierten aus Foulelfmetern, die übrigen Chancen wurden meist fahrlässig vergeben. Hinzu kamen haarsträubende Fehler in der Abwehr.
"Letztes Jahr ist die Mannschaft mit Top-Spielern auch in der Vorrunde der EM ausgeschieden", sagte Streichsbier, "man kann darüber diskutieren, ob uns solche Spieler gefehlt haben." Im Vorjahr standen unter anderem noch EURO-Teilnehmer Leroy Sané und RB Leipzigs Neuzugang Timo Werner für die U19 auf dem Platz.
Auf vergleichbares Offensivpersonal konnte Streichsbier im aktuellen Jahrgang nicht zugreifen. "Wir wussten das von vornherein und haben die Strategie so gewählt, dass wir die Lasten auf mehrere Schultern verteilen", sagte der 46 Jahre alte Coach. Diese Schultern müssen nun gegen Österreich dem Erfolgsdruck standhalten.
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