Klare Kante: Joachim Löw geht in die Offensive
Joachim Löw hat 20 Tage nach dem 0:6 gegen Spanien in einer Pressekonferenz in Frankfurt am Main mit deutlichen Worten auf die Kritik an seiner Person und die durchgesickerten DFB-Interna reagiert. Der Bundestrainer machte unmissverständlich klar, dass er das Vertrauen des Verbandes genießt und garnierte seine Aussagen mit emotionalen Schlagworten. Löw sprach von Wut, Enttäuschung und Wünschen.
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Vier Minuten nahm sich Joachim Löw Zeit, bevor die Fragen der Journalisten nur so auf ihn einprasselten. Vier Minuten, in denen er die Dinge "ins richtige Licht rücken" wollte, wie er betonte.
Der Bundestrainer ist schwer angeschlagen, wahrscheinlich schwerer als jemals zuvor.
Es ist natürlich nicht die erste Krise, die der 60-Jährige in seiner Funktion als Deutschlands oberster Fußballlehrer durchlebt. 2012 zum Beispiel, nach dem EM-Aus im Halbfinale gegen Italien, blies Löw der Wind scharf ins Gesicht. Er habe sich vercoacht, die falschen Personalentscheidungen getroffen.
"Dieser Schaden wird auch vergehen. Da wird jetzt nicht alles auf den Kopf gestellt", beruhigte der Coach die Fußball-Nation damals - und behielt recht. Zwei Jahre später wurden die Löw-Kicker Weltmeister in Brasilien, schufen mit dem 7:1 im Halbfinale gegen Brasilien 90 Minuten für die Ewigkeit.
Löw: "Motivation nie verloren"
Vier Jahre später herrschte dann schon wieder Alarmstufe schwarz-rot-gold, nachdem die DFB-Auswahl sensationell und sieglos nach der Gruppenphase ausschied. Der Trainer bekam Rückendeckung vom DFB. "Wir wussten, dass es nach der WM einen Umbruch geben würde, egal, wie es ausgeht. Wir haben uns gefragt: Wem trauen wir das zu? Wir trauen Joachim Löw das zu", ließ sich der damalige DFB-Präsident Reinhard Grindel zitieren.
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Negativrekorde für Neuer und Löw: Das DFB-Debakel in Zahlen
Quelle: Perform
Löw traute sich die Aufgabe ebenfalls zu - und tut es noch. "Ich habe meine Motivation nie verloren", stellte er in Frankfurt klar. "Den Gedanken, dass ich zurücktrete, gab es nicht." Der aktuelle DFB-Präsident Fritz Keller soll, so berichteten Medien wie der "Spiegel", versucht haben, Löw von einem Rücktritt nach der EM 2021 zu überzeugen. Ein Jahr früher also, als es der aktuelle Vertrag des Bundestrainers vorsieht. Zwischen Präsident und Trainer seien die Fetzen geflogen, heißt es weiter.
Doch damit nicht genug. Löw fühlt sich vom DFB bloßgestellt, nachdem Interna unabgesprochen nach draußen drangen. "Ich bin damit groß geworden, dass interne Dinge auch intern bleiben. Ich habe mich sehr geärgert, dass gewisse Dinge nach außen gekommen sind", machte der Coach keinen Hehl aus seinem Ärger.
Die internen Baustellen machen ihm zu schaffen, da sind die Angriffe von außen fast schon ein Klacks. So etwa der Vorwurf von Ex-Nationalspieler Stefan Effenberg, der Löw und den DFB-Verantwortlichen bei "sport1" vorwarf, nach dem 0:6 von Sevilla ein "erbärmliches Bild" in der Öffentlichkeit abgegeben zu haben.
Und auch die jüngsten Nachfragen auf der Pressekonferenz von Frankfurt, wo er denn ob der prekären Lage seine Motivation hernehmen wolle, fällt in die Rubrik Kritik.
Löw spricht Machtwort
Man muss Löw zugutehalten, dass er durchaus den Eindruck vermittelte, mit seinem Latein nicht am Ende zu sein. Er habe "Vorstellungen und klare Ziele", spüre, "dass die Spieler wollen". Dies, so der Bundestrainer, sei das Wichtigste, um die Zukunft erfolgreich zu gestalten.
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Haben Sie Sorgen um ihren Job, Herr Löw?
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Dennoch dürfte die auf 2021 verlegte Europameisterschaft Löws letzte Schlacht werden, und er will sie unbedingt gewinnen. Die Planungen laufen schon jetzt auf Hochtouren, was aber nicht zwingend mit Erklärungen seinerseits einhergehen müsse. "Ich bin der Trainer und ich rede, wenn ich reden muss", stellte der 60-Jährige jetzt klar.
Für Löw-Verhältnisse ein Machtwort, eine Message, die sich durchaus mit "Ich weiß, was ich tue, und ich bin noch immer der richtige Mann für den Job" übersetzen lässt.
Das Problem: Löw kann auf absehbare Zeit nicht beweisen, dass dem so ist. Für das Jahr 2021 sind noch keine Testspiele terminiert, die EM beginnt für Deutschland am 15. Juni mit der Partie gegen Weltmeister Frankreich. Und so bleibt der letzte Eindruck, die 0:6-Packung in Spanien, haften.
Löw weiß das und es ärgert ihn. "Diese Wut brodelt immer noch in mir persönlich, weil wir wissen, dass wir keine schnelle Möglichkeit haben, dieses Spiel zu korrigieren."
Müller, Boateng, Hummels? Löw reagiert clever
Von daher war es ein cleverer Schachzug des gebürtigen Schwarzwälders, die Frage nach der Wiedereingliederung der gechassten Leistungsträger Thomas Müller, Jérôme Boateng und Mats Hummels offen zu lassen.
"Das Allerwichtigste ist es, im nächsten Jahr zu entscheiden, was die Mannschaft beim Turnier im kommenden Jahr braucht. Da sind nicht immer nur sportliche Dinge entscheidend. Wegen Müller, Boateng und Hummels entscheiden wir im Trainerteam erst vor der Nominierung."
Damit entgeht Löw in den kommenden Monaten eventuellen Vorhaltungen, er begehe mit der Nichtberücksichtigung des Star-Trios einen Fehler. Der Trainer verschafft sich eine geraume Zeit mehr Ruhe, um sich auf die EM-Vorbereitung zu fokussieren.
Ob es am Ende seine letzte Schlacht wird? "Nach dem Turnier wird Bilanz gezogen", sagte Löw. Wohlwissend, dass ihm wohl nur der Titel wirklich hilft.
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Keine Chance bei der EM? Von wegen! So könnte Löw aufstellen
Quelle: Eurosport
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