Die Europameisterschaft steht vor der Tür. Im vergangenen Jahr musste das Turnier noch wegen der Corona-Pandemie verschoben werden, doch mit zwölf Monaten Verspätung kann es endlich losgehen.
Eurosport wirft im Vorfeld des paneuropäischen Turniers einen Blick auf einige EM-Favoriten: Frankreich, Italien, Spanien, England und Deutschland.
Beim letzten Turnier, der Weltmeisterschaft in Russland 2018, schieden die DFB-Stars blamabel in der Vorrunde aus.
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Hat die Rückkehr von Thomas Müller und Mats Hummels den erwünschten positiven Effekt? Und kann sich Joachim Löw nach 15 Jahren mit dem EM-Titel verabschieden?

Der Kader

Es gibt keine wirklichen Überraschungen. Die Nominierung von Thomas Müller und Mats Hummels wurde erwartet. Auch dass Jérôme Boateng im Kader fehlt, war eigentlich im Vorfeld klar.
Einzig die Berufung von Kevin Volland kam etwas überraschend. Sein letztes Länderspiel absolvierte er im Jahr 2016. Dass Marc-André ter Stegen wegen einer Knie-Operation die EM verpasst, spielt ebenfalls eher eine untergeordnete Rolle, denn Manuel Neuer ist die klare Nummer eins im deutschen Tor.

Hummels schwärmt von Neuer: "Der Beste, den ich je gesehen habe"

Der Trainer

Joachim Löw steht vor seinem letzten Turnier als Bundestrainer. Seit 2006 ist er im Amt. Der 61-Jährige ist der Nationaltrainer mit den meisten Spielen (194) und meisten Siegen (123) auf dem Buckel. Über 100 Spieler feierten bei ihm ihr Debüt. Er brachte immer wieder junge Talente in die Mannschaft und gilt als sehr guter Kommunikator.
2014 gewann er die Weltmeisterschaft und 2017 den Confederations Cup. Der einzige große Erfolg, der ihm noch fehlt, ist der Titel bei der Europameisterschaft

Der Superstar

Es gibt in der deutschen Mannschaft nicht den großen Superstar. Man könnte sagen: Der Star ist das Team. So war es in der Löw-Ära eigentlich immer. Es gibt jedoch einige Leader, wie etwa Joshua Kimmich.
Er ist nicht nur der Antreiber im Mittelfeld des FC Bayern. Auch nach dem Rauswurf von Thomas Müller, Mats Hummels und Boateng bei der Nationalmannschaft im März 2019 übernahm er eine wichtige Führungsrolle. Er treibt das Team an und bildet meist den defensiveren Gegenpart zu Toni Kroos und Leon Goretzka. Bei der EM könnte er aber auf der rechten Verteidigerseite aushelfen. Gegen Lettland (7:1) testete Löw diese Variante aus.

Der Nachwuchsstar

Es gibt vor allem zwei jüngere Spieler, die im Fokus stehen: Kai Havertz und Jamal Musiala. Letzterer hatte eine großartige erste Saison bei den Bayern (39 Spiele). Seine Technik ist herausragend. Er ist einer der wenigen Ballvirtuosen im deutschen Team und feierte erst kürzlich sein Nationalmannschaftsdebüt. Daher könnte Musiala zunächst ein guter Joker sein.
Auch Havertz hat bisher noch keine tragende Rolle beim DFB gespielt. Er ist zwar erst 21 Jahre alt, aber trotzdem schon sehr erfahren. Fast 150 Erstligaspiele absolvierte er für den FC Chelsea und Bayer Leverkusen. Nach seinem Siegtor im Champions-League-Finale wird er im siebten Himmel sein und könnte somit für Löw wichtig werden. Im letzten Testspiel bereitete unter anderem zwei Tore vor.

Ein Spieler, der noch (eher) unbekannt ist

Robin Gosens und Kevin Volland sind zwei Spieler, die bisher unter dem Radar fliegen. Bei Volland hat das vor allem mit seinem Wechsel nach Frankreich zu tun, wo er für die AS Monaco eine gute Saison absolvierte. Er könnte in engen Spielen zum Joker im Sturm werden.
Gosens feierte bei Atalanta Bergamo in den vergangenen Jahren große Erfolge. Das hat ihn auch in Deutschland weiter ins Rampenlicht gerückt. Als Linksverteidiger hat er gute Chancen bei der EURO regelmäßig zu spielen. Diese Position ist im deutschen Team eher schwach besetzt. In den EM-Vorbereitungsspielen zeigte Gosens zudem starke Leistungen. Gegen Lettand (7:1) erzielte der 26-Jährige sein erstes Länderspieltor und bereitete einen weiteren Treffer vor.

Robin Gosens (L.) and Thomas Müller

Fotocredit: Getty Images

So könnten sie spielen

Löw spielt meist in einem offensiven 4-3-3- oder zuletzt auch 3-4-2-1-System. Der Angriff ist vollgepackt mit großartigen Spielern: Serge Gnabry, Leroy Sané, Timo Werner, Havertz, Müller oder Musiala. In der Offensive ist daher wieder viel Rotation möglich.
Das Mittelfeldzentrum wird vermutlich von Kroos und Ilkay Gündogan organisiert. Goretzka ist nämlich weiter angeschlagen. Kimmich könnte wie bereits gegen Lettland auf der rechten Abwehrseite spielen. Die Rückkehr von Hummels stabilisiert vielleicht die zuletzt sehr wacklige Defensive. Vergessen sollte man auch nicht den wichtigen Rückhalt im Tor: Manuel Neuer, der wohl beste Torhüter der Welt.

Prognose

In der Gruppenphase bekommt es das deutsche Team unter anderem mit Weltmeister Frankreich und Europameister Portugal zu tun. Sollte die DFB-Elf diese Todesgruppe überstehen, ist vieles möglich. Die deutsche Mannschaft schied zwar bei der WM 2018 in der Vorrunde aus, doch das könnte auch Ansporn sein, um sich zu rehabilitieren. Die letzten Testspiele machen zumindest Hoffnung.
Müller und Hummels bringen zudem eine gehörige Portion Turniererfahrung mit - etwas, das vielen jungen Spielen im Team noch fehlt. Es ist auch das letzte Turnier von Löw. Als Abschiedsgeschenk wäre der EM-Titel natürlich ideal.
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