Große Überraschung in Frankreich: Didier Deschamps nimmt Reals Karim Benzema mit zur EM. Und das, obwohl der Weltmeistercoach den 33-jährigen Angreifer für die beiden letzten großen Weltturniere nicht nominiert hatte.
Benzema war seit einem Erpressungs-Skandal um ein Sextape im Oktober 2015 nicht mehr Teil der Équipe Tricolore, bei der paneuropäischen EM soll er nun neben Superstar Kylian Mbappé (Paris Saint-Germain) und Antoine Griezmann (FC Barcelona) für Tore sorgen.
Aus der Bundesliga steht das Bayern-Quartett Lucas Hernández, Benjamin Pavard, Corentin Tolisso und Kingsley Coman im Aufgebot, auch Marcus Thuram von Borussia Mönchengladbach ist dabei. Frankreich ist am 15. Juni in München erster Gruppengegner Deutschlands.
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Benzema muss sich vor Gericht verantworten

Eine Rückkehr Benzemas schien jahrelang äußerst unwahrscheinlich, weil auch die juristische Aufarbeitung noch nicht abgeschlossen ist: Benzema wird sich im kommenden Herbst vor Gericht verantworten müssen, der Prozess soll im Oktober stattfinden.
Es geht um Mittäterschaft bei einem Erpressungsversuch. Der 81-malige Nationalspieler soll seinen früheren Mitspieler Mathieu Valbuena dazu gedrängt haben, Dritte zu bezahlen, die mit der Veröffentlichung eines intimen Videos drohten.
Nach seiner Nichtberücksichtigung für die EM 2016 beklagte er zudem öffentlich, Trainer Deschamps habe sich "dem Druck eines rassistischen Teils Frankreichs gebeugt". Vor der WM 2018 sagte Benzema, er werde unter diesem Trainer keine Chance auf eine Rückkehr haben.

Karim Benzema ist zurück im französischen Nationalteam

Fotocredit: Eurosport

Benzema und Deschamps mit Aussprache

Deschamps betonte nun, dass die Interessen der Nationalmannschaft "über allem" stünden. Um "zu dieser Entscheidung zu gelangen", seien dennoch "einige Schritte" notwendig gewesen.
"Wir haben uns getroffen und wir haben ausführlich miteinander gesprochen. Das war der wichtigste Schritt. Danach habe ich lange überlegt und bin zu dieser Entscheidung gekommen. Ich werde allerdings kein Wort von unserem Gespräch preisgeben, das betrifft nur uns beide", erklärte Deschamps seine Entscheidung.
Seit Herbst 2015 war der Kontakt zwischen Deschamps und Benzema abgebrochen. Doch der 52-jährige Trainer hatte die Tür für den Real-Stürmer nie endgültig geschlossen. Bei seiner Rückkehr in die Équipe Tricole wird Benzema mit der Nummer 19 auflaufen.

Deschamps "ignoriert persönliche Ebene"

"Ich bin schon mit schwierigen Situationen als Nationaltrainer konfrontiert worden und habe dabei die persönliche Ebene ignoriert", erklärte Deschamps, der bereits im September Adrien Rabiot zurückgerufen hatte, obwohl sich der Juve-Spieler vor der WM 2018 geweigert hatte, sich als Ersatzspieler bereit zu halten.
"Ich will keine Sonderfälle haben. Die französische Mannschaft gehört nicht mir. Auch wenn ich mir der Verantwortung bewusst bin, die ich habe durch die Entscheidungen, die ich treffen muss", so Deschamps weiter.
Die Rückkehr des Superstars von Real Madrid wird die Kräfteverhältnisse im französischen Angriff durcheinanderwirbeln. Insbesondere der unter Deschamps bislang gesetzt Olivier Giroud muss um seinen Stammplatz bangen. "Es gibt immer einen Wettbewerb", machte der Coach deutlich.
Frankreich spielt zum EM-Auftakt gegen Deutschland, weitere Gegner in Gruppe F sind Ungarn und Titelverteidiger Portugal.

Der französische EM-Kader in der Übersicht

Tor: Hugo Lloris, Mike Maignan, Steve Mandanda.
Abwehr: Lucas Digne, Léo Dubois, Lucas Hernández, Presnel Kimpembe, Jules Koundé, Clément Lenglet, Benjamin Pavard, Raphaël Varane, Kurt Zouma.
Mittelfeld: N'Golo Kanté, Thomas Lemar, Paul Pogba, Adrien Rabiot, Moussa Sissoko, Corentin Tolisso.
Angriff: Wissam Ben Yedder, Karim Benzema, Kingsley Coman, Ousmane Dembélé, Olivier Giroud, Antoine Griezmann, Kylian Mbappé, Marcus Thuram.
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(mit SID)

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