Deutsche Nationalmannschaft unterliegt der Türkei: Neue Diskussion um Ilkay Gündogan und Joshua Kimmich

Nach einem ordentlichen Start ließ sich die deutsche Nationalmannschaft bei der 2:3-Pleite in Berlin von der Türkei förmlich überrennen. Einmal mehr gab Deutschland ein Spiel aus der Hand, weil die nötige defensive Stabilität gegen einen aggressiven Gegner nicht vorhanden war. Das lenkt den Fokus zwangsläufig auf die Spieler im zentralen Mittelfeld: Ilkay Gündogan und Joshua Kimmich.

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Quelle: SID

Kevin Trapp kennt sich aus mit "Heimspielen", die auswärts stattfinden. Auf dem Weg zum Titel in der Europa League 2022 stürmten rund 30.000 Fans von Eintracht Frankfurt im Viertelfinal-Rückspiel ins Camp Nou in Barcelona. Die "Gäste" gewannen 3:2 und warfen den großen Favoriten aus dem Wettbewerb.
Ein erzürnter Barça-Präsident Joan Laporta wetterte im Nachgang, dass sich so "eine Schande" nie mehr wiederholen dürfe und man das Ticketvergabesystem grundlegend verändern werde.
Am Samstagabend erlebte Trapp in Berlin genau das Gegenteil. Das Olympiastadion war in der Hand von zehntausenden türkischen Anhängern, erneut gewann die "Auswärtsmannschaft" 3:2.
Deutschlands Torhüter wollte die Atmosphäre nicht als Grund für die Lethargie der DFB-Auswahl ab der 20. Minute gelten lassen. "Aber klar", schränkte Trapp ein, "vielleicht hat in der ein oder anderen Situation dieses Emotionale, was dann auch von den Rängen kommt, auf dem Platz den Unterschied gemacht."

Gündogan und Kimmich gegen die Türkei überfordert

Die Deutschen wurden bei eigenem Ballbesitz vehement ausgepfiffen - einer ganz besonders: Ilkay Gündogan, dessen Eltern und Großeltern aus der Türkei stammen. Dabei hatte Gündogan im Vorfeld der Partie seine Verbundenheit mit der Türkei betont. Emotional eines der anspruchsvollsten Spiele seiner Karriere.
Es war aber noch aus einem anderen Grund ein gebrauchter Abend für Gündogan. Als Kapitän war er nicht in der Lage, die Mannschaft gegen leidenschaftliche Türken durch das Spiel zu navigieren und ihr aus seiner Position im zentralen Mittelfeld heraus die nötige Stabilität zu verleihen.
Ihm fehlte dabei die nötige Unterstützung seines Partners im Zentrum. Gündogan und Joshua Kimmich schafften es im Verbund mit Ausnahme der Anfangsphase nicht, das deutsche Spiel zu ordnen, im richtigen Moment zu beruhigen und die Lücken in der Rückwärtsbewegung gegen aggressive Türken zu schließen.
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"Holding Six?" Weder Kimmich, noch Gündogan

"Gündogan und Kimmich, das hat man auch bei der WM gesehen, passen meiner Meinung nach auf der Doppelsechs nicht zusammen, weil sie sich zu ähnlich sind. Sie tun sich gegenseitig nicht gut", analysierte "RTL"-Experte Lothar Matthäus. Die Kritik des Rekordnationalspielers richtet sich auf die Frage, wer von beiden Sechser und wer Achter ist.
Eine Diskussion, die Kimmich bestens aus dem Verein kennt. Seit Monaten wird im Umfeld des FC Bayerns Kimmichs Fähigkeit als defensiv denkender Sechser infrage gestellt, weil er - im Auftrag von Trainer Thomas Tuchel - auch mehrere offensive Aufgaben (Standards, Chipbälle) übernehmen soll.
Auch Gündogan ist nicht die geeignete "Holding Six", die es gegen die Türken gebraucht hätte. In seiner so erfolgreichen Zeit bei Manchester City räumte der Spanier Rodri hinter Gündogan auf.

Pascal Groß und Leon Goretzka empfehlen sich

Ob Joachim Löw, Hansi Flick oder jetzt auch Julian Nagelsmann - keinem Bundestrainer ist es nachhaltig gelungen, ein funktionierendes Mittelfeld mit dem Duo Gündogan/Kimmich hinzubekommen. Auf der USA-Reise musste Nagelsmann den erkrankten Kimmich ersetzen und verhalf dadurch Pascal Groß zu einer Menge Lorbeeren.
Weil er aber Kimmich fest als Mittelfeldspieler einplant (und nicht als Rechtsverteidiger), war Nagelsmann gegen die Türkei früh auf das Pärchen Gündogan/Kimmich festgelegt. Es hat - mit Verlaub - einmal mehr nicht gut funktioniert.
Das hat auch der Bundestrainer erkannt. "Ich halte von beiden extrem viel, das ist das Allerwichtigste. Aber natürlich müssen wir immer auch gucken, was der Gegner uns anbietet und was das Spiel verlangt. Einem Spieler einen Freifahrtschein zu geben, da sehe ich die Sinnhaftigkeit nicht dahinter. Jeder ist eingeladen, sein Bestes zu geben und demnach stelle ich auf. Und dann müssen wir schauen, dass es passend zum Gegner gut funktioniert", sagte Nagelsmann.
An Gündogan kommt er jedoch nicht vorbei - als Kapitän ist der 33-Jährige klarer Fixpunkt. Das gilt - spätestens nach dem Türkeispiel - aber nicht für Kimmich. Groß empfahl sich auf der USA-Reise, beim FC Bayern zeigte zuletzt Leon Goretzka in Kimmichs Abwesenheit starke Leistungen.
Auf dem Weg zur Heim-EM 2024 muss Nagelsmann mit seinem Trainerteam noch einige Baustellen abarbeiten. Die im zentralen Mittelfeld erfordert besonders viel Aufwand.
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Quelle: SID

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