Deutschland - Ukraine | Drei Dinge, die auffielen: Sehr viel Aufwand für wenig Ertrag im EM-Test
Update 04/06/2024 um 02:39 GMT+2 Uhr
Erster Dämpfer für die deutsche Nationalmannschaft auf dem Weg zur EM 2024. Gegen die Ukraine ist die DFB-Elf zwar über 90 Minuten die überlegene Mannschaft, lässt im Abschluss aber einmal mehr Kaltschnäuzigkeit vermissen. Defensiv werden dazu Schwächen offensichtlich. Außerdem rollt eine Debatte um Kapitän Ilkay Gündogan auf das Team und Trainer Julian Nagelsmann zu. Drei Dinge, die auffielen.
Nagelsmann legt Finger in Wunde: Müssen Abschlusstärke trainieren
Quelle: Perform
Die deutsche Nationalmannschaft ist zum Start in die heiße Phase der EM-Vorbereitung nicht über ein 0:0 gegen die Ukraine hinausgekommen. In Nürnberg hatte das DFB-Team vor allem in der zweiten Hälfte eine Reihe guter Chancen, ließ diese aber teilweise kläglich liegen.
Am Freitag steht in Mönchengladbach das abschließende Testspiel vor der EM gegen Griechenland auf dem Programm (20:45 Uhr im Liveticker) - letzte Chance um Schwachstellen abzustellen.
Drei Dinge, die uns beim 0:0 der deutschen Nationalmannschaft gegen die Ukraine auffielen:
1. Sehr viel Aufwand für wenig Ertrag
Euphorie ist eines der Lieblingsworte der DFB-Verantwortlichen mit Blick auf die anstehende Heim-EM. Dass die Mannschaft ihren Teil zur gewünschten Euphorie im Turnier beitragen will, wurde auch gegen die Ukraine deutlich.
In den guten Phasen der Partie agierte die DFB-Elf mit hoher Intensität und aggressivem Pressing. Der Ball wurde schnell bewegt, die Dribbler suchten das Eins-gegen-eins und verlorene Bälle wurden rasch zurückerobert. Der grundsätzliche Einsatz stimmte, was auch das Publikum in Nürnberg mit ins Boot holte.
"Wir haben über weite Strecken ein gutes Spiel gemacht. Die ersten 20 Minuten waren sehr, sehr gut, da müssen wir in Führung gehen", sagte Julian Nagelsmann nach der Partie in der "ARD". "Auch die 20 Minuten nach der Pause waren wir richtig gut."
Allerdings stand dem hohen Aufwand, den die Mannschaft betrieb, ein überschaubarer Ertrag gegenüber. Torchancen wurden zum Teil kläglich vergeben (Gündogan, Undav), manchmal war es Pech, wie beim starken Einwechselspieler Maximilian Beier. Vieles wirkte noch hektisch und wenig strukturiert, zu oft wollten die Spieler mit dem Kopf durch die Wand. Auch segelten sehr viele Halbfeldflanken in den Strafraum, die zwar ab und an für Gefahr sorgten, aber zum Großteil von den ukrainischen Innenverteidigern locker weggeköpft wurden.
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Nagelsmann: "Keiner hat EM-Aus verdient"
Quelle: Perform
Offensichtlich wurde auch die Anfälligkeit des mutigen DFB-Stils für Konter, sobald das Pressing nicht griff. Vor allem in Joshua Kimmichs Rücken fanden die Ukrainer immer wieder große Räume für ihre Gegenstöße und kamen so zu guten Chancen. Ob die defensive Stabilität gegen stärkere Gegner ausreicht, ist eine der großen Fragen für das Turnier.
Insgesamt bestätigte die Partie die Einschätzung von Nagelsmann, die er im Rahmen der Kadernominierung vornahm. Während des Lehrgangs im März sei eine Struktur gewachsen, meinte der Bundestrainer, diese sei aber "immer noch fragil". Wie robust das Gebilde in der Härte des Turniermodus ist, werden die kommenden Wochen zeigen.
2. Es droht eine Gündogan-Debatte
Torchancen waren anfangs Mangelware bei der deutschen Nationalmannschaft. Die beste in der ersten Halbzeit hatte nach einer Viertelstunde sicherlich Ilkay Gündogan, der nach einer Flanke von Groß den Ball aus vier Metern nicht per Kopf ins Tor wuchtete, sondern mit dem Knie für Ukraines Torhüter Trubin stoppte.
Es war mal wieder eine sinnbildliche Aktion für Gündogan, der im DFB-Dress immer deutlich weniger präsent und torgefährlich agiert als für seine Vereine.
Auch gegen die Ukraine lief das Spiel weitgehend an ihm vorbei. 31 Ballkontakte in 45 Minuten sind ein durchschnittlicher Wert und während seine Offensivkollegen Jamal Musiala und Florian Wirtz mit ihren Dribblings zumindest immer wieder für Unruhe beim Gegner sorgten, blieb der Kapitän ohne großen Einfluss auf das Spiel.
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DFB-Kapitän Ilkay Gündogan im Testspiel gegen die Ukraine
Fotocredit: Getty Images
Seine Auswechslung zur Halbzeit mag der Belastungssteuerung geschuldet gewesen sein, aber Nagelsmann muss auch damit rechnen, dass die frühzeitige Herausnahme seines Kapitäns Fragen nach sich ziehen wird.
Zumal Gündogan erst kürzlich von zwei erfolgreichen Vorgängern infrage gestellt wurde. "Es ist die spannende Frage, wie man ihn integrieren kann in die Mannschaft. Wo ist der Platz für ihn?", sagte Philipp Lahm, Weltmeisterkapitän von 2014 bei "Sport1" - "er ist der Kapitän, wie fügt man ihn ein?" Und Lothar Matthäus meinte in der "Bild am Sonntag": "Toni Kroos ist das Gesicht der Mannschaft, der Schlüsselspieler und verlängerte Arm des Trainers. Er ist der gesetzteste von allen Nationalspielern. Und weil er und Gündogan ähnlich spielen, muss Gündogan wahrscheinlich zurückstehen."
Man darf gespannt sein, wie Nagelsmann mit der Gündogan-Debatte umgehen wird und wie der Kapitän selbst darauf reagiert.
3. Beier macht richtig Eindruck
Zentimeter verhinderten das perfekte Debüt von Maximilian Beier. Der Stürmer der TSG Hoffenheim kam in der 59. Minuten für Musiala und hätte mit seinem ersten Ballkontakt fast die Führung erzielt. Sein Schuss prallte vom rechten Innenpfosten aber zurück ins Feld.
Mit aufgerissenen Augen drehte Beier ab, als könne er seinen Blitzstart in die Partie selbst gar nicht fassen. Es blieb nicht bei dieser einen Szene. Beier war ein belebendes Element in der deutschen Offensive und ein Spieler, der mehr Zug zum Tor auf den Platz brachte.
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Maximilian Beier im Trikot der deutschen Nationalmannschaft
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Beier brachte kurz vor Schluss auch seine herausragende Geschwindigkeit aufs Feld, als die Ukraine aufgerückt war und er seinen Gegenspieler mit feinem Trick aussteigen ließ. Der Debütant spielte dann den perfekten Ball in die Tiefe auf Undav, der aber freistehend an Trubin scheiterte.
Mit diesem Auftritt hat Beier seine Ambitionen auf einen Kaderplatz bei der EM massiv unterstrichen. Der Hoffenheimer gilt als Wackelkandidat, schließlich muss Nagelsmann noch einen Spieler aus dem endgültigen Turnierkader streichen. Dass er mit seiner Art das Offensivspiel bereichern kann und als Einwechselspieler offenbar sofort funktioniert, hat Beier in Nürnberg allerdings deutlich gemacht.
Das nötigte auch dem Veteranen Thomas Müller Respekt ab. Beier habe genauso gespielt, "wie man es erwartet", sagte Müller und fügte hinzu: "Man kann jeden verstehen, der sich beim ersten Spiel ins Hemd machen würde, aber das können wir nicht gebrauchen. Wir brauchen die Frische und den Witz der Jungs."
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Nagelsmann "nicht geschockt" wegen Neuer-Patzer
Quelle: Perform
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