Drei Dinge, die bei Deutschlands Testspielsieg vor der EM gegen Griechenland auffielen: Noch nicht völlig losgelöst

Deutschland hat den letzten Test vor dem EM-Start gegen Griechenland gewonnen und somit ein positives Signal gesetzt. Berauschend war der Sieg der DFB-Elf allerdings nicht. Vor allem die erste Halbzeit ließ arg zu wünschen übrig. Bundestrainer Julian Nagelsmann schüttelte oft den Kopf. Zudem gibt es eine Torwart-Diskussion um Manuel Neuer zur Unzeit. Drei Dinge, die auffielen.

"Job erfüllt": Nagelsmann ordnet Testspielsieg nüchtern ein

Quelle: Perform

Die Moral stimmt. Mit ausreichend Siegeswillen und dank Pascal Groß hat die deutsche Nationalmannschaft ihre EM-Generalprobe gerade noch erfolgreich gestaltet.
Der Profi von Brighton & Hove Albion sicherte der Elf von Julian Nagelsmann nach einer mauen ersten Halbzeit ein schmeichelhaftes 2:1 (0:1) gegen Griechenland, doch eine Woche vor dem EM-Auftakt hat der Bundestrainer plötzlich eine Torhüter-Diskussion um Manuel Neuer am Hals.
Der langjährige Kapitän patzte wie zuletzt im Verein auch in Mönchengladbach. Dabei sollte sich Nagelsmanns Endrunden-Elf mit den Rückkehrern Antonio Rüdiger und Toni Kroos für Auftaktgegner Schottland warm spielen und die Begeisterung weiter anheizen.
Doch nach Neuers Patzer und dem 0:1 durch Giorgos Masouras (34.) wurde es erst mit den Wechseln in der zweiten Halbzeit etwas besser. Kai Havertz (56.) glich aus, Benjamin Henrichs traf die Latte (83.), ehe Groß mit seinem ersten Länderspieltor doch noch das ersehnte Erfolgserlebnis herstellte.
Drei Dinge, die uns in Mönchengladbach auffielen.

1. Noch nicht völlig losgelöst

Die Tormelodie "Major Tom" ertönte zwar zwei Mal und beim schönen Siegtreffer von Groß wurde es sogar laut. "Deutschland! Deutschland!"-Rufe hallten durch Stadion in Mönchengladbach.
Doch die Stimmung war insgesamt dann doch nicht so überragend wie auf einer launigen "80er-Party", die deutsche Nationalmannschaft war noch zu wenig im Rhythmus. Griechenland war ein zäher Gegner mit gutem Timing im Gegenpressing.
Dass Antonio Rüdiger nicht zu einhundert Prozent fokussiert war, Jonathan Tah schlampig in der Spieleröffnung und dem deutschen Spiel grundsätzlich lange die Präzision und Dynamik fehlte, erkannten sie clever.
Die Heim-EM soll Spaß machen, die deutsche Nationalmannschaft diesen spielerisch vermitteln. Gegen die Griechen gelang das in der ersten Halbzeit gar nicht, in der zweiten Halbzeit immerhin ein wenig.
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Ilkay Gündogan im DFB-Trikot

Fotocredit: Getty Images

Natürlich, die Erwartungshaltung ist groß im eigenen Land. Der Druck auf die Spieler demnach auch. Egal, ob Musiala, Wirtz, Gündogan oder Kroos - keiner von ihnen wirkte "völlig losgelöst", der gesamte Verbund eher ausgebremst. Zumindest wurde das Spiel gedreht, am Ende steht ein Erfolgserlebnis im letzten Test. Das ist positiv.
Viel wird jetzt darauf ankommen, wie das erste Gruppenspiel am 14. Juni in München gegen Schottland verläuft. Die Schotten agieren ähnlich wie Griechenland es getan hat, eisern in der Verteidigung, schnell beim Umschaltspiel. Platzt der Knoten direkt oder tappt Deutschland in die Falle?
Dann werden die Partien gegen die Schweiz und Ungarn nicht einfacher. Jeder Gegner hat weniger zu verlieren als Gastgeber Deutschland. Das Spiel gegen Griechenland hat wenig Schub an Selbstvertrauen gebracht.
Kurz vor Ende der Partie kaute Nagelsmann an seinen Nägeln. Das 2:1 brachte ihm Erleichterung, seine Jungs haben sich nicht hängenlassen. "Am Ende ist der Sieg wichtig für die Gesamtstimmung und war am Ende auch verdient", bilanzierte Nagelsmann.

2. Vorsicht vor den alten Mustern!

Wir haben ausreichend Weltstars, so viel steht schon mal fest. Alle Mannschaftsteile sind exzellent besetzt, die Startelf gegen Griechenland wird mit großer Wahrscheinlichkeit die sein, die auch gegen Schottland beginnen wird. Oder kommt Nagelsmann angesichts einer dürftigen ersten Hälfte wieder ins Grübeln?
Vor allem am Anfang schüttelte er auffällig oft den Kopf. Stimmt die Mischung, insbesondere in der Offensive, tatsächlich? Harmonisch und dynamisch wirkte das noch nicht. Kroos stand sehr tief, die Bindung zu Gündogan fehlte komplett. Wirtz und Musiala rannten sich fest. Havertz war vorne abgemeldet.
Wenn es brenzlig wurde, mischten sich individuelle Fehler (Wirtz, Tah, Rüdiger, Neuer) mit zu träger Rückwärtsbewegung. Das ist ein bekanntes Problem und hat Deutschland bei den vergangenen großen Turnieren viel gekostet. Es gab auch gegen Griechenland zunächst zu wenig Kompaktheit, Intensität und Aggressivität, zudem Probleme beim Anlaufen.
Das Verhalten war sträflich, andere Gegner hätten das sicher noch härter bestraft. Es dauerte alles zu lange, Umschaltmomente verpufften.
"Da war ein Tick zu viel Ruhe drin. Aber schlechte Halbzeiten gehören dazu. In der ersten Halbzeit haben wir vieles hergeschenkt. Danach hatten wir eine bessere Raumaufteilung und haben weniger Bälle verloren, das sah besser aus", analysierte Kroos bei "RTL".
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Manuel Neuer gegen Griechenland

Fotocredit: Imago

3. Torwart-Diskussion zur Unzeit

Da ist die Nicht-Nominierung von Alexander Nübel, ein Marc-André ter Stegen, der aus seinem Unmut über die Reservistenrolle keinen Hehl macht, und der Weltklasse-Keeper Neuer ist plötzlich anfällig für Patzer. Wo eigentlich alles klar war, ist eine Woche vor EM-Start nun eine Baustelle.
Nach der Glanzparade gegen Tzolis schienen seine Zweifler wieder verstummt. Doch dann folgte das Gegentor, das zu 95 Prozent auf Neuers Kappe ging. Den harmlosen, nur ganz leicht abgefälschten Schuss von Tzolis hätte er festhalten müssen.
Klar, die Fehlerkette begann früher, so dass diese Chance überhaupt erst entstand. Doch letztlich blieb der Eindruck dessen, was TV-Experte Lothar Matthäus einen "groben Schnitzer" nannte.
Die merkwürdige Bilanz lautet: Patzer Neuer mit Bayern gegen Real in der Champions League, Patzer Neuer gegen die Ukraine, Patzer gegen Griechenland. Damit geht die bange Frage einher: Kann Neuer während des Turniers seine Bestform wirklich abrufen? Ist sogar ein Wechsel zwischen den Pfosten denkbar?
Das Thema ist nicht zu unterschätzen und könnte noch an Brisanz aufnehmen. Nagelsmann wollte diese gleich herausnehmen, indem er betonte: "Es war eine Fehlerkette. Er hat gute Paraden gehabt, ich lasse keine Diskussion aufkommen."
Doch auch er weiß, dass an Neuers Klasse zwar kein Zweifel besteht, an dessen aktueller Form jedoch schon.
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Nagelsmann "nicht geschockt" wegen Neuer-Patzer

Quelle: Perform


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