EM 2024 - Drei Dinge, die bei Kroatien-Albanien auffielen: Pechvogel Gjasula wird zum Helden, Modric fehlen die Ideen
Update 20/06/2024 um 08:41 GMT+2 Uhr
Das 2:2 bei der EM 2024 zwischen Kroatien und Albanien war ein Spiel der verrückten Art. Der Albaner Klaus Gjasula traf erst ins eigene Tor, später dann in das richtige zum viel umjubelten Punktgewinn. Kroatien hat noch immer nicht richtig ins Turnier gefunden, die Rotation verunsicherte das Team eher noch. Und auch die Qualitäten von Luka Modric kamen nicht zur Geltung. Drei Dinge, die auffielen.
Luka Modric (Kroatien) gegen Albanien
Fotocredit: Getty Images
Die Kroaten haben mit dem 2:2 gegen Albanien den ersten Sieg bei der EM 2024 verpasst. Der Favorit schien das Spiel zunächst eigentlich im Griff zu haben, hatte in den ersten zwölf Minuten 69 Prozent Ballbesitz - und kassierte dennoch das Gegentor. Qazim Laci verwertete eine Flanke von Jasar Asani per Kopf zum 1:0.
Während die Kroaten den Ballbesitz nicht in Chancen ummünzen konnten, kamen die Albaner immer wieder gefährlich vor das Tor. Nach einer guten halben Stunde hatte Nedim Bajrami die große Chance auf den zweiten Treffer, scheiterte aber aus rund zehn Metern an Torwart Dominik Livakovic (31.).
Auch in der zweiten Halbzeit blieb Kroatien die dominante Mannschaft, fand allerdings bis zur 74. Minute gegen die tief stehende Abwehr keine Lösung, ehe sie innerhalb von zwei Minuten das Spiel drehten.
Erst traf Andrej Kramaric in der 74. Minute zum 1:1, dann unterlief dem eingewechselten Klaus Gjasula ein Slapstick-Eigentor. Ausgerechnet letztgenannter wurde allerdings noch zum Helden des Spiels, als er in der fünften Minute der Nachspielzeit das 2:2 erzielte.
Drei Dinge, die uns beim Spiel Kroatien - Albanien auffielen.
1. Magier Modric fehlen die Ideen
Luka Modric ist das Gesicht der kroatischen Nationalmannschaft. Der Weltfußballer von 2018 wird von seinen Mannschaftskameraden regelrecht gesucht. Schließlich ist der 38-Jährige bekannt dafür, mit seinen langen Hereingaben oder Spielverlagerungen Chancen einleiten zu können.
Das Problem ist nur: Findet Modric (141 Ballkontakte) gegen einen tief stehenden Gegner wie Albanien keine Lösung, scheint die ganze Mannschaft teilweise ratlos zu sein. In der ersten Halbzeit leistete er sich eine Fehlerpassquote von 18 Prozent.
Die größte Chance der Albaner auf das mögliche 2:0, die Nedim Bajrami ungenutzt ließ, hatte in einem Ballverlust von Modric seinen Ursprung. In der zweiten Halbzeit reduzierte Modric seine Fehlerpassquote immerhin auf elf Prozent.
Er selber schien zeitweise frustriert zu sein, beschwerte sich vielfach mit Gesten, zum Beispiel wenn ein Mitspieler nicht die erhoffte Route lief oder aber, wenn Modric selber übersehen wurde. Wie im ersten Vorrundenspiel gegen Spanien, welches mit 0:3 verloren wurde, hatten die Kroaten mehr Ballbesitz. Diesmal sind es sogar 67 Prozent gewesen. Echte Chancen wurden allerdings nur wenige kreiert.
Kramaric fasste das Problem zusammen: "Es war schwer, diese Kette zu überbrücken. Wenn ich elf Freunde auf der Gegenseite habe, ist es nicht einfach, gegen sie durchzukommen - außer man hat Messi in der Mannschaft." Kroatien hat aber eben "nur" Modric.
2. Kroatiens Rotation führt zu Verunsicherung
Das 0:3 gegen Spanien zum Auftakt war für Kroatien eine große Ernüchterung. Nationaltrainer Zlatko Dalic hatte sich öffentlich bei den Fans entschuldigt - und zog Konsequenzen.
Er nahm drei Veränderungen an der Startelf vor. Josip Stanisic, der in der vergangenen Saison vom FC Bayern München an Bayer 04 Leverkusen verliehen wurde, ist auf die Bank degradiert worden.
Seinen Part als Rechtsverteidiger übernahm ein anderer Bekannter aus der Bundesliga: Josip Juranovic vom 1. FC Union Berlin. Ebenfalls neu in der Startelf waren der Stürmer Bruno Petkovic und der früherer Bayern-Spieler Ivan Perisic.
Die Hoffnung, dass Kroatien in der Neubesetzung sofort besser funktioniert, wurde schnell zunichtegemacht. Die Mannschaft brauchte 45 Minuten Anlaufzeit.
"Es waren zwei verschiedene Halbzeiten", sagte Nationaltrainer Dalic. "In der ersten Halbzeit haben wir schlecht gespielt und ein Tor kassiert und waren sehr langsam. Unser Gegner war sehr gefährlich bei Konter. In der 2. Halbzeit waren wir besser. Albanien kam 45 Minuten nicht mehr über die Mittellinie."
Doch dann folgte eben die Nachspielzeit …
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Klaus Gjasula trifft in letzter Minute für Albanien
Fotocredit: Getty Images
3. Gjasula erst Pechvogel, dann gefeierter Held
Als Einwechselspieler ist es stets das Ziel, Einfluss auf das Spiel zu nehmen. Der albanische Nationalspieler Klaus Gjasula, der früher beim Hamburger SV spielte und somit im Volksparkstadion eine Rückkehr an die alte Wirkungsstätte erlebte, tat das gleich auf beiden Seiten.
Als er in der 73. Minute eingewechselt wurde, führte Albanien noch mit 1:0. Drei Minuten später lagen sie 1:2 zurück.
Gjasula unterlief dabei ein Eigentor der unglücklichsten Art. Sein Mitspieler Berat Djimsiti blockte einen Schuss genau in den Lauf von Gjasula, sodass der Ball von ihm aus ins Tor ging. Umso beeindruckender, dass ausgerechnet er später den viel umjubelten Ausgleich erzielte.
"Es war schwierig für ihn, ins Spiel zu finden, weil die Partie mit so viel Tempo und mit hoher Qualität gespielt wurde. Aber am Ende war er für alle da und hat das Tor gemacht", sagte der albanische Trainer Sylvio Mendes Campos Junior auf Nachfrage von Eurosport.
Er fügte hinzu: "Der Ausgleich war unglaublich. Ich werde mich mein ganzes Leben daran erinnern."
Gjasula vermutlich auch.
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Quelle: Perform
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