Drei Dinge, die bei Spanien gegen England auffielen: Harry Kane im EM-Finale abgemeldet - Lamine Yamal glänzt
Update 15/07/2024 um 08:53 GMT+2 Uhr
Spanien hat das EM-Finale gegen England mit 2:1 (0:0) für sich entschieden und damit einen historischen vierten Titel erobert. Die entscheidenden Faktoren waren die Einwechselspieler und auch Lamine Yamal, der mit seinen 17 Jahren Ansätze eines Führungsspielers zeigt. Völlig anders verlief der Abend für Harry Kane. Drei Dinge, die uns im Endspiel der Europameisterschaft auffielen.
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Luis de la Fuente kam aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus, als das Finale vorüber war. "Ich bin sehr glücklich darüber, was wir in Spanien kreiert haben", sagte der Nationaltrainer. "Ich hoffe, dass alle stolz auf diese Mannschaft sind. Wir haben praktisch alles richtig gemacht. Jeder Schritt, den wir gegangen sind, war, um besser zu werden und uns weiterzuentwickeln."
Doch der Gegner hatte es ihnen schwer gemacht. Nachdem England zuletzt mit einer Dreierkette in der Verteidigung agiert hatte, kehrten sie im Finale zur Viererkette zurück. Dies funktionierte in der ersten Halbzeit gut, denn sie konnten die Flügelspieler Nico Williams und Lamine Yamal eindämmen.
Zu Beginn der zweiten Halbzeit genügte allerdings eine kleine Unaufmerksamkeit der Engländer, um in Rückstand zu geraten. Rechtsverteidiger Kyle Walker, der in der ersten Halbzeit den schnellen Williams gut im Griff hatte, ließ Williams völlig aus den Augen, als dieser nach einer Vorarbeit von Yamal zum 1:0 traf.
In der Schlussphase wurde es dramatisch. Cole Palmer erzielte in der 73. Minute das Tor zum 1:1. Mikel Oyarzabal schoss dann allerdings in der 86. Minute Spanien zum EM-Titel. Damit drückten - wie so oft bei dieser EM - Einwechselspieler der Partie ihren Stempel auf. Doch dieses Mal stand auch ein Auswechselspieler im Scheinwerferlicht.
Drei Dinge, die beim EM-Finale zwischen England und Spanien auffielen.
1.) Einwechselspieler entscheiden das Spiel
Beide Mannschaften profitierten von ihren Einwechselspielern. Im Rückstand liegend brachte Southgate in der 61. Minute Ollie Watkins für Harry Kane. Neun Minuten später legte er mit Cole Palmer nach. Letzterer schoss drei Minuten nach der Einwechslung per Distanzschuss den Ausgleich zum 1:1 - mit seinem zweiten Ballkontakt im Spiel.
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Doch auch Spanien hatte einen funktionierenden Joker auf der Bank. Der in der 68. Minute eingewechselte Oyarzabal erzielte das Siegtor. Der Kapitän von Real Sociedad wurde zwar in allen EM-Spielen eingesetzt, stand aber lediglich im Vorrundenspiel gegen Albanien in der Startelf.
"Mikel ist ein Gewinner. Wir haben neun Jahre zusammen alles gewonnen", sagte der Nationaltrainer, der Oyarzabal auch bei den U-Nationalmannschaften und in der Olympia-Auswahl trainierte. "Er kann auf beiden Seiten oder als Mittelstürmer spielen. Und er hat heute das Tor gemacht."
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Ähnlich wie Southgate ist auch er überzeugt davon, dass die Physis am Ende entscheidend war: "Wir waren in der zweiten Halbzeit frischer als der Gegner."
Die Einwechselspieler trugen einen großen Teil dazu bei.
2.) Yamal glänzt sogar nach seiner Auswechslung
Lamine Yamal, der erst am Vortag des Finales seinen 17. Geburtstag feierte, hatte in den ersten 45 Minuten auf der rechten Seite einen schweren Stand. Der englische Linksverteidiger Luke Shaw, der in diesem Spiel als einzige Startelf-Veränderung in die englische Mannschaft rotierte, hatte ihn gut im Griff. Teilweise versuchten Williams und Yamal auf der gleichen Seite zu agieren und dadurch die Verteidigung in Schwierigkeiten zu bringen - vergeblich.
Nach der Halbzeit allerdings drehte Yamal regelrecht auf. Er fand eine Lücke in der gegnerischen Viererkette, bekam den Ball von Daniel Carvajal zugespielt und bereitete mit einem Querpass auf Williams das 1:0 vor. Danach schien der Top-Star vom FC Barcelona regelrecht befreit zu sein. Er kam auf insgesamt zwei Torschüsse und drei Torschussvorlagen.
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Seine Qualität und Reife zeigte sich nicht nur vor, sondern auch nach seiner Auswechslung in der 89. Minute. Während bei vielen Zuschauern ein lautstarkes Entsetzen zu vernehmen war, weil dieser herausragende Akteur aus dem Spiel genommen wird, ging Yamal vom Feld, trat dann aber innerhalb der Coaching-Zone an die Seitenlinie. Wozu? Als England den Eckball vorbereitete, der zu einer Mehrfach-Chance führte, gab Yamal per Gesten Anweisungen an die Mitspieler - wie ein echter Führungsspieler.
Williams schwärmte danach von Yamals Charakter: "Lamine ist unglaublich. Er ist der beste junge Spieler. Ich denke, es geht noch sehr weit für ihn. Er ist auch ein toller Mensch. Die Sachen sind sehr klar in seinem Kopf."
3.) Kane für 61 Minuten abgemeldet
Die Titellosigkeit von Harry Kane setzt sich fort. Nachdem er mit dem FC Bayern in der zurückliegenden Saison keinen Titel gewonnen hatte, verlor er nun auch zum zweiten Mal hintereinander mit England das Finale der Europameisterschaft. Der Stürmer ist daran nicht schuldlos.
Gegen Spanien fand er überhaupt nichts ins Spiel. Bis zu seiner Einwechslung in der 61. Minute hatte er nur 13 (!) Ballkontakte und bekam lediglich einen Torschuss zustande, der nicht als echte Chance zu werten war. Funktioniert Kane in großen Spielen einfach nicht?
Southgate nahm Kane auf Nachfrage von Eurosport in Schutz: "Harry ist in dieses Turnier gekommen, nachdem er eine Verletzung am Ende der Saison hatte. Er hat viele Minuten gespielt. Wir haben versucht, das zu managen. Er hat die Mannschaft super geführt, es lastete viel Druck auf seinen Schultern, denn einige Führungsspieler sind vor dem Turnier ausgefallen."
Warum er Kane dennoch auswechselte? "Wir mussten mehr Druck auf die Innenverteidigung machen, daher haben wir Watkins ins Spiel gebracht", sagte Southgate.
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Mitspieler Jude Bellingham zeigte hingegen in 27 Sekunden, wie stark er mental ist. Es waren exakt 71:40 Minuten gespielt, als er im Mittelfeld einen schlampigen Fehlpass spielte, der zum Ballverlust und Gegenangriff über Martin Zubimendi sowie Mikel Oyarzabal führte. Bellingham war bewusst, was für einen Fehler er beging. Entschuldigend hob er seine Hände - und zeigte gleich darauf, dass ihn das nicht aus dem Konzept bringt.
Den von Torwart Jordan Pickford herausgespielten Ball gab er unter Druck direkt weiter, lief mit nach vorne und bewies eine starke Übersicht, als er den Ball von Bukayo Saka mit einem Kontakt direkt weiter an Cole Palmer gab. Dieser konnte daraufhin zum 1:1 treffen. 72:07 Minuten waren gespielt, als der Ball im Netz zappelte.
Dazwischen lagen besagte 27 Sekunden.
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