EM 2024: Deutschland trifft auf unberechenbare Ungarn - die Krux mit dem zweiten Spiel bei großen Turnieren
VonThomas Gaber
Update 19/06/2024 um 15:16 GMT+2 Uhr
Beim 5:1 gegen Schottland spielte sich die deutsche Nationalmannschaft gleich zu Beginn der EM 2024 in den engen Favoritenkreis. Unterdessen enttäuschte der nächste Gegner Ungarn gegen die Schweiz (1:3). Also ein Selbstläufer für die DFB-Auswahl? Wohl kaum. Die Geschichte der zweiten Turnierspiele meint es nicht gut mit den Deutschen und Ungarn ist in der Lage, der Nagelsmann-Truppe wehzutun.
"Extreme Körperlichkeit": Nagelsmann warnt vor Ungarn
Quelle: Perform
Thomas Müller trat umgehend auf die Euphoriebremse. "Es geht nicht ums Gefühl, es geht um die Punkte", sagte der Weltmeister von 2014 nach dem 5:1 der DFB-Elf gegen Schottland. "Wir hatten immer tolle Gefühle, dann haben wir 2014 gegen Ghana 2:2 gespielt oder 2010 gegen Serbien verloren."
Worauf Müller anspricht: Nach (teils berauschenden) Auftaktsiegen bei großen Turnieren folgte im zweiten Spiel oftmals die Ernüchterung. Die Misserfolgsserie bei Welt- und Europameisterschaften ist nahezu beängstigend.
Den Anfang machte ein 2:2 gegen Jugoslawien bei der WM 1998 im Anschluss an ein 2:0 gegen die USA. Seinerzeit holte Deutschland noch einen 0:2-Rückstand auf.
Vier Jahre später folgte auf das 8:0 gegen Saudi-Arabien ein 1:1 gegen Irland. Bei der EM 2008 ließ sich Deutschland nach einem 2:0 gegen Polen im zweiten Spiel von Kroatien abkochen (1:2). In Südafrika 2010 gab es die von Müller erwähnte Pleite gegen Serbien (0:1), nachdem zuvor Australien 4:0 abgefertigt wurde.
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Deutschlands Nationalspieler nach der 0:1-Niederlage bei der WM 2010 gegen Serbien
Fotocredit: Getty Images
Auch gegen Ungarn gab es zuletzt schlechte Ergebnisse
Bei der WM 2014 mühte sich der spätere Weltmeister nach der 4:0-Gala gegen Portugal zu einem 2:2 gegen Ghana und 2016 trotzte Polen der Mannschaft von Jogi Löw bei der EM in Frankreich ein 0:0 ab - in Spiel eins gab es ein 2:0 gegen die Ukraine.
Selbst 2006 wäre es im zweiten Spiel gegen Polen beinahe schiefgegangen, ehe Oliver Neuville mit seinem Siegtor zum 1:0 in der 90. Minute das Sommermärchen aus der Taufe hob.
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Rossi zu Deutschland: "Vergangenheit nichts wert"
Quelle: Perform
Die Historie verbietet es der deutschen Mannschaft, die hoch gehandelten, aber gegen die Schweiz enttäuschenden Ungarn im Duell am Mittwoch (18:00 Uhr im Liveticker) auf die leichte Schulter zu nehmen.
Apropos Geschichte: Bei den letzten drei Aufeinandertreffen gegen Ungarn gab es aus deutscher Sicht zwei Unentschieden und eine Niederlage.
Ungarns größte Stärke: Die Unberechenbarkeit
Die Mannschaft um Star Dominik Szoboszlai hat sich zum Angstgegner der DFB-Elf gemausert. Auch Julian Nagelsmann, der in seiner noch jungen Amtszeit als Bundestrainer de Ungarn bislang aus dem Weg gehen konnte, gerät ins Grübeln.
"Ungarn ist unangenehm, irgendwie schwer zu packen. Es ist auch schwierig, die Mannschaft vorzubereiten. Das ist ein sehr eingespielter Haufen, der es sehr gut und geschlossen macht. Ich habe einige Spieler aus Ungarn trainiert, ich weiß, was die können", sagte Nagelsmann.
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Nagelsmann: "Psychische Sicherheit ist ein wichtiger Punkt"
Quelle: MagentaTV
Den größeren Druck macht Nagelsmann beim Gegner aus. "Ungarn ist mit dem Ergebnis einen Tick mehr unter Druck als wir", erklärte der Bundestrainer auf der Pressekonferenz am Dienstag. "Sie werden einen Tick offensiver spielen müssen, weil sie bei einer Niederlage eher aus dem Turnier ausscheiden unter Umständen. Demnach denke ich, dass es einen Tick offensiver wird als gegen die Schweiz."
An Schlüsseln zum Erfolg mangelt es der deutschen Nationalmannschaft gegen Ungarn aber nicht. "Es ist eine sehr gute Umschaltmannschaft, nach Ballgewinn haben sie kein superklares Muster, aber machen das gut, sind da recht gefährlich. Haben, egal welche Spitze spielt, zwei sehr kopfballstarke Stürmer", so Nagelsmann.
Die große Stärke der Ungarn ist also deren Unberechenbarkeit. "Es sind viele Freigeister unterwegs, die schwer zu greifen sind", verdeutlichte Nagelsmann.
Gerade Szoboszlai, den der Bundestrainer bei RB Leipzig coachte, "turnt überall rum, ist mal Innenverteidiger, mal Zehner, mal Spitze". Voraussichtlich wird sich Robert Andrich an Szoboszlais Fersen heften, der Leverkusener geht allerdings mit der Hypothek einer Gelben Karte ins Spiel.
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Nagelsmann stellt VfB-Profis "Heimspiel" in Aussicht
Quelle: Perform
Szoboszlai fordert: Schluss mit Kinderfußball
Szoboszlai schimpfte nach der Auftaktpleite gegen die Schweiz öffentlich von "Kinderfußball" der Ungarn und kündigte an, gegen Deutschland vieles anders und besser zu machen. Der Plan ist laut Torhüter Peter Gulacsi folgender: "Dicht stehen, solide verteidigen, mit Leidenschaft kämpfen."
Seine Vorderleute werden sich mit "bewährten Mitteln" der deutschen Offensive um Jamal Musiala und Florian Wirtz entgegenstellen. "Wir sind nicht so einfach zu bespielen. Und wir haben einen extrem starken Teamgeist", so Gulacsi.
Seinem Leipziger Klubkollegen Willy Orban kommt das Duell mit dem Gastgeber gerade recht. "Die großen Nationen fallen uns leichter. Wir haben häufiger Favoriten geärgert, gegen die Deutschen gelang es uns tatsächlich besonders gut", sagte der Verteidiger.
Ein weiterer Faktor auf dem Weg zum Sieg sollen für die Ungarn auch die zahlreichen Fans in Stuttgart sein. Die seien, so Gulacsi, "sehr kreativ, wenn es darum geht, an Karten zu kommen". Einen Heimvorteil für die DFB-Elf sieht er deshalb nicht - im Gegenteil: "Ich glaube, das wird ein Auswärtsspiel für euch!"
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