EM 2024: England ist erwacht, Gareth Southgate überrascht im Halbfinale alle - drei Dinge, die auffielen

England hat sich etwas überraschend im Halbfinale mit 2:1 (1:1) gegen die Niederlande durchgesetzt und trifft im Endspiel am Sonntag in Berlin auf Spanien. Der zuletzt viel gescholtene Trainer Gareth Southgate trägt einen großen Anteil daran, dass seine "Three Lions" sich nun den langersehnten Traum einer großen Trophäe erfüllen können. Drei Dinge, die uns in Dortmund auffielen.

England-Held Watkins: "Ganz anderes Gefühl"

Quelle: Perform

Die Comeback-Könige von Trainer Gareth Southgate haben sich auch von den Niederlanden nicht aufhalten lassen und sind durch das spektakuläre 2:1 (1:1) zum zweiten Mal in Folge ins EM-Finale marschiert.
Für die Elftal und ihre traurigen Fans endete ihr Sommermärchen in einem Drama.
Denn Kapitän Harry Kane per Foulelfmeter (18.) und Ollie Watkins (90.) mit seinem Treffer drehten die Partie noch und führten England so in das erste Finale bei einem großen Turnier außerhalb des eigenen Landes. Der Leipziger Xavi Simons hatte die Führung für Oranje erzielt (7.).
Am Sonntag im Endspiel von Berlin ist die Startruppe mit einem Marktwert von insgesamt knapp 1,5 Milliarden Euro gegen Deutschland-Schreck Spanien (21:00 Uhr im Liveticker) alles andere als Außenseiter.
Drei Dinge, die uns in Dortmund auffielen.

1.) England ist erwacht! Southgate, you're the one

Erst belächelt, dann beschimpft und jetzt? Beindruckend!
Die Vorstellung der "Three Lions" im Halbfinale war eine Überraschung, weil sie im krassen Gegensatz zu den bisherigen Leistungen bei dieser EM stand.
"Die Engländer sind erwacht!", urteilte "ARD"-Experte Bastian Schweinsteiger schon in der Halbzeitpause. Was er meinte, war klar: Nach dem Weckruf von Xavi Simons brachten die Engländer plötzlich das Potenzial, was ihnen immer nachgesagt wurde, endlich auf den Rasen.
Kane erzielte den Ausgleich per Elfer in gewohnt souveräner Manier mit der perfekten Mischung aus Präzision und Härte, danach präsentierten er und sich seine Kollegen technisch gut, mutig im Spiel nach vorne.
Foden brillierte auf der rechten Angriffsseite, in Kombination mit Mainoo, Bellingham und Saka war das unfassbar kreativ und unheimlich schwer, für die Niederlande die Angriffe zu verteidigen.
Phasenweise verstummten sogar die Fan-Gesänge der Oranje-Fans komplett. Nach links und nach rechts gingen die geschüttelten Köpfe, als England sogar Hackentricks und Lupfer zeigte. Es war die reine Spielfreude, die erst ins Stocken kam, als die Niederländer im zweiten Abschnitt das Zentrum mit einigen Umstellungen dichter machten und phasenweise ein Mann-gegen-Mann-Pressing aufzogen.
Das schmeckte England wenig bis gar nicht. Sie behielten jedoch den Fokus und suchten weiter spielerisch ihre Wege nach vorne. Am verblüffendsten ist letztlich, dass der viel gescholtene Trainer Southgate nun als der Gewinner schlechthin dasteht.
Zum richtigen Zeitpunkt hat er seiner Mannschaft die richtige Taktik mit auf den Weg gegeben, sogar Trippier durch Shaw ersetzt und mit "Joker" Watkins den Siegtorschützen eingewechselt.
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Oranje am Boden, England staunt: Watkins erzielt den Siegtreffer im Halbfinale

Fotocredit: Getty Images

Ob die Engländer wollen oder nicht: Dieser Mann hat einen großen Anteil am Triumph gegen Holland und dem Finaleinzug. "Southgate, you're the one", singen die englischen Fans regelmäßig.
Zuletzt mit ironischen Hintergedanken, nun wohl stark gemischt mit echter Überzeugung.

2.) Naar links, naar rechts - und tschüss!

Sie war doch eigentlich da, die Entschlossenheit. Das Tor von Xavi Simons stand symptomatisch für alles, was die Niederlande gegen England gebraucht hat. Körper reinstellen, nicht lange fackeln, das Ziel im Blick behalten.
Mit der Entschlossenheit der Engländer hatten sie offensichtlich nicht gerechnet, die taktischen Anpassungen kamen etwas zu spät. Sie ließen sich zu tief in die eigene Hälfte drängen und kamen kaum selbst dazu, ihr Spiel aufzuziehen.
Diesen Vorwurf muss sich Trainer Koeman am Ende gefallen lassen. Fragwürdig auch das desolate Mittelfeldpressing, die Hereinnahme von Vermaan und das Ignorieren von Frimpong und Zirkzee. Die Niederlande rangen jedenfalls damit, die Spielkontrolle zu erlangen und schnupperten in der zweiten Halbzeit lediglich daran, weil es mit Weghorst endlich einen Zielspieler im Strafraum gab.
Die Raumaufteilung passte, spielerische Lösungen wurden gesucht und beizeiten gefunden. Doch mehr als ein Neutralisieren des Spiels war nicht drin, es wirkte insgesamt zu passiv. Die gefährlichen Stafetten, die das Oranje-Team sonst so gefährlich hatte werden lassen, wurden energisch unterbunden.
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Wout Weghorst vergoss nach Abpfiff bittere Tränen.

Fotocredit: Getty Images

Auch die Zweikampfquote (46:54 Prozent) war schlechter. "Wenn du in der letzten Minute verlierst, ist das purer Schmerz. Wir müssen das schlucken. Wir wollten uns diesen Traum vom Finale unbedingt erfüllen, aber es hat nicht gereicht", resümierte Virgil van Dijk.
Dieses niederländische Team hat im Verlauf des Teams Spaß gemacht, die Fans sind sowieso eine Klasse für sich. Die Runde der letzten Vier bleibt aber ein gewisses Trauma.
Während sich England von Spiel zu Spiel etwas steigerte, nahm die Performance der Niederländer stetig etwas ab. Naar links geht es nicht mehr, naar rechts auch nicht mehr.

3.) Final-Countdown: Momentum spricht für England

Den ersten großen (richtigen) Titel gewinnen - und das ausgerechnet in Deutschland. Diese besondere Motivation trägt jeder Engländer in seinem Löwenherz. Sie wissen nun, dass sie ihre individuelle Klasse tatsächlich auf den Rasen bringen können.
Aus Bayern-Star Kane sprach nach dem Triumph im Halbfinale das pure Selbstvertrauen: "Jeder hat mitgekämpft. Ich bin einfach glücklich, dass wir im Finale sind. Das kriegen wir am Sonntag auch noch hin! Wir haben noch ein Spiel, um Geschichte zu schreiben. Wir geben alles, was nötig ist."
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Harry Kane jubelt über den Final-Einzug mit England

Fotocredit: Getty Images

Dass Spanien schlagbar ist, hat Deutschland im Viertelfinale bereits angedeutet. Wird Offensivdrang mit Mut und etwas Spielglück vereint, kommen Spieler wie Nico Williams oder Lamine Yamal nicht zum Zug. Beide wurden gegen die DFB-Elf ausgewechselt.
Die Stärken der deutschen und englischen Mannschaft sind dabei durchaus vergleichbar. Mit Kane hat das Team sogar den besseren "Füllkrug". Spanien ist gefestigt, eine Passmaschine und sich der Qualität bewusst.
Aber das Momentum spricht nach dem Last-Minute-Tor von Watkins für England. "Ich bin sehr dankbar, dass ich die Chance bekommen habe. Ich hatte solch einen Hunger auf dieses Tor. Wir haben uns von Spiel zu Spiel gesteigert", weiß der Matchwinner.
Gelingt es den Engländern, noch eine kleine Schippe draufzulegen, ist alles möglich. Mit dem Schwung aus dem Halbfinale ist eines ist sicher: Es wird ein spannendes Finale auf Augenhöhe.
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Kane jubelt: "Wir haben Geschichte geschrieben"

Quelle: Eurosport


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