EuroScout: Denis Suárez - Wandervogel mit feinem Füßchen

Jung, talentiert, ehrgeizig - Eurosport.de präsentiert im EuroScout-Blog die Zukunft des Fußballs. In dieser Woche steht Denis Suárez im Fokus, der im Europa-League-Achtelfinale mit dem FC Villarreal auf Bayer Leverkusen trifft und der, trotz seiner jungen Karriere, bereits ganz schön rumgekommen ist.

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Fotocredit: Eurosport

Als Basel-Legende Alexander Frei sich Ende Februar als Losfee betätigte, um die Europa-League-Achtelfinals zu ziehen, verzog Michael Schade, Geschäftsführer von Bayer 04 Leverkusen, kaum eine Miene. Was er von dem soeben zugelosten Gegner FC Villarreal hielt, konnte man nur vermuten.
Betrachtet man die derzeitige Tabellenkonstellation in Spanien, wo die Mannschaft aus der 50.000 Seelen-Gemeinde hinter den renommierten Klubs FC Barcelona, Real und Atletico Madrid auf Platz vier liegt, könnte man annehmen, Bayer 04 hätte sich durchaus einen anderen Kontrahenten gewünscht. Schade sprach im Anschluss der Auslosung von einer "großen Herausforderung" und verwies darauf, dass die "Werkself" bereits vor vier Jahren im gleichen Wettbewerb, in der gleichen Runde, am gleichen Gegner gescheitert war.
Klar ist auch, dass unter den letzten 16 Mannschaften der Europa League nun wahrlich keine Laufkundschaft zu finden ist. Und Villarreal? Eine Mannschaft, die mit nur 19 Gegentoren die zweitbeste Defensive der Primera División stellt, ist so gar nicht nach Bayers Geschmack. Das "Gelbe U-Boot", wie Villarreal genannt wird, hat aber auch in der Offensivabteilung durchaus etwas zu bieten: Allen voran Denis Suárez.
Spieler: Denis Suárez Fernández
Geburtsdatum: 6. Januar 1994
Geburtsort: Salceda de Caselas
Nationalität: Spanien
Größe: 1,76
Fuß: rechts
Position: Linksaußen
Derzeitiger Klub: FC Villarreal
Rückennummer: 18
Bisherige Klubs: Porriño Industrial, Celta Vigo, Manchester City, FC Barcelona, FC Sevilla
Suarez wurde in Salceda de Caselas nahe der portugiesischen Grenze geboren und spielte zu Beginn seiner Karriere beim unterklassigen Verein Porriño Industrial im einige Kilometer nördlich gelegenen O Porriño. Im Alter von 15 Jahren wechselte das vielversprechende Talent in die Jugendabteilung des damaligen Zweitligisten Celta Vigo.
Von Vigo auf die Insel
An der spanischen Atlantik-Küste entwickelte sich Suárez schnell zu einem heißbegehrten Youngster, feierte bei Vigos Zweitvertretung in der dritten Liga bereits mit 16 sein Debüt im Männerbereich. Vier Mal lief der Offensivmann in seiner ersten Saison für die Galizier auf, um im darauffolgenden Jahr elf weitere Einsätze zu verbuchen.
Für eine Ablösesumme von rund einer Millionen Euro ging Suárez als 17-Jähriger zu Manchester City. Beim englischen Top-Klub kam er allerdings zumeist in der U21 zum Einsatz. Der bis dato schmächtige Edeltechniker durfte zwei Mal im League Cup für die "Skyblues" ran und gehörte lediglich einmal zum Kader der ersten Mannschaft bei einem Premier-League-Spiel.
Viel wichtiger als Spielpraxis neben Yaya Touré und Co. zu sammeln, sei es aber gewesen, auf der Insel zusätzlich zu seiner hervorragenden Technik eine gute Physis erlangt zu haben. Gegenüber der spanischen Zeitung "El País" erklärte Suárez einst: "Wenn ich jetzt auf meine Zeit in England zurückblicke, wie ich mit 17 dorthin gegangen bin, war ich zwar spielerisch gut, aber ich hatte starke Defizite in meiner Physis. Ich war überhaupt nicht in der Lage, in einer Liga, wo die Physis von so hoher Bedeutung ist wie in England, zu konkurrieren."
Rückkehr in die Heimat
Mittlerweile auch mit dem nötigen körperlichen Rüstzeug ausgestattet, wurde der FC Barcelona auf Suárez aufmerksam. Neben seine Finesse an der Kugel gesellt sich nämlich ein herausragendes Passspiel, das wie prädestiniert für die Spielweise der Katalanen scheint.
Bei "Barca" unterschrieb er einen Vierjahresvertrag, der mit einer Ausstiegsklausel von 12 Millionen Euro versehen wurde. Geplant war, das Top-Talent zunächst in der zweiten Mannschaft einzusetzen. Im Spiel gegen AD Alcorcón erzielte Suárez seinen ersten Treffer für den Klub und reifte zu einem der wichtigsten Akteure des Reserve-Teams, für das er in 36 Spielen sechs weitere Male treffen sollte.
Ein Jahr nach seiner Spanien-Rückkehr entschied sich die Vereinsführung des amtierenden Champions-League-Siegers dazu, das Juwel nach Sevilla zu verleihen, damit es dort beim ortsansässigen Fútbol Club auf höchstem Niveau genügend Spielzeit sammeln könne.
Der Leihvertrag galt für zwei Spielzeiten. Im Gegenzug wechselte Ivan Rakitic von den Andalusiern zur "Blaugrana". Ein Transfer, welcher sich – im Nachhinein betrachtet – als absoluter Glücksgriff für beide Seiten entpuppte. Suárez entwickelte sich beim Europa-League-Sieger schnell zur Stammkraft, steuerte zwei Liga-Tore sowie vier Vorlagen bei und half mit seinen drei Treffern in der Europa League gründlich mit, dass die Trophäe zum zweiten Mal in Folge ins Estadio Ramón Sánchez Pizjuán wanderte.
Villarreal, die nächste Station
Barcelona und Sevilla einigten sich im Sommer vergangenen Jahres darauf, den bestehenden Leihvertrag aufzulösen, damit Suárez zum Liga-Konkurrenten FC Villarreal wechseln konnte. Die Ostspanier legten vier Millionen Euro auf den Tisch und statteten ihn mit einem Vierjahresvertrag aus.
In 33 Pflichtspielen traf der Flügelflitzer in dieser Saison "nur" vier Mal, was eine seiner wenigen Schwächen offenbart. Neben seinem wenig ausgeprägten Kopfballspiel, ist Suárez nicht der geborene Torjäger. Immerhin: Neun Vorlagen kaschieren die schwache Ausbeute vor dem gegnerischen Tor etwas.
Außerdem zeichnete der Dribbelkünstler für den wichtigen Siegtreffer im Zwischenrunden-Hinspiel gegen den SSC Neapel verantwortlich, als er in der 82. Minute einen Freistoß sehenswert über die gegnerische Mauer maßgenau unter die Latte zirkelte. Dieser Geniestreich ebnete überhaupt erst den Weg ins Europa-League-Achtelfinale.
Schon zur Wintertransfer-Periode rankten sich Gerüchte um eine mögliche Rückkehr Suárez’ nach Barcelona. Barca hat sich selbstverständlich mit einer Rückkauf-Option, die am Ende dieser sowie nach Ablauf der nächsten Saison greifen könnte, ein Hintertürchen im Vertrag seines Ex-Schützlings gelassen.
Nimmt man diese Tatsache zur Hand und betrachtet zusätzlich die rasante Entwicklung des gebürtigen Galiziers, so liegt die Vermutung nahe, dass der nächste Wechsel in nicht mehr allzu großer Ferne liegt. Aber egal, wohin die nächste Reise des schöngeistigen Wandervogels geht - Suárez wird auch dort zu begeistern wissen.
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