Jürgen Klopp präsentiert sich vor dem Spiel des FC Liverpool gegen Rubin Kazan schlagfertig

Jürgen Klopp ist heiß. Der Coach des FC Liverpool steht vor seinem Heimdebüt mit den "Reds". Vorher hielt er Audienz vor der Presse - gewohnt launig.

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Lucas Leiva war nur das Vorprogramm - das wusste er.
Einen Tag vor dem Europa-League-Spiel gegen Rubin Kasan (ab 21:05 Uhr im Liveticker bei eurosport.de) nahm der Mittelfeldspieler des FC Liverpool neben seinem Trainer Jürgen Klopp auf dem Podium Platz. "Zunächst die Fragen an Lucas", schlug der Pressechef der "Reds" den anwesenden Journalisten vor. Diese gehorchten und löcherten den Brasilianer so lange mit spielfremden Fragen rund um sein Verhältnis zu Klopp bis dieser einschritt.
"Hört auf, ihn so etwas zu fragen", mahnte Klopp. "Was soll er denn sagen? Ich bin erst elf Tage hier, außerdem sitze ich neben ihm. Selbst wenn er mich für einen Idioten halten würde, könnte er es euch nicht sagen!"
Rumms! Das saß - die Pressekonferenz war in diesem Moment für den Spieler beendet. Klopp übernahm.

Versteckter Appell an die Fans

Der ehemalige Dortmunder nutzte die komplette Bandbreite seiner Fähigkeiten, um großtmögliche Begeisterung und Vorfreude auf das Spiel auszustrahlen. Das gelang ihm.
Jürgen Klopp ist heiß - auf The Kop: Der neue Teammanager des LFC sagte, er könne sein Heimdebüt kaum erwarten. Derweil haben die enthusiastischen Fans auf der altehrwürdigen Tribüne an der Anfield Road ihre Deutschlandfahnen bereitgelegt, der Empfang für den Heilsbringer aus Germany dürfte überwältigend werden.
"Ich freue mich wirklich auf mein erstes Spiel zu Hause", sagte Klopp . Er wolle "da rausgehen und alles aufsaugen", meinte er, und fügte in typischer Klopp-Manier an: "Wenn uns jemand überraschen und lauter und wilder als je zuvor in seinem Leben sein will, gerne!"

Probleme mit dem Hype

Ansonsten wird "The Normal One" die "Kloppmania" in der Beatles-Stadt aber fast zu viel. "Mit diesem Hype habe ich ein Problem, weil ich ihn überzogen finde", sagte er bei Sky. Angesichts des Rummels könne er nicht einmal raus und essen gehen: "Du hast immer einen Menschenauflauf."
Am Donnerstag werden ihn 44.000 verrückte Liverpudlians umringen. Schon bei seinem Einstand in der vergangenen Woche mit dem 0:0 bei Tottenham Hotspur machten die Anhänger deutlich, was sie von ihrem "Messias" erwarten. "Jurgen mein Held, mein Kumpel", schrieb einer auf eine schwarz-rot-goldene Fahne, andere schmückten Deutschland-Banner mit Klopp-Fotos und den Worten "Jürgen Meister" oder "Liverpool über alles".
In einem eigens für ihn kreierten Song machten die Anhänger klar, wo die Reise hingehen soll. "Jürgen Klopp, Klopp, Klopp / He will take us to the top" (Klopp wird uns an die Spitze führen), heißt es auf die Melodie von "Agadoo" der britischen Europopband Black Lace über den "New King of the Kop".
Klopp findet zumindest teilweise Gefallen an der Begeisterung. "Es ist alles Fußball!", sagte er über die Atmosphäre an der Merseyside, "Liverpool ist extrem anders und das ist deshalb so, weil es hier noch eine andere Tradition gibt. Und das macht die Stadt zu einem ganz speziellen Ort." Klopp soll die Leidenschaft - möglichst sofort - mit dem herbeigesehnten sportlichen Erfolg anreichern. "Ich hoffe, dass keiner ein 4:0 nach drei Minuten erwartet und dann enttäuscht ist", sagte er.
In der Mannschaft hat der 48-Jährige schon nach wenigen Tagen Großes bewirkt. Klopp sei "komplett anders" als alle anderen Trainer, sagte Nationalspieler Emre Can im Klubfernsehen: "Er ist viel emotionaler und nimmt dich auch mal in den Arm. Klopp gibt uns den Glauben an unsere Stärken zurück." Auch Lucas Leiva war am Mittwoch voll des Lobes.
Die Ehemaligen halten viel von Klopp. Dessen berühmter Vorgänger Gerard Houllier ist "froh", dass sich der Deutsche für Liverpool entschieden hat: "Sein emotionaler Stil dürfte in der Mannschaft und bei den Fans gut ankommen." Und Klub-Legende Jamie Carragher ergänzte: "Man erlebt es sehr selten, dass die Handschrift eines Trainers vom ersten Tag an sichtbar wird."
Carragher gab aber zu bedenken, dass Klopps kraftraubender Überfallfußball nur durchzuhalten sei, wenn der Coach rotieren lasse: Kasan ist für die Reds das erste von sechs Spielen binnen 17 Tagen. Und nach den Unentschieden gegen Girondins Bordeaux und den FC Sion (jeweils 1:1) steht Liverpool gegen den Tabellenletzten der Gruppe B bereits unter Druck. "Es ist das größte Missverständnis meines Lebens, dass ich immer gefragt werde, ob man dauerhaft so spielen kann", sagte Klopp, "aber wir killen die Spieler nicht."
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